Wahlspots 2013 Wenn FDP und NPD sich eine Familie teilen

Diese Familie radelt sowohl durch das Wahlvideo der Liberalen als auch durch das der Nationalen. (Foto)
Diese Familie radelt sowohl durch das Wahlvideo der Liberalen als auch durch das der Nationalen. Bild: news.de-Screenshot (YouTube/FDP)

Juliane ZiegengeistVon news.de-Redakteurin
Wahlwerbespots sind meist vor allem eines: peinlich. Den Liberalen passierte jetzt ein besonders blödes Missgeschick. Sie werben in ihrem Video mit derselben Familie wie die rechtsextreme NPD. News.de hat den bösen Patzer zum Anlass genommen, einen Blick auf die Spots der anderen großen Parteien zu werfen.

Es ist nur die jüngste, aber längst nicht die einzige Peinlichkeit, wenn es um Wahlwerbepots der Parteien zur Bundestagswahl 2013 geht: FDP und der NPD haben dummerweise beim selben Bildanbieter angeheuert und zeigen in ihren Clips eine Familie, die fröhlich durch den Wald radelt - es ist genau dieselbe. Damit ist der Spott vor allem den Liberalen sicher.

FDP reagiert und will Sequenz herausschneiden

Aus dem bösen Patzer, der von der Stuttgarter Werbeagentur wegmeister entdeckt wurde, wollen sie schnellstmöglich Konsequenzen ziehen. Die Sekunden-Sequenz soll aus dem Spot verschwinden und durch eine andere ersetzt werden, wie ein Parteisprecher mitteilte. Heute wird er jedoch noch unverändert im ZDF laufen.

Insgesamt achtmal soll der Wahlspot mit FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle über die Bildschirme flimmern - wie so viele Werbevideos der zur Wahl stehenden Parteien. Denn vier Wochen vor dem 22. September haben nach den einzelnen Wahlkreiskandidaten auch die Großen ihre offziellen Spots für TV und Kino vorgestellt. Und keiner von Ihnen entbehrt eine ganz eigene, meist unfreiwillige Komik. Aber sehen Sie selbst!

Wahlspot FDP
Rainer Brüderle in Höchstform
Video: YouTube/FDP

Rainer Brüderle sucht das Gelbe vom Ei

Der FDP kommt nicht nur der Bild-Fauxpas teuer zu stehen. Eigentlich müsste die Partei auch einiges ins Phrasenschwein einzahlen. «Menschen, die hart arbeiten, denen darf man nicht die Butter vom Brot nehmen» spricht Brüderle da in die Kamera - und als ob das nicht schon abgedroschen genug wäre, schmiert er sich dazu eine Stulle.

Auch bei «Rot-Rot-Grün ist nicht das Gelbe vom Ei» darf die bildliche Untermalung nicht fehlen. Ja, kein Scherz, diesmal löffelt Brüderle passend zum Spruch aus einem Ei. Garniert wird das Ganze mit jeder Menge Erfolgen und Versprechen, die Plattitüden wie «Deutschland geht es gut» und «Deutschland bleibt stark» untermalen. Immerhin gibt's nette Bilder.

Wahlspot der CDU
Merkel, Merkel und nochmals Merkel
Video: YouTube/CDUtv

Märchentante Angela Merkel in Höchstform

Beim Koalitionspartner CDU beschränken sich die Bilder vor allem auf eines, oder besser gesagt eine. Im Fokus steht - wie sollte es anders sein - Kanzlerin Angela Merkel. Wahlweise auf einem Sofa oder einem Hochhausdach wird sie in jeder erdenklichen Pose gezeigt, Bürgernähe durch unzählige Close-ups suggeriert. Dazu schildert Merkel gewohnt unaufgeregt bis monoton, wie sie sich die Zukunft Deutschlands vorstellt: erfolgreich, fair, solidarisch.

Das Alles wirkt fast wie eine Angie-Märchenstunde, wäre da nicht das Grau in Grau des Hintergrundes: graues Sofa, graue Wände, grauer Himmel. In dieser tristen Umgebung soll Merkel in ihrem weinroten Outfit wohl besonders hervorstechen. Doch ihre Rede bleibt genauso eintönig wie der Rest des Clips und deshalb auch nicht lange in Erinnerung.

