BER-Sondersitzung Wo waren Wowereit und Platzeck?

Nichts als Streit um Schönefeld: Weil die Aufsichtsratsmitglieder Klaus Wowereit und Matthias Platzeck eine Sondersitzung des Haushaltsausschusses zum BER-Debakel schwänzten, brach der Bundestag den Termin ab. Statt der beiden musste sich Verkehrsminister Peter Ramsauer Attacken von allen Seiten erwehren.

BER, Stuttgart 21 & Co.: Deutschlands Pannenprojekte
zurück Weiter Für die Eröffnungsparty des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg, kurz BER, am 3. Juni 2012 war schon alles vorbereitet. Nur vier Wochen vor dem Termin ruderten die Verantwortlichen zurück. (Foto) Zur Fotostrecke Foto: dpa/Patrick Pleul/Archiv

Eklat im Bundestag: Eine Sondersitzung des Haushaltsausschusses zum Hauptstadtflughafen wurde am Dienstag auf Betreiben von Union und FDP nach nur einer Stunde abgebrochen, ...

... weil Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) nicht erschienen!

SPD-Chef Sigmar Gabriel warf Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) derweil vor, er habe die Öffentlichkeit über das Debakel getäuscht. Der Ressortchef wies die Anschuldigung «in aller Deutlichkeit» zurück.

Platzeck will am Mittwoch den Vorsitz des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft von Wowereit übernehmen. Anteilseigner des Unternehmens sind Berlin, Brandenburg und Bund. Vor einer Woche war bekannt geworden, dass die für Oktober 2013 geplante Flughafeneröffnung zum vierten Mal verschoben werden muss.

Gabriel wettert gegen Ramsauer

Ramsauer betonte vor der Sitzung des Ausschusses, er habe erst «am 6. Januar abends» erfahren, dass der Starttermin für Schönefeld erneut verschoben werden muss. Der CSU-Politiker trat damit Äußerungen Gabriels entgegen, er habe bereits drei Wochen vor den Mitgliedern des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft von der erneuten Verschiebung gewusst.

Der SPD-Chef sei offenbar «einer Fehlspekulation aufgesessen», sagte Ramsauer. Es sei unsinnig, mit dem Berliner Flughafen ein «parteipolitisches Süppchen zu kochen».

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt nannte es ein «durchschaubares parteitaktisches Manöver», dass Gabriel jetzt den Verkehrsminister attackiere. Dieser wolle nur von Wowereit und Platzeck ablenken.

Gabriel hatte in der Süddeutschen Zeitung gesagt: «Allem Anschein nach hat Ramsauer die Öffentlichkeit getäuscht.» Der Verkehrsminister habe eine Menge zu erklären.

Wowereit bei der Fashion Week?

Ramsauer bestätigte zwar, dass er sich bereits am 19. Dezember mit Flughafen-Technikchef Horst Amann getroffen habe. Schon damals sei klar gewesen, dass der Eröffnungstermin «nicht sicher» sei. Amann habe aber erklärt, er könne darüber «definitiv frühestens Anfang Januar etwas sagen», da noch eine Reihe von Tests und Überlegungen erforderlich seinen.

Derweil sorgte der Abbruch der Ausschusssitzung für Wirbel. Vertreter von Union und FDP begründeten das vorzeitige Ende mit der Absage der beiden Regierungschefs aus Berlin und Brandenburg. Unions-Haushälter Nobert Barthle (CDU) sagte, ohne die Vertreter der Mehrheitseigner könnten die Pannen in Schönefeld nicht aufgeklärt werden.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle mäkelte:

«Ich weiß nicht, was Herr Wowereit gemacht hat - ob er die Fashion Week eröffnet hat oder was auch immer.»

Wenn man viel Geld vom Steuerzahler haben wolle, «müsse man auch zu den Haushaltsausschussberatungen kommen und dort Rede und Antwort stehen - zumal wenn man ein solches misslungenes Vorhaben zu vertreten hat.»

Der SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs kritisierte im Gegenzug, dass Union und FDP es mit dem Abbruch verhindert hätten, dass sich der erschienene Verkehrsminister Ramsauer (CSU) über seine Rolle beim Debakel des Flughafens äußern muss. Wowereit und Platzeck seien im Übrigen erst am Montagnachmittag zu der Sitzung geladen worden: «Man kann nicht erwarten, dass Regierungschefs von heute auf morgen hüpfen.»

Auch der Sprecher Wowereits, Richard Meng, verwies auf Terminprobleme, da «in beiden Ländern Kabinettssitzungen waren und der Tag unter der Vorbereitung der Aufsichtsratssitzung steht». Zudem sei «für die Information des Bundestagsausschusses die Bundesregierung zuständig».

Auch Grüne und Linke teilen aus

Die Grünen teilten in beide Richtungen aus. Es sei schon ein Skandal, dass sich «Ramsauer ständig hinter dem Noch-Aufsichtsratsvorsitzenden Wowereit versteckt», sagte Fraktionschefin Renate Künast. Andererseits dürfe die Bundesregierung die «russische Rochade» zwischen Platzeck und Wowereit im Aufsichtsrat nicht einfach abnicken.

Auch die Berliner Linke-Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch warf Ramsauer vor, fortwährend eine «neue Sau durch den Flughafen zu treiben».

Der Bau in Schönefeld könne nur gelingen, wenn die Anteilseigener der Flughafengesellschaft zusammenarbeiten. «Was nicht geht, ist, dass Ramsauer über Jahre Opposition spielt und sich seiner Verantwortung vollständig verweigert», sagte Lötzsch.

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zij/news.de/dapd

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Wächterrat
  • Kommentar 2
  • 16.01.2013 13:15

Wowereit war vermutlich wie immer auf ner Party und Platzeck bei seinen Freunden im Gazastreifen. Ist zumindest meine Theorie. LOL Sorry aber das kann man alles nicht mehr ernst nehmen.

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  • Juergen puppe
  • Kommentar 1
  • 15.01.2013 19:40

Da inzwischen die Kosten für den Flughafen bei 4,3 Milliarden Euro angelangt sind, wird es Herrn Platzeck wohl in den nächsten Jahren gelingen als Vorsitzender des Aufsichtsrates die Inbetriebnahme des Flughafens zu erleben. Allerdings sind genannte 4,3 Milliarden Euro dann selbstverständlich überschritten,aber man kann sich dann selbstverständlich gebührend feiern lassen..Mir soll mal jemand erklären,wieso der Soli-Beitrag immer noch erhoben wird?? Diese heutzutage herrschende feudale Politsystem ist nicht nur häßlich und krimimell, sondern gebärd sich wie eine Prostituierte.

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