Umbruch in der Ukraine: Timoschenko - Rückkehr der Regierungschefin

In der Ukraine sitzen nun die Gegner des abgesetzten Präsidenten Janukowitsch an den Schalthebeln der Macht. Mit großem Tempo krempelt die Opposition das politische System um. Eine Schlüsselrolle spielt die aus der Haft entlassene Julia Timoschenko.

Nach der Machtübernahme in der krisengeschüttelten Ukraine will die bisherige Opposition rasch alle wichtigen Posten besetzen. Noch am Sonntag wolle das Parlament in Kiew einen neuen Regierungschef wählen, kündigte der Abgeordnete Nikolai Tomenko von der Partei der Oppositionsführerin Julia Timoschenko an. Die 53-Jährige sei ebenso eine Kandidatin wie ihr Fraktionschef Arseni Jazenjuk, sagte Tomenko lokalen Medien zufolge.

Timoschenko war am Vortag nach rund zweieinhalb Jahren aus ihrer umstrittenen Haft entlassen worden. Nur Stunden später hielt die erkrankte Politikerin eine emotionale Rede vor mehr als 100.000 Menschen auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan) in Kiew. Sie saß dabei im Rollstuhl. Timoschenko war bisher zweimal Ministerpräsidentin der Ex-Sowjetrepublik.

Freilassung Timoschenkos «historischer Augenblick für die Ukraine und für Europa»

EU-Parlamentschef Martin Schulz nannte die Freilassung der Ex-Regierungschefin einen «historischen Augenblick für die Ukraine und für Europa». Der Oppositionspolitiker Vitali Klitschko, der ebenfalls Präsident werden will, sprach von einem «politischen K.O.» für Janukowitsch.

Wo sich der abgesetzte Staatschef Viktor Janukowitsch aufhält, war weiter unklar. Auch sein Vertreter im Parlament, Juri Miroschnitschenko, betonte, er wisse es nicht.

FOTOS: Ukraine Aufstieg und Fall der Julia Timoschenko
zurück Weiter Julia Timoschenko ist für viele auch in Westeuropa immer noch ein Symbol der pro-demokratischen Orangenen Revolution von 2004. (Foto) Foto: dpa/Sergey Dolzhenko Kamera

Unternehmer Poroschenko dritter Kandidat als Regierungschef

Dritter prominenter Kandidat für das Amt des Regierungschefs sei der Unternehmer Pjotr Poroschenko, sagte Tomenko. Der bisherige Amtsinhaber Nikolai Asarow war Ende Januar auf Druck der Opposition zurückgetreten. Die Regierungsgegner hatten in der Nacht zu Samstag die Kontrolle in Kiew übernommen.

In einem weiteren Antrag wollten die Parlamentarier später ein Verbot der bisher regierenden Partei der Regionen von Janukowitsch sowie der verbündeten Kommunisten diskutieren.

Parlamentschef Alexander Turschinow ist Übergangspräsident

Das Parlament in Kiew bestimmte am Sonntag seinen neuen Chef Alexander Turtschinow bereits  zum Übergangspräsidenten. Die Abgeordneten votierten dafür, dem Vertrauten von Oppositionsführerin Julia Timoschenko vorübergehend die Vollmachten des Staatschefs zu übertragen. Das Parlament hatte bereits Präsidentenwahlen für den 25. Mai angesetzt. Dann will auch Timoschenko kandidieren. Der Oppositionspolitiker Vitali Klitschko hatte schon vor Monaten seine Bewerbung angekündigt. Der abgesetzte Staatschef Viktor Janukowitsch hat jedoch bisher nicht seinen Rücktritt erklärt.

 

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