«Wahlkampf Undercover»
Bürgernähe? Ein Mythos!

RTL schaut mit seiner Reportage «Wahlkampf Undercover» hinter die Kulissen des Polit-Zirkus. Das Fazit fällt ernüchternd aus. Vom viel beschworenen Bürgerdialog fehlt jede Spur. Schlimmer noch: Einige Wahlkampfhelfer machen aus ihrer Verachtung gegenüber dem Wähler keinen Hehl.

FOTOS: Bundestagswahl 2013 Die Wahlplakate der Parteien

RTL geht gerne undercover - sei es, damit Chefs ihr eigenes Unternehmen auf Herz und Nieren prüfen können («Undercover Boss»), oder um allgemeine gesellschaftliche Missstände anzuprangern («Team Wallraff»). Es war also nur eine Frage der Zeit, bis auch der Wahlkampf dran glauben musste. Für die Sendung «Wahlkampf Undercover» schleuste RTL deshalb als Helfer getarnte Reporter, ausgewählte Bürger sowie Comedian Micky Beisenherz an die Politiker-Front, um «tatsächlich und ungeschönt hinter die Kulissen» zu blicken, wie es heißt.

Das große Wahl-ABC
Bundestagswahl 2013
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Die Ergebnisse fallen zunächst wenig erhellend auf. Es wird getestet, wie nah Bürger an Politiker auf Wahlkampfveranstaltungen kommen und wie viel Zeit sich diese für ihre Fragen nehmen. Was bei SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück dank Autogrammstunde noch relativ leicht gelingt, wird bei Kanzlerin Angela Merkel zum Ding der Unmöglichkeit - ein rappelvoller Marktplatz und kein Durchkommen. «Sie stehen auf der Bühne, leiern ihr Wahlprogramm herunter und hauen dann ab», lautet das frustrierte Fazit eines Mannes, der immer noch auf die versprochene Hochwasser-Hilfe wartet.

Bürgerdialog: RTL nimmt die Parteien beim Wort

Warum das so ist, beantwortet RTL im Anschluss gleich selbst. Die Kandidaten haben gerade im Endspurt des Wahlkampfes ein straffes Programm zu absolvieren. Merkel muss mitunter zu drei Auftritten an nur einem Tag. Selbstredend bleibt da wenig Zeit für Gespräche mit einzelnen Wählern. Da können die Parteien auf ihren zig Tausend Plakaten und im Internet noch so sehr mit Bürgernähe werben. Diese bleibt reiner Mythos, wie eine Studie der Universität Freiburg exemplarisch belegt. Sie prüft, wie sehr sich Politiker selbst an dem viel beschworenen Dialog beteiligen - zum Großteil nämlich gar nicht.

Von 534 Abgeordneten, die mit je einer Frage etwa zu Eurokrise, Mindestlohn oder Arbeitslosigkeit in einer persönlichen Mail angeschrieben werden, melden sich gerade einmal 38 Prozent zurück. Je nach Partei ist der Rücklauf höchst unterschiedlich: Es führt die Linke mit 59 Prozent, gefolgt von den Grünen (39 Prozent), SPD (37 Prozent) und CDU/CSU (33 Prozent). Schlusslicht bildet die FDP. Die Erklärung von Prof. Dr. Ulrich Eith, Leiter der Studie: «Bei regierungskritischen Fragen ist es für Oppositionsparteien einfacher, Position zu beziehen. Das spielt ihnen in die Karten.»

FOTOS: Wie Promis wählen Sie geben Merkel ihre Stimme
zurück Weiter Schauspieler Heiner Lauterbach (Foto) Foto: dpa/Jan Woitas Kamera

Ahnungslose Wahlkampfhelfer und politischer Einheitsbrei

Das ändert natürlich nichts daran, dass die niedrige Antwortquote nahelegt, die Politiker nähmen ihren eigenen Appell für mehr Bürgernähe selbst nicht besonders ernst. Diesen Vorwurf könnte man gut und gerne auch auf so manchen Wahlhelfer ausweiten. Sie scheinen sich weder mit den Wahlkampf-Gadgets ihrer Parteien noch mit deren Programminhalten besonders gut auszukennen. So weiß bei der Linken kaum einer, was der Slogan YOLO (You Only Live Once) bedeutet, mit dem die Partei auf Flyern wirbt. Alternativvorschläge gibt es frei Haus: «Die Partei, die am wenigsten Scheiße ist!»

Ähnlich ahnungslos sind die Helfer, wenn es um die Wahlprogramme ihrer Parteien geht. Im Blindtest nicken SPD-Anhänger durch die Bank weg CDU-Inhalte ab - in der Überzeugung, sie stammten aus dem eigenen Parteiprogramm. Mit dem Gegenteil konfrontiert folgt die Standard-Ausrede: «Die klauen doch eh alle.» Ohnehin komme es am Ende auf die Umsetzung an. Und über die schweigen sich CDU, SPD und Co. gerade im Wahlkampf ja gerne aus. Das Resultat bekommen wir in gestelzten Wahlkampfspots zu Gehör und Gesicht, die nur wenig von der politischen Realität erzählen.

VIDEO: Merkel, Merkel und nochmals Merkel
Video: YouTube/CDUtv

Von «Öko-Hippies» und «Gehirnverseuchten»

Wie die im Wahlkampf aussieht, bringt RTL erst ganz zum Schluss zu Tage, als die eingeschleusten Helfer zum Einsatz kommen. In den Büros und an den Ständen der Parteien ist von Aufbruchstimmung und Wählermotivation nämlich nicht viel zu spüren. Bei den Grünen macht man von Anfang an klar: «Die Perspektive, etwas zu ändern, fehlt!» Erstens, weil es die SPD nicht gebacken kriege, und zweitens, weil die vielen «Öko-Hippies, die uns wählen», ohnehin nichts von Politik verstünden.

Auch bei der Linken lässt die Meinung vom Wähler zu wünschen übrig. «Manchmal muss man niederschwellig denken», sagt der eine. Der andere macht die Westdeutschen für die Misere verantwortlich: «Die sind irgendwie gehirnverseucht» und dächten immer noch, die Linke bestünde aus bösen Kommunisten. Den Vogel aber schießt die FDP ab. Hier redet man nicht nur - schlimm genug - hinter vorgehaltener Hand über den Wähler, nein, man geht ihn sogar am Wahlkampfstand verbal an. «Ich habe von euch allen die Schnauze voll», heißt es da. Sachliche Diskussion - Fehlanzeige.

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Lahm und verlogen: Was vom Wahlkampf bleibt

Es mögen Stichproben sein, die RTL hier aufzeigt. Doch sie werfen ein hässliches Licht auf die Parteien und ihre Politik mit den Bürgern, die erst umgarnt, dann ignoriert und schließlich sogar verspottet werden. Von dem schönen Schein und den warmen Worten auf den Wahlkampf-Bühnen und in den Wahlwerbespots bleibt am Ende wenig übrig. Diese geben nicht preis, was manche Parteimitglieder wirklich von ihren Wählern halten, mit welcher Arroganz sie über diejenigen sprechen, deren Stimme sie wollen.

Der Eindruck, der bleibt: Es ist nicht nur ein lahmer, sondern auch verlogener Wahlkampf. Da wirkt es fast ironisch, wenn RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel den Zuschauern zum Schluss mit bedeutungsschwerer Mine einredet, es sei ihre Stimme, die zähle - hat die Reportage an einigen Stellen doch genau das Gegenteil vermittelt. Vielen wird wohl eher jener frustrierte Wähler aus der Seele gesprochen haben, der seine Meinung über Politiker am RTL-Mikro so zum Ausdruck brachte: «Vier Jahre lang ignorieren sie uns. Nur wenn sie etwas von uns wollen, gehen sie auf die Straße.»

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kls/news.de

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19 Kommentare
  • Siegfried Kunze

    10.09.2013 20:36

    Vielleicht kann Ragna einmal erklären, was er unter unter Lohnschreibertum versteht, aber wie ich dieses Hasenhirn einschätze, kommt da nichts vernünftiges bei.Ansonsten hat unser Minigoebbels nur den allseits bekannten Schrott beizutragen.Bei Ragna ist ein Update längst überfällig! Aber wahrscheinlich gefällt er sich in der Rolle des senilen Langweilers.

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  • RAGNAROEKR

    10.09.2013 19:07

    Gesellschafts- und Beamtenkritiker versuchen das Forum mit ihrer Einfalt. Mit ihren emotionalen Einlassungen wollen sie sich Gehör schaffen. Was steckt dahinter? Nichts als das Lohnschreibertum für linkische Parolen. Bewegt euch raus aus euren linken Schonräumen, fordert RAGNAROEKR die Vertreter des Vulgärmarxismus heraus. Der Exotenstatus der Renegaten darf sich nicht länger in den Foren verstecken. Systemische Ungerechtigkeit im Namen der Gleichmacherei ist die Herausforderung unserer Zeit. R klärt auf: Neobolschewiken sind die politischen Schandmale der Demokratie. Verbannt die Vulgärmarxisten!

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  • hpklimbim

    10.09.2013 18:51

    @red dot - Das war jetzt auch mindestens die 28. Wiederholung von der immer gleichen,stupiden Aufzählung. Der 22. wird kommen. Ob Sie keifen oder nicht.

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