Währungskrise Wer mit Anti-Euro-Parolen Stimmen fängt

Schuldenkrise
Der Euro in Not
Zwar haben Bundestag und Bundesrat am 29. Juni 2012 den ESM zur Euro-Rettung gebilligt, doch reichten die Linke, der CSU-Abgeordnete Gauweiler und eine Bürgerinitiative Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht ein. (Foto) Zur Fotostrecke

Juliane ZiegengeistVon news.de-Redakteurin
Zypern hat gezeigt: Sie ist noch da, die Eurokrise, und zwar lebendiger denn je. Mit ihr leben auch europafeindliche Protestbewegungen wieder auf. News.de zeigt, wo sie bereits politisches Gewicht erlangt haben und wo der Rückhalt für die EU und den Euro weiter stark ist.

Der Protest gegen den Euro ist groß - nicht nur in Zypern und nicht erst seit gestern. Nachdem es ein paar Monate ruhig geworden war um die Finanzkrise, die Europa seit 2009 beschäftigt, hat die Beinahe-Pleite der Inselrepublik alte Wunden wieder aufgerissen. Auf den zypriotischen Straßen wird gegen Merkel und die EU gehetzt. Und auch andernorts erleben Anti-EU- und Anti-Euro-Bewegungen einen neuen Hype.

Zuletzt verbuchte die britische Anti-EU-Partei «Independence Party» Rekordwerte. Nun ist Großbritannien ohnehin ein Land, wo die Abwehrhaltung gegenüber der EU schon fast Tradition hat. Dennoch sind 17 Prozent ein bemerkenswertes Ergebnis und machen die Partei spätestens für den Wahlkampf 2015 interessant.

Auch in anderen Ländern gehen Eurogegner mit ihrem Credo auf Stimmenfang. In Deutschland sorgte jüngst die «Alternative für Deutschland» für Aufsehen. Die Gründer, darunter namhafte Ökonomen, wollen die europäische Währungsunion auflösen und die «EU-Diktatur» zum Schutze der eigenen demokratischen Rechte abschaffen. News.de berichtete.

In Italien hat der Protest gesiegt

Auf taube Ohren stoßen sie damit nicht. Einer repräsentativen Studie des Nürnberger GfK-Vereins zufolge wünscht sich immerhin mehr als ein Drittel der Deutschen (35 Prozent) die D-Mark zurück. Selbst in Krisenländern wie Griechenland und Italien ist die Zustimmung für den Euro mit 75 und 76 Prozent höher.

Gerade deshalb werfen viele Experten den Anti-EU- und Anti-Euro-Bewegungen Populismus vor. Sie bedienten sich vorhandener Ängste, schürten zusätzliche Skepsis gegenüber der Europa-Politik des eigenen Landes sowie der Politik Europas und stachelten das Wutbürgertum bewusst an. Den Kollaps, den sie prophezeien, beschwörten sie demnach selbst herauf.

Wie sich das realpolitisch äußern kann, zeigte sich kürzlich in Italien. Dort mauserte sich die Protestbewegung «Fünf Sterne» des Komikers Beppe Grillo von einer politischen Randerscheinung zur drittstärksten Kraft. Ihm hatten die EU-frustrierten Italiener genauso ihre Stimme gegeben wie dem Ex-Premier und Medienmogul Silvio Berlusconi. Beide punkteten mit Anti-Euro-Parolen wie «De facto ist Italien doch schon aus dem Euro raus» oder «Der Euro überzeugt niemanden».

Anti-Parteien in Finnland und Frankreich

Zu einem derartigen Durchbruch haben es Eurogegner bei Wahlen selten gebracht. Obwohl auch in anderen europäischen Ländern Protestbewegungen sprießen - kurioserweise vor allem da, wo die Krise so omnipräsent gar nicht ist. In Finnland zum Beispiel haben sich die Skeptiker als «Die Finnen» formiert und sind 2003 sogar ins Parlament eingezogen. 2011 wählte sie jeder Fünfte im Land.

In Frankreich agieren ein rechtes und ein linkes Lager europafeindlich. Die «Front National Aktiv» macht gegen offene Grenzen und die Euro-Disziplin mobil. Schließlich sei diese für die schwächelnde Wirtschaft verantwortlich. Das sagt auch die «Front de Gauche», das linke Gegenstück. Sie pocht auf die nationale Souveränität Frankreichs und will alle Unternehmen verstaatlichen. Gemeinsam finden die Extremen bei einem Drittel der Wähler Anklang.

Im Vergleich dazu ist es in den bekannten Krisenstaaten der EU überraschend ruhig, was organisierte Euro-Kritik angeht. Zwar gibt es auch hier diffuse Proteste und Politiker, die immer mal wieder einen Austritt aus der gemeinsamen Währung zur Sprache bringen. Doch der harte Sparkurs und die undurchsichtige Rettungspolitik haben dort nur selten zur Gründung einer Anti-Euro-Partei geführt.

In Spanien wurde bisher sogar jedes Rettungspaket ohne Veto auch nur irgendeiner Partei durchgewunken. Die Bevölkerung steht nach wie vor zum Euro und zu Europa: Drei von vier Spaniern wollen, dass ihr Land in der EU bleibt. Zwei Drittel fühlen sich als Europäer. Das ist mehr als in so manchem Gründerland.

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Leserkommentare (14) Jetzt Artikel kommentieren
  • Pazifiko
  • Kommentar 14
  • 11.05.2013 11:02

Ist denn der neue Fünf-Euro-Schein nun eigentlich mehr wert als der alte oder nicht?

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  • heinrichIV
  • Kommentar 13
  • 01.04.2013 12:28

Karl-Heinz Kasch ! Dein Hinweis "...Aktenzeichen Politiker" ist empfehlenswert. Hochinteressant auch die Infos vom Steuerzahlerbund Bayern zu diesem Thema!!! Möglicherweise würde Willy Brandt dazu aussprechen: "Es passt nicht zusammen, was nicht zusammen gehört". Schuldnerstaaten mit Geberländern zu verbinden, kann nur zum Nachteil für ALLE sein. Geistig verirrte Euro-Phantasten haben bereits alles Bundesbank u. Steuergeld verbrannt. Nun gehts direkt ans Geld der Sparer (sicher nach der nächsten Wahl !) egal ob CDU oder SPD das Sagen hat. So siehts aus! Wählt Euch damit schön ins Eurograb.

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  • Karl-Heinz Kasch
  • Kommentar 12
  • 01.04.2013 11:11

Der € ist der gelungene Versuch, die Völker schleichend zu enteignen. Der "Testballon" in Zypern hat ja geklappt. Das Volk ist ruhig geblieben. Was wollen die Politikverbrecher mehr? Zur Inf.: Lest mal G.Grandt: Aktenzeichen Politiker... Der neue "Boss" der EZB hat es ja zugegeben. Wann kommt die Zwangsabgabe in D.? Jeder durchschnittlich intelligente Mensch WUSSTE, das (der €) kann nicht funktionieren. Wer hat wirklich geglaubt, was die Politiker da wieder zusammen gelogen haben? Aber warum sollten sie diesmal die Wahrheit sagen?

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