Plagiatsvorwurf Frau Dr. Schavan - Summa cum Schummel?

Ihr Doktortitel steht auf der Kippe. Doch Annette Schavan beteuert, ihre Dissertation sei kein Plagiat. Sie ist optimistisch, dass sich die Vorwürfe als falsch erweisen werden. Ein Gutachter sieht das auf news.de anders und sagt: Es wird zum Doktorentzug kommen. Eine Verjährung hält er für ausgeschlossen.

Plagiatsaffären: Zum Doktor geschummelt

Seit neun Monaten steht der Plagiatsvorwurf gegen Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) im Raum:

Anfang Mai 2012 machte die Online-Plattform Schavanplag entsprechende Textstellen aus Schavans Doktorarbeit Person und Gewissen von 1980 öffentlich. Die Beschuldigte versprach gemeinsam mit der Universität Düsseldorf, an der die Ministerin promovierte, lückenlose Aufklärung.

Erst jetzt hat die Universität offiziell ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels eingeleitet. Dazwischen liegen Monate der Ungewissheit, in denen unter anderem durchsickerte, dass ein Gutachter Schavan «eine leitende Täuschungsabsicht» attestiert. Die Politikerin selbst erfuhr das aus der Öffentlichkeit.

«Dass es ein Leck zu den Medien gab, war sicher sehr ungünstig», sagt Dr. Stefan Weber zur anhaltenden Kritik an der Hochschuleinrichtung. Er ist Sachverständiger für wissenschaftliche Texte mit dem Schwerpunkt Plagiatsprüfung und schreibt in seinem Blog rege über aktuelle Fälle auch bekannter Politiker.

«Wie ich die Universitäten kenne, sind das wahrscheinlich Verzweiflungstaten auf Grund von internen Grabenkämpfen gewesen, oder hier hat tatsächlich jemand Geld verdient», sagt er weiter. Dass ein FachexternerDas erste Gutachten stammt von Judaistik-Professor Stefan Rohrbacher von der Universität Düsseldorf. mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt wurde, sei aber «mehr als korrekt». Denn: «Innerhalb der einzelnen Disziplinen halten Wissenschaftler bei Fehlverhalten sehr oft zusammen und neigen zu Beschönigung oder Verdrängung.»

Für Schavan geht das Bangen mit Eröffnung des Verfahrens weiter. Die Vorwürfe seien stichhaltig genug, hieß es aus dem Rat der Philosophischen Fakultät; das Verfahren bleibe aber «ergebnisoffen». Er werde die Unterlagen des Promotionsausschusses prüfen und anhand dessen eine Entscheidung über den Titelentzug fällen.

Das sagt die Ministerin:

Schavan versichert weiterhin, ihre Doktorarbeit sei kein Plagiat. «Die intensive Beschäftigung mit dem Text meiner Dissertation - auch im Zusammenhang mit meiner schriftlichen Stellungnahme zu der Ausarbeitung des Vorsitzenden des Promotionsausschusses - bestärken mich in meiner Überzeugung, dass meine Dissertation kein Plagiat ist», ließ sie erklären.

Die CDU-Politikerin, die 2013 wieder für den Bundestag kandidieren will, zeigte sich zugleich überzeugt davon, «dass die unbegründeten Plagiatsvorwürfe ausgeräumt werden».

Das sagt der Gutachter:

Anderer Meinung ist da Dr. Weber. Er glaubt an einen Entzug des Doktorgrades. Erst recht, wenn der Bericht des Promotionsausschusses von einer Täuschungsabsicht spricht - wovon er ausgeht.

«Ich habe mir die Funde sehr genau angesehen und komme auch zu dem Schluss, dass sich hier eine Täuschungsabsicht feststellen lässt», sagt der Experte.

Bereits im Mai 2012 hat Weber dies in seinem Blog verschriftlicht. «Dann kamen ja noch viel mehr Funde dazu, die das nur noch unterstrichen haben», hält er fest. Ihm selbst liege die Dissertation von Schavan vor sowie mehrere Bücher, aus denen sie ab- und umgeschrieben haben soll.

Comebacks: Politische Stehaufmännchen
zurück Weiter Nach seinem Rücktritt wegen der Plagiatsaffäre startet Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in Amerika durch. (Foto) Zur Fotostrecke Foto: dpa/M. Becker/Archiv

Eine Verjährung der Vorwürfe, wie sie zuletzt der Historiker Paul Nolte befürwortete, hält Weber für ausgeschlossen:

«Das ist schlichtweg derzeit im Gesetz nicht vorgesehen. Plagiate verjähren nicht. In Österreich wurde unlängst einem pensionierten Juristen der Grad aberkannt. Daran sollte sich auch nichts ändern.»

Damals, vor 30 Jahren, galten ebenso wissenschaftliche Standards, wie Weber verdeutlicht. «Ich habe mir mehrere Methoden-Lehrbücher aus den siebziger Jahren bestellt, übrigens nur solche, die damals in der Fachbibliothek auflagen, zu der Frau Schavan Zugang hatte», erklärt er. Und auch bei alten Verwaltungsgerichtsurteilen aus der Zeit um 1980, die sich mit Plagiatsfällen beschäftigen, sei er fündig geworden.

Schavan könnte vor dem Verwaltungsgericht innerhalb eines Monats klagen, sollte ihr der Doktortitel aberkannt werden. So hat es Silvana Koch-Mehrin, für die FDP im Europäischen Parlament, 2011 gemacht - bisher allerdings ohne Erfolg.

Und selbst wenn der Titel so wiederkäme - ob man ihn dann noch mit Würde tragen könnte, ist eine andere Frage.

Sind Sie schon Fan von news.de auf Facebook? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

jag/news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • General Korruptator
  • Kommentar 5
  • 25.01.2013 10:00

Dr. Schummelite, Kleptomania! Ich bin dafür, das alles vertuscht und unter den Tisch gekehrt wird, damit unsere Demokratie unbeschädigt bleibt. Medien einfach verbieten und abschaffen. Der Plebs hat zu parieren und sonst far nichts.

Kommentar melden
  • Amfressnapf Sitzenbleiben
  • Kommentar 4
  • 25.01.2013 09:42

Dieses Land ist ein einziger Beschiss am Volk, es braucht also auch Manager, Minister und Regierungen die bescheißen und sonst gar nichts tun können. So ein geistiger Diebstahl ist harmlos, denn selbst Goethe hat nur vorhandene Werke umgedichtet, Kleist mit in den Selbstmord getrieben. Unterwelt Betrug und Verbrechen regieren diese Welt. Man ist heutzutage noch scheinheilger als zur Zeit Tetzels. "Wieviel Erde braucht der Mensch?" Da enden auch die größten Großkotze früher oder später Frohe Botschaft 2013! Alles für die Weissenschaft, auch Betrug & Schlachtlizens Organspenderausweis.

Kommentar melden
  • Habit Spritus
  • Kommentar 3
  • 25.01.2013 09:29

Sollte Schavan im Falle eines Doktorentzugs zurücktreten? Diskutieren Sie mit! Ja, sie ist ein Zeuge für unsere dominierende Betrugswirtschaft, und die braucht niemand. Je größer der Betrug, je größer Lump, um so einflussreicher ist er. Das ist auch gut so für unsere Raubtiergesellschaft, wenn sie endlich untergehen soll. Völker frohlocket, die Rangstreitigkeiten in einem Lumpensack bringen das ende.

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig