Bundestagswahl 2013 Spitzenkandidaten im Wahl-Check

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Politische Stehaufmännchen
Nach seinem Rücktritt wegen der Plagiatsaffäre startet Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in Amerika durch. (Foto) Zur Fotostrecke

Susann LedererVon news.de-Redakteurin
Die großen Parteien haben ihre Spitzenmänner und -frauen gewählt: Angela Merkel, Peer Steinbrück, Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt ziehen 2013 in den Wahlkampf. News.de macht den Check der Spitzenkandidaten.

Wäre nächsten Sonntag Bundestagswahl...

...dann läge laut Forsa-Umfrage vom 19. Dezember die CDU mit 38 Prozent vorn, gefolgt von der SPD mit immerhin wieder 27 Prozent. Das Plus der beiden großen Parteien ginge auf Kosten von FDP, Linke und kleineren Parteien. Die FDP würde nur knapp die Fünf-Prozent-Hürde überwinden – in Umfragen seit Ende 2010 eher ein Glücksfall für die Liberalen als sicheres Spiel. Die Grünen hätte sich mit 14 Prozent als starker Koalitionspartner hervorgetan – nur ist fraglich für wen, denn gemeinsam mit der SPD reicht es nicht zur absoluten Mehrheit. Die Linke käme immerhin noch auf acht Prozent. Eines wäre von diesem Bundestag wie auch von seinen Vorgängern jedenfalls offenbar nicht zu befürchten: klare Ansagen.

Spitzenkandidaten als Sympathieträger

Entscheidend für zahlreiche Wählerstimmen sind aber nicht nur Positionen und Versprechen der Parteien, sondern auch die Sympathien des Volkes zu den Spitzenkandidaten. CDU, SPD und Grüne haben «ihre» Männer und Frauen inzwischen aufgestellt. Und nachdem die nun bekannt sind, ist eines klar: Es wird ein spannender Wahlkampf.

Mutter der Deutschen und «Eiserne Lady»: Angela Merkel, 58, CDU

Lange Zeit war sie ein ostdeutsches Mauerblümchen, fade, «Kohls Mädchen». Jetzt ist sie ( nach «Forbes»-Ranking) der zweitmächtigste Mensch der Welt. Angela Merkel ist die «Mutter der Deutschen», eine CDU-Politikerin mit Kalkül und Sachverstand. Bei ihr fühlen sich viele Bürger sicher, Fans feiern sie als Hüterin des deutschen Reichtums und Wirtschaftswachstums, Retterin Europas und Aushängeschild deutscher Macht. Zaudern wiederum lasten Kritiker ihr an, das Herausschieben wichtiger Entscheidungen auf die letzte Minute, der Popularität und Wählerstimmen wegen. Treiberin der Wirtschaftskraft ist sie für die einen, Marionette der Wirtschaftslenker für die anderen; einerseits entschlossene Verteidigerin christlicher Werte, andererseits Gegnerin einer Vermögensabgabe zugunsten ärmerer Schichten und Schuldenabbau. Hüterin des Euro als einigende Währung, harte Wärterin der Südeuropäer. Ihre politische Position hat Merkel in den vergangenen Jahren und Monaten vor allem während der Griechenlandkrise gefestigt – wie das US-Nachrichtenmagazin Time treffend schrieb: «nothing can happen without a nod from Merkel» – nichts (in Europa) kann sich durchsetzen ohne Merkels Zustimmung.