Wahlspot der SPD
«Rednerpult des Volkes»
Video: YouTube/SPDvision

Bei der SPD dürfen Bürger jammern

Den größten Kontrast zum Personenspot der CDU bieten, wie nicht anders zu erwarten, die Sozialdemokraten. Schließlich sind sie mit ihrem Spitzenkandidaten Peer Steinbrück in so manches Fettnäpfchen getappt und denken sich wohl, ihn vorsichtshalber ganz ans Ende des Videos zu verfrachten. Im Vordergrund steht der Wahlkampfslogan «Das Wir entscheidet» und damit der Bürgerwille.

Vermeintlich echte Bürger grasen am SPD-Rednerpult in knapp anderthalb Minuten alle Problemherde der Republik ab - Kinderbetreuung, Rente, Eurokrise, Bildung, etc. Was läuft schlecht, sprich: Was hat die aktuelle Regierung verzapft? Was soll besser werden, sprich: Was muss die SPD wieder gerade biegen? Da kommt Steinbrück ins Spiel. Er will Deutschland wieder gerechter machen - das einzig positive Signal in einem sonst von Angst und Sorgen erfüllten Video.

Wahlspot der Grünen
«Neues aus dem schwarz-gelben Tierreich»
Video: YouTube/BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Biologie-Stunde mit Bündnis 90/Die Grünen

Auch die Grünen verzichten auf ihre Gesichter, Kathrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin - diesmal sogar komplett. Stattdessen bitten sie den Schauspieler William Cohn vor die Kamera, der dem Bürger in einer Mischung aus «Die Sendung mit der Maus», «Löwenzahn» und «Neues aus der Anstalt» die gemeine Schnecke, im Fachjargon auch Gastropoda genannt, vorstellt.

Sie soll als Metapher für die Trägheit der jetzigen Regierung stehen: ohne jedes Rückrat, äußerst gemächlich, die Fühler stets nach dem Wind ausgerichtet, jede Anstrengung vermeidend. Um auch sicher zu gehen, dass jeder weiß, wer gemeint ist, untermalen Schwarz-Weiß-Bilder von Merkel, Rösler, Seehofer und Co. das Gesagte. Wer hier für ein Ende der «Schneckenplage» wirbt, wird zum Schluss klar - mit dem von den Wahlplakaten bekannten Slogan «Und du?»

Die Wahlwerbespots der Linken und der Piraten sehen Sie hier.

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Bundestagswahl 2013
Die Wahlplakate der Parteien

fro/news.de

Leserkommentare (24) Jetzt Artikel kommentieren
  • heinrichIV
  • Kommentar 24
  • 24.11.2013 13:04

Könnt Ihr Euch wirklich vorstellen, dass diese nett radelnde und natur- und heimatverbundene NPD-Familie die FDP oder deutsch-feindlichen Politklüngel wählen würde? Ich sicher nicht!!!!! Langfristig wird sich zeigen, dass die NPD in fast allem was sie sagt und schreibt, auf der rechten (richtigen) Seite ist. Das werdet Ihr alle noch schmerzvoll erkennen müssen, wenn es zu spät ist und Galgenvögel der etablierten Parteien ihr Ziel erreicht haben, den biologischen Fortbestand des deutschen Volkes mit aller Macht zu verhindern (lt.bereits vorliegendem Landtagsbeschluss!!!)

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  • Rainer Dornfelder
  • Kommentar 23
  • 02.09.2013 20:03

Frei nach "Des Kaisers neue Kleider" sind die fdp-Selbstversorger mit gekauften Trugbildern( radelnde junge Familie) genau da gelandet, wo sie hingehören,ganz unter hin. Es stinkt nach Gilb und rechtem Rand.

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  • Siegfried Kunze
  • Kommentar 22
  • 01.09.2013 17:33

Rag ist wie eine Gebetsmühle,er leiert permanent die gleichen Phrasen herunter. "Politik macht dumm" Recht hat er, denn er demonstriert das an sich selbst in exorbitanter Weise, als Rattenfänger des Neoliberalismus bedient er voller Schwung den FDP-Leierkasten,möge ihm doch der r(R)echte Arm einschlafen,denn links ist er ja gelähmt durch seine Phobien! P.S. am Beispiel Rag sieht man, dass die Dummen leider nicht aussterben! Wie war das mit der Sterbehilfe?

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