«Brigitte»-Interview Kanzlerin Merkel so offen wie nie

Deutsche Kanzlerin
Wer ist Angela Merkel?

Von Kristina Dunz
Ein Stück der besonderen Art im Maxim Gorki Theater in Berlin: Die Kanzlerin tritt auf und das Publikum ist begeistert. Es erfährt aus erster Hand, wie viel Schlaf die mächtigste Frau der Welt braucht, ob ihr Mann sie berät und wann sie mit sich im Reinen ist.

In einem Gespräch mit der Frauenzeitschrift Brigitte am Donnerstagabend im Berliner Maxim Gorki Theater überzeugte Kanzlerin Merkel mit Witz, Esprit und Kleinigkeiten aus ihrem Privatleben.

Mehrere Hundert Zuhörer - darunter überwiegend Frauen - erleben eine schlagfertige, amüsante und auch amüsierte Kanzlerin und CDU-Vorsitzende.

Zu Thema Reden und Schweigen sagte sie: «Schweigen wird ja eine Rarität in unserer Gesellschaft.» Unter Beifall erklärte sie: «Denken beim Reden ist auch nicht so einfach», und mahnte: «Wenn man Verschiedenes denken will, braucht man vor dem Reden eine Phase des Schweigens.»

Merkel mag Männer mit schönen Augen

Auf die Frage, wo sie wirklich Stille erlebe, antwortete die Kanzlerin spontan: «Allein in meinem Büro.» Als daraufhin im Publikum laut gelacht wurde, fügte sie hinzu: «Oder am Wochenende in der Natur, wenn man mal eine Stunde Zeit hat.» Sie stellte aber auch schnell klar: «Nicht im Sinne des Ausruhens, sondern dass man mal einen Gedanken zu Ende führen kann.»

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Kurzzeitig sprachlos war Merkel bei der Frage der Brigitte-Chefredakteurin Brigitte Huber, was sie an Männern attraktiv finde. Nach kurzem Schweigen und dann Lachen sagte Merkel mit einem Fragezeichen in der Stimme: «Schöne Augen?»

Neidisch sei sie nicht auf Männer. Erstens habe sie sich im Laufe ihres Lebens angewöhnt, mit sich als Frau zufrieden zu sein. Zweitens hätten es Männer heute nicht mehr leichter als Frauen. Zwei Dinge würde sie aber gern so gut können wie Männer: Holzhacken und mit tiefer Stimme sprechen.

Frauen sind auch nicht immer nett, findet Merkel

Doch es ging auch um politische Themen. Die Frage nach Kristina Schröder oder Ursula von der Leyen will Merkel erst nicht so recht beantworten, kommt dann aber nicht drumherum: Sie bezieht in der Frage der Frauenquote, die wegen eines Vorstoßes von der Leyens zu einer gesetzlichen Vorgabe vorübergehend zum Sprengpotenzial für die Koalition geworden war, klar Position für Schröder.

Diese ist gegen die feste Quote. Frauen in der Politik seien übrigens ganz unterschiedlich, findet die Kanzlerin, was keine Überraschung ist. Doch sie nennt ausgerechnet von der Leyen, Schröder und sich selbst als Beispiel. Und sagt: «Frauen sind zu Frauen auch nicht immer nett in der Politik.»

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Nur wenige Male kommt Merkel in dem knapp 90-minutigem Auftritt in Verdrückung. Etwa als Chefredakteurin Huber fragt, ob von der Leyen in der übernächsten Wahlperiode Kanzlerin werden könnte? «Ich traue das vielen zu», behauptet Merkel. «Trotzdem glaube ich, ist die Frage in dem Kontext so gestellt, dass ich jetzt nicht darüber befinden will.» Und was macht Merkel, wenn sie einmal nicht mehr Kanzlerin ist? «Da hatte ich jetzt wenig Zeit, darüber nachzudenken. Ich habe nicht den Eindruck, dass mir die Fantasie ausgehen wird.»

Als Kanzlerin ein interessanter Fall, für die Familie nur wenig Zeit

Ist Merkel eine Feministin? «Nein. Das würde die Feministinnen traurig machen, wenn ich mich dazu zählen würde.» Aber möglicherweise sei sie für Frauen als Kanzlerin ein interessanter Fall. Haben Sie genug Zeit für Ihre Familie? «Nein.» Fragt sie ihren Mann um Rat? «Manchmal sagt er auch von selbst etwas. Die Tatsache, dass er etwas sagt, zeigt, dass es ein Problem gibt.»

Sie bekennt, dass sie sich lange Zeit nimmt für Entscheidungen - politische Gegner sagen, sie verspiele dadurch wichtige Zeit, tue sich generell schwer mit Entschlüssen und richte sich quasi oft nach dem Wind. Die Kanzlerin sagt, politische Entscheidungen, die mit 100 zu null Prozent gefällt würden, seien selten. Einmal entschieden, müsse sie dann aber auch nicht mehr hadern. «Dann wird der Weg gegangen. (...) Ich bin mit mir im Reinen.» Die Finanzhilfen für Griechenland seien ein solcher Entscheidungsprozess gewesen.

Der Alltag als Kanzlerin und kamelartige Fähigkeiten

Bei den Themen Alltag oder Ausnahmezustand, wählt Merkel den Alltag und landet mit ihren Antworten schnell beim «Ausnahme-Alltag», wie es Huber beschreibt. Die Kanzlerin schildert, dass sie immer erreichbar ist, keine festen Verabredungen machen kann und jederzeit mit einer Krise rechnen muss.

Braucht sie wirklich nur vier Stunden Schlaf? Nein, antwortet sie. Aber: «Ich habe gewisse kamelartige Fähigkeiten. Ich habe eine gewisse Speicherfähigkeit. Aber dann muss ich mal wieder auftanken.» Und was nährt eigentlich den Mythos, dass sie eine ganze Nacht lang einen EU-Gipfel bestreitet und danach noch fit aussieht? Merkel: «Den Mythos nährt, dass es passiert.»

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som/news.de/dpa

Leserkommentare (20) Jetzt Artikel kommentieren
  • Dein Heiland
  • Kommentar 20
  • 20.05.2013 17:36

Olli, auch so einer, der alle Mahlzeiten aus Einsamkeit vorm PC reindrückt. Hilfe es ist Pfingsten und niemand gibt ihm einen Anlaß etwas loszuwerden. Nun bist du ja erlöst.

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  • Olli
  • Kommentar 19
  • 15.05.2013 13:56

Wie ich schonmal sagte...ich bin nicht verantwortlich für deine geistige Insolvenz .-)

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  • 008
  • Kommentar 18
  • 13.05.2013 11:02

Na dann "spöttel"einfach weiter! Langweiler.

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