Top Ten der Kriegsverpflegung: Was Soldaten im Kampf zu futtern kriegen

Wenn es im Krieg ernst wird, ist keine Zeit, die Feldküche aufzubauen. Jeder Soldat der Welt trägt sein Einmannpack bei sich, die Ration für einen Tag. Wir sagen Ihnen, was drin ist: Haben Italiener tatsächlich Pizza dabei? Bekommen unsere Jungs deutsche Hausmannskost? Welche Soldaten speisen am besten?

Dreieinhalb Jahre lang muss das sogenannte Einmannpack der Bundeswehr, kurz EPA, sich halten, darf auch unter der Sonne Afghanistans nicht schwächeln. Die Tagesrationen für Soldaten gehören weltweit gleich nach der Astronautennahrung zur härtesten Herausforderung an die Lebensmittelindustrie.

Schließlich brauchen die Jungs Energiezufuhr für harte körperliche Strapazen, und auch die strapazierte Psyche sollte durch das ein oder andere Leckerli gestreichelt werden. Die britische Tageszeitung «Guardian» veranstaltete in Afghanistan ein Wohltätigkeits-Dinner und ließ die Einmannpacks aus elf Ländern auftafeln.

FOTOS: Bundeswehr Verordnungen für Soldatendeppen

Gibt es Pizza in der Eisernen Reserve?

Die große Frage: Haben die Italiener wirklich Pizza im Pack? Denn nach Jahren der Forschung gibt es sie tatsächlich, die Pizza, deren Teig auch nach Jahren im Schweißpack nicht Tomaten-matschig wird und sogar im Geschmack noch an Pizza erinnert. Doch nicht Italiener, sondern die US-amerikanische Abteilung für Ernährung im Kampf hat es gepackt und das Lieblingsessen der Soldaten in EPA-Format gestanzt.

In der DDR übrigens hieß die Einmannpackung Eiserne Portion, die Schweizer sagen Notriemen. hier ist unser Ranking der Kriegsverpflegung:

Platz 11: Norwegen

Norweger sind aus ihrem großen, einsamen Land offenbar das Überleben in freier Natur gewöhnt und können Nahrung unter Steinen hervorkratzen. Ihre Tagesration ist jedenfalls extrem dürftig. Nur 16 Teile, darunter Taschentüscher, Plastiklöffel eine Spezialtüte zum Warmmachen und Tabasco - das kann man alles schonmal nicht so recht essen. Die Bohnen mit Schinken, die Schweißpackung Kekse und die Tootie-Frootie-Süßigkeiten reißen es nicht wirklich raus.

Platz 10: Spanien

España, von dir hätten wir mehr erwartet! Wo sind Jamón, Chorizo und Käse? Alles offenbar nicht dreieinhalb Jahre haltbar zu machen. 16 Teile enthält das spanische EPA und ein Großteil davon ist offenbar dazu da, Wasser zu reinigen, den Brenner zu befeuern und Vitamin C zu liefern: Es wimmelt vor eingeschweißten Tabletten. Nicht fehlen darf das Olivenöl, Schinken gibt es immerhin in der Konserve mit Bohnen, außerdem Gemüsesuppe in Pulverform, Leberwurst und Cracker. Und zum Nachtisch Dosen-Pfirsiche. Naja.

Platz 9: Kanada

Kanada macht seinen Soldaten immerhin eine kleine Freude mit Doppelkeksen in der Form von Bärentatzen (Bear Paws), das weckt heimatliche Gefühle ebenso wie das Lachsfilet mit Tomatensoße. Für Ahornsirup hat es nicht mehr gereicht, dafür gibt's Brot mit Erdnussbutter und Himbeermarmelade, für Vegetarier steht Couscous zur Auswahl.

Platz 8: USA

Etwas phantasievoller immerhin präsentiert sich der US-amerikanische Nachbar, der nach China die größte Armee der Welt zu versorgen hat. 15 große, in der Farbe des afghanischen Staubes verpackte Schweißpackungen enthält das Einmannpack. Das Hauptgericht ist hier italienische Pasta, zum Nachtisch ist Mandelkuchen im Pack, außerdem Cracker, Erdnussbutter, Cranberries, Gewürztee und Tropischer Punsch gegen den Durst und natürlich Kaugummis. Auch die Amis erwärmen ihr Mahl in einem innovativen Plastikbeutel.

Allein - es fehlt die Pizza!

Platz 7: Singapur

In Singapur haben Soldaten die Wahl: Nudeln mit Huhn, Reis mit Huhn und Pilzen oder Soja mit Roten Bohnen. Dazu gibt's Energieriegel, isotonische Getränke in Pulverform, Instant-Nudeln, Kekse, Bonbons, Tee und Kaffee. Klingt schon fast ein bisschen wie im Hotel.

Platz 6: Deutschland

Deutschland folgt dem Grundsatz «die Masse macht's». 31 Teile weist die Bundeswehr-Tagesration, alles ist in gold- oder silberfarbener Folie verpackt. Das Menu ist richtig schön deutsch: Als Hauptgericht wird Gulasch mit Kartoffeln kredenzt, außerdem Roggenbrot mit Leberwurst oder Marmelade (Aprikose und Sauerkirsch) und zum Nachtisch Obstsalat, als Snacks der berüchtigte Hartkeks, Schokolade und, den Amis sei Dank, zwei Päckchen Kaugummi. Exotisch erweist sich die Bundeswehr nur bei den Getränken: das Anrühr-Pulver ist in den Geschmacksrichtungen Exotiv und Grapefruit vertreten.

Platz 5: Australien

Australien hat all seine Speisen in Hellbraun und Altrosa verpackt - insgesamt 41! Es gibt unter anderem Müsli, Tee und Kakao zum Frühstück, als Hauptgericht wahlweise Fleischbällchen oder Chili-Thunfisch-Pasta, außerdem Cheddar-Käse und den Hefeaufstrich Vegemite und zum Nachtisch Marmeladenkekse.

Platz 4: Großbritannien

Bei den Briten geht's endlich mal nicht so farblos zu - und richtig schön english. 15 bunte Fruchtbonbons schwirren durch den Einmalpack, zum Frühstück gibt es auch für Soldaten in der Fremde lecker Bohnen zu Tee oder Kaffee, mittags lässt man sich vom kolonialisierten Indien beeinflussen und bringt das britische Lieblingsgericht Chicken Tikka Masala auf den Kocher. Zum Snacken liegen außerdem Fruchtmark, Kekse und Studentenfutter bei.

Platz 3: Estland

Die Balten haben auch mal was für's Auge im Paket, Konserven mit farbigem Aufdruck. Es gibt Müsli, gefüllte Paprika (mit deutscher Beschriftung auf der Dose!), eingelegtes Gemüse, geräucherte Sprotten, wie es sich für ein Küstenland gehört, Knäckebrot mit Leberwurst und zum Nachtisch dasselbe Fruchtmark wie die Briten und Halva mit Vanille. Charakteristisch und geradezu erlesen!

Platz 2: Italien

Optisch hat man den italienischen Soldaten ein ziemlich farbloses Menü eingepackt. Doch das hat es in sich: Es gibt Grappa - das einzige EPA, das ein Schlückchen Alkohol enthält! Außerdem wird Minestrone aufgetafelt, Reissalat und Truthahn-Gericht sowie diverse Kekse und Cracker, Obstsalat zum Nachtisch und SChokoriegel für den kleinen Hunger. Zweiter Italo-Clou: Cappuchino-Pulver!Aber: auch hier keine Pizza!

Platz 1: Frankreich

Vive la France! Auf den ersten Blick überzeugt das Soldaten-Mahl der Franzosen, schon allein deshalb, weil hier auf die tristen Schweißpackungen verzichtet wurde und fast alles in Original-Konserven oder bunt bedrucktem Plastik verpackt ist. Während der Deutsche sein Gulasch verzehrt und der Brite sein Masala gibt's beim Franzosen Fisch-Suppe vor Bohneneintopf mit Entenfleisch und Kreolischem Schweinefleisch. Zum Nachtisch zieht der Franzose ein Mousse au Chocolat aus dem Pack. Außerdem stecken drin Müsli, Salzcracker, Trink-Kakao, 64-prozentige Schokolade und ein Bonbon aus der Normandie. Keine Frage, bei den Franzosen ist die Heimat immer mit dabei!
Italien und Frankreich waren übrigens auch beim EPA-Dinner des Guardians die beliebtesten Menüs - obgleich eigentlich niemandem nichts so richtig geschmeckt hat.Nichtsdestotrotz lassen sich zumindest die britischen Army Ration Packs auch für elfeinhalb Pfund im Internet erwerben. Ich stelle mir allerdings lieber mein individuelles Survival-Pack zusammen!Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

iwi/news.de

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1 Kommentare
  • umbro75

    18.05.2014 19:03

    Dieser Test ist mal sowas von sinnbefreit. Vielleicht hätte man mal jemand fragen sollen der sich damit auskennt. Nach 6 Wochen leben im freien Feld war ich froh das die Norweger und die Amerikaner ihr EPA mit uns geteilt haben.

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