Annette Schavan Mit dem Dr. ist auch das Amt futsch

Ob absichtlich getäuscht oder «nur» unsauber gearbeitet: Das Ansehen von Bildungsministerin Annette Schavan ist beschädigt. Sollte sie ihren Doktortitel verlieren, wird sie zurücktreten müssen. Doch ob sie überhaupt so lang im Amt bleibt? Schließlich ist Wahlkampf.

Plagiatsaffären: Zum Doktor geschummelt

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) kämpft in diesen Tagen nicht nur um ihren Doktortitel, sondern auch um ihre politische Karriere.

Sollten sich die Vorwürfe erhärten, sie habe in ihrer 1980 eingereichten Dissertation Person und Gewissen unkorrekt zitiert und wissenschaftliche Standards vernachlässigt, wird sie im Amt nicht mehr zu halten sein. Und es ist fraglich, ob sie überhaupt so lange durchhält.

Noch stehen die Parteikollegen, allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel, zu Schavan. Dabei zieht sich die Plagiatsaffäre bereits seit gut knapp neun Monaten hin - viel zu lang. In dieser Zeit erhärtete sich der Plagiatsverdacht durch neue Fundstellen im Text; ein externer Gutachter bescheinigte der Ministerin sogar eine Täuschungsabsicht. Erst jetzt eröffnete die Universität Düsseldorf das Verfahren zum Doktorentzug. Es sei ergebnisoffen, heißt es.

Doch ohne stichhaltige Gründe wird ein solches Verfahren bestimmt nicht eingeleitet. Schon gar nicht gegen eine Bildungsministerin, die weiter auf ihre Unschuld pocht. Am 5. Februar soll es fortgesetzt werden; eine Frist gibt es nicht.

Sollte sich die Affäre weiter hinziehen, könnte Schavan noch vor Abschluss fallen. Ein Bundestagswahlkampf im Zeichen einer des Plagiierens beschuldigten Ministerin wird Merkel nicht führen wollen - und auch nur schwer können.

Schließlich hat die SPD angekündigt, Bildung zu einem ihrer Wahlkampfthemen zu machen und wird sich nur allzu gerne auf Schavan stürzen. Hinzu kommt die rot-rot-grüne Mehrheit im Bundesrat. Schwarz-Gelb-geführte Länder haben dort nur noch 15 von insgesamt 69 Stimmen und damit in der Ländersache Bildung nicht mehr viel zu sagen. Merkel setzt das gewaltig unter Druck, auch in Bezug auf den Verbleib von Schavan im Amt.

Schon jetzt ist ihr Ansehen nachhaltig beschädigt. Doch an Rücktritt denkt die Bildungsministerin nicht. Dabei sollte gerade es für sie, die Exzellenzuniversitäten fördert und für hohe wissenschaftliche Standards eintritt, keine Rolle spielen, ob es Täuschung oder «einfach nur» unsauberes Arbeiten war. Beides wird ihrer Vorbildfunktion im Amt nicht gerecht. Und wer sich für Guttenberg schämt, muss auch vor der eigenen Haustür kehren.

Bleibt nur zu hoffen, dass Schavan nicht so lange externe Gutachter einfordert, bis einer von ihnen die Ministerin freispricht.

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mar/news.de

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Leserkommentare (28) Jetzt Artikel kommentieren
  • ni5d
  • Kommentar 28
  • 06.02.2013 05:58
Antwort auf Kommentar 27

Warum hast du Mitleid mit Schavan?

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  • Peter Gloos
  • Kommentar 27
  • 28.01.2013 11:34

Antwort auf Komm: 12 Wer frei ist von Schuld, der werfe den ersten Stein (Bibelwort). Wir sind ja alle so was von gesegnet mit Geradlinigkeit, Charakterstärke, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Wahrheitsliebe, Offenheit etc., das einem ja schon bald angst und bange wird ob diesen Auswüchsen! Besser wäre, wir würden uns öfter an die eigene Nase fassen und uns nicht der Selbstlüge und Selbstbetrugs preisgeben. Wie es mit der Ehrlichkeit unseres Volkes bestellt ist, ist wohl hinreichend bekannt. Da bescheisst jeder jeden, so gut er kann. Nein, von deutschen Tugenden erzähle mir niemand!! So was???

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  • hpklimbim
  • Kommentar 26
  • 28.01.2013 00:47
Antwort auf Kommentar 25

Das sehe ich auch so. Und dass hier Detailfetischisten tätig sind, die mal wieder moralische Werte einfordern, die sie selbst nicht leben. Es gibt wahrhaftig Wichtigeres in diesem Land als solche Debatten um alten Käse. Es ist Wahlkampfzeit, die großen Parteien haben so gut wie keine Wahlkampfprogramme, um wirklich wichtige Fragen wie Mindestlohn wird nach wie vor ein großer Bogen gemacht.

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