Wahlen: Nach der Wahlschlappe baut Hollande sein Kabinett um

Paris - Herbe Verluste für die Sozialisten, klare Erfolge für Konservative und Einzelsiege für die Rechtsextremen - Frankreich hat Präsident Hollande erneut einen Denkzettel verpasst. Nun soll nach Medieninformationen Innenminister Valls neuer Regierungschef werden.

Nach der Wahlschlappe baut Hollande sein Kabinett um Bild: Etienne Laurent/dpa

Nach der krachenden Niederlage der Sozialisten bei den Kommunalwahlen steht Frankreich vor einer Regierungsumbildung. Der bisherige Innenminister Manuel Valls soll nach Informationen französischer Medien Nachfolger von Premierminister Jean-Marc Ayrault werden. Seit Tagen war über einen solchen Schritt durch Frankreichs Präsident François Hollande spekuliert worden. Hollande kündigte für Montagabend eine TV-Ansprache an.

Die seit zwei Jahren regierenden Sozialisten stehen nach der Kommunalwahl vor einem Scherbenhaufen. Die Konservativen verbuchten in der Schlussrunde viele Siege, auch für die rechtsextreme Front National gab es Einzelerfolge. Für die Linke blieben Achtungserfolge vor allem in größeren Städten - so bekommt Paris mit der Sozialistin Anne Hidalgo erstmals eine Bürgermeisterin.

Mit Blick auf die Europawahl Ende Mai wurden daher entschlossene Schritte Hollandes erwartet. Laut jüngsten Umfragen zur Europawahl liegen die Sozialisten nur auf Platz drei - hinter der konservativen UMP und den EU-Gegnern der Front National.

Nach dem vorläufigen Ergebnis des Innenministeriums erzielte die Rechte bei den Kommunalwahlen landesweit 45,9 Prozent. Die Linken landeten bei 40,6 Prozent. Die Front National, die nur in ausgesuchten Städten antrat, konnte mit 6,8 Prozent im zweiten Wahlgang erneut zulegen. Unabhängige Bewerber kamen auf 6,6 Prozent.

In 171 Städten mussten die Linken ihre Macht an Konservative abgeben, im Gegenzug konnten sie nur sechs Städte der Rechten erobern. Die Sozialisten verloren unter anderem in Marseille, Toulouse, Amiens oder Reims. Auch teils historische Hochburgen wie Saint-Étienne, Limoges oder Chambéry fielen. Bei der Kommunalwahl 2008 hatten die Linken den damals regierenden Konservativen 82 Städte mit mehr als 10 000 Einwohnern abjagen können.

Unter den wichtigsten Städten sind jetzt noch 31 in der Hand der Linken. Die Konservativen kommen auf 56 bedeutende Kommunen, für FN oder andere extreme Rechte sind es elf wichtigere Orte. Am Sonntag ging es noch um die Mehrheiten in knapp 6500 Kommunen, eine Woche zuvor war in fast 37 000 Gemeinden gewählt worden.

In einzelnen Großstädten gelangen den Linken prestigeträchtige Siege. In Paris etwa setzte sich Hidalgo gegen die UMP-Kandidatin Nathalie Kosciusko-Morizet durch. In Avignon schlug die sozialistische Kandidatin Cécile Helle ihren FN-Herausforderer. In Lille sicherte sich die frühere Chefin der «Parti socialiste», Martine Aubry, die Mehrheit. Auch Lyon und Straßburg gingen an die Linken.

news.de/dpa

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