Sahra Wagenknecht: Linke-Politikerin gibt die Frida Kahlo

So hat man Sahra Wagenknecht noch nie gesehen: mit Bändern und Blumen im Haar, in farbenprächtiger lateinamerikanischer Tracht und mit extravaganter Indianerhaube. Im Hochglanz-Magazin «Gala» stellt die Linke-Politikerin Selbstporträts der mexikanischen Malerin Frida Kahlo (1907-1954) nach.

Ein gekonnter PR-Coup kurz vor der Wahl? Bild: dpa

Bisher kannte man die 44-jährige Sahra Wagenknecht mit streng zurückgekämmtem Haar und meist ernster Miene. Doch nun zeigt sie der Öffentlichkeit ein anderes Gesicht: femininer und sinnlicher. Privat sei sie «sehr emotional, jemand, der auch weinen kann, der Glück, Harmonie und Zuspruch braucht», erzählt sie dazu.

«Das ist Kalkül», meint der Medien-Wissenschaftler Steffen Burkhardt, der an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg mediale Wahlkampfstrategien erforscht. Wagenknecht wolle damit ihre Attraktivität für Wähler steigern, die nicht zur Stamm-Klientel der Linken gehörten. Burkhardt hält die Veröffentlichung für eine «Meisterleistung der Wahlkampf-Kommunikation». Schließlich sei «Gala» Teil eben jener Konsumwelt, die von der Linken kritisiert werde. Und jetzt setze sich Wagenknecht eben dort gekonnt in Szene.

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Ebenso urteilt Paula Diehl, die am Institut für Sozialwissenschaften der Berliner Humboldt-Universität die «Symbolik der Demokratie» untersucht. «Ich finde das sehr gelungen. Sie spricht «Gala»-Leser an, und das sind nicht die Wähler der Linken. Diese Leser erreicht sie nicht mit ihrem Parteiprogramm.»

Laut «Gala» hat Wagenknecht sechs Monate lang gezögert, bis sie sich zu dem Foto-Shooting bereiterklärte. Natürlich sind damit auch Risiken verbunden. Kein Polit-Profi dürfte das warnende Beispiel der CSU-Politikerin Gabriele Pauli vergessen haben, die sich vor sechs Jahren für das Magazin «Park Avenue» mit Latex-Handschuhen ablichten ließ. Ihre parteiinternen Gegner fielen sofort über sie her - der zuvor von ihr kritisierte CSU-Chef Edmund Stoiber sprach von «Selbstdarstellung zu Lasten der gesamten Partei».

Anke Degenhard hat damals das Foto-Shooting organisiert. Pauli habe sich selbst für das Outfit entschieden, berichtet sie. Und Degenhard fand die Wahl gut: «Sie ist eine Frau mit einer sensationellen Figur. Man muss seine Reize auch nicht verstecken.» Die anschließende Aufregung habe keiner der Beteiligten vorausgesehen.

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Professor Burkhardt hält die beiden Fälle jedoch für nicht vergleichbar. Die «Gala»-Bilder zielten nicht auf Erotik ab, und der Bezug zu Frida Kahlo sei klug gewählt: «Eine künstlerische Frauenfigur, die dem Gedankengut der Links-Partei nahesteht.» Frida Kahlo war zeitweise Mitglied der kommunistischen Partei Mexikos.

Für Burkhardt steht Wagenknecht mit den Bildern in der Tradition Napoleons, «der mit viel Maskerade die Massenmedien seiner Zeit bedient hat». Napoleon bediente sich dabei ähnlich wie Wagenknecht verschiedener Rollen und Kostüme. Aus jüngerer Zeit in Erinnerung geblieben sind unter anderem die FDP-Europa-Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin, die sich mit nacktem Baby-Bauch fotografieren ließ, und der CSU-Shooting-Star Karl-Theodor zu Guttenberg, der triumphierend wie Jung-Siegfried auf einem gefällten Tyrannosaurus Rex steht.

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Nach Einschätzung von Paula Diehl hat sich Wagenknecht in der Vergangenheit vor allem an die Arbeiterführerin Rosa Luxemburg (1871-1919) angelehnt, indem sie sich ähnlich frisierte und kleidete. «Was sie jetzt macht, ist, dieses Bild ein bisschen aufzulockern.» Dabei kopiere sie Frida Kahlo nicht einfach, sondern passe das Bild dem heutigen Schönheitsideal an. Das berühmte Erkennungszeichen, das alle Selbstporträts der Malerin verbindet, fehlt bei Wagenknecht bezeichnenderweise: Fridas ausgeprägter Damenbart.

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fro/news.de/dpa

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