Polterer für linken Liberalismus: Peer Steinbrück, 65, SPD

Eins muss man ihm lassen, er ist öffentlichkeitswirksam. Peer Steinbrück hat in den vergangenen Monaten für kontroverse Schlagzeilen gesorgt – nicht nur wegen der fragwürdigen Bezahlung für diverse Vorträge: Auch die eigenen Reihen heizt Steinbrück schon mal mit Diskussionsstoff an. Während liberalere SPD-Genossen mit dem Kanzlerkandidaten zufrieden sein können, müssen sich die linksgesinnten Kollegen vor dem polternden Steinbrück kleinmachen; zudem bezeichnete er seine Genossen schon als «Heulsusen» oder «Mini-Jakobiner» - ein Mann mit klaren Worten. Auch in seinem ersten Rede-Duell mit Angela Merkel über die Europafrage hatte die Kanzlerin nichts zu lachen: Er teilte aus, und zwar kräftig. Bleibt abzuwarten, ob Steinbrücks Politik ebenso radikal daher kommt, wie man es von der selbsternannten «Kavallerie» gegen die Steuersünder-Oase Schweiz erwarten darf – oder ob er Entscheidungen ebenso hinauszögert, wie er es Merkel zum Vorwurf macht, und wie er es selbst während der Finanzkrise tat.

Kompromissloser Idealist: Jürgen Trittin, 58, Bündnis 90/Grüne

Trittin ist wohl der extremste und selbst nach 32 Jahren Politik noch idealistischste Spitzenkandidat, der 2013 ins Rennen um die Plätze im Bundestag geschickt wird. Geachtet wird er von vielen Seiten als kompetenter, kämpferischer, taktisch kluger Mann mit eigener Meinung. Geächtet wird er als provokativ und störrisch, der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Michael Glos bezeichnete ihn gar als «Ökostalinisten». Ein polarisiertes Bild, wie es die Partei, für die Trittin ins Feld zieht, nicht besser charakterisieren könnte. Nicht zuletzt diese Identifikation mit seinen Leuten und ihren ureigensten Idealen bringt dem Öko-Krieger viel Zustimmung aus Partei- und Wählerkreisen.

Sympathisches Gegenstück zu Trittin: Katrin Göring-Eckardt, Bündnis 90/Grüne

Für gesetztere, bürgerliche Wähler scheint sie wie ein Hoffnungsschimmer am dunkelgrünen Horizont der Ökofanatiker: Katrin Göring-Eckardt gibt sich gesetzt, bürgerlich, handelt nach christlichen Werten. Mit Konflikten geht die Synoden-Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland behutsam um, sie scheint als Anhängerin des Realo-Lagers der Grünen durchaus kompromissbereit. Zudem ist sie von allen Spitzenkandidaten politisch bisher am wenigsten geprägt oder belastet durch frühere Aussagen, Aktionen und Ämter: Vor ihr liegt damit in zweierlei Hinsicht eine grüne Wiese, auf der sie politisch aufbauen kann.

Außerdem im Gespräch: Philipp Rösler,39, FDP

Ob die FDP die Fünf-Prozent-Hürde überhaupt überwindet, ist schon fraglich. Ob Parteichef Rösler die Liberalen in den Wahlkampf führen darf, steht noch höher in den Sternen: Seine Kandidatur ist für FDP-Anhänger laut dapd-Meldung mehr als unerwünscht und seine politischen Sticheleien gegen die Kanzlerin machen dem Frieden zwischen Schwarz-Gelb schon lange zu schaffen. Der ehemalige Wirtschafts- und Gesundheitsminister konkurriert nach jüngsten Medienberichten mit dem aktuellen Wirtschaftsminister Rainer Brüderle - auch wenn dieser das dementiert. Beliebt bei Eliten ist laut dapd-Meldung auch NRW-FDP-Chef Christian Lindner.

Außerdem im Gespräch: Gregor Gysi, 64, Linke

Der Fraktionsvorsitzende der Linken und ehemalige Berliner Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen hat bislang als einziger in seiner Partei Ansprüche als Spitzenkandidat angemeldet. Ebenfalls gehandelt wird die ehemalige Europaparlaments-Abgeordnete Sahra Wagenknecht. Wann die Entscheidung der Linken fallen wird, ist noch unklar: möglicherweise aber noch vor der niedersächsischen Landtagswahl im Januar 2013.

Das Kriterium Koalition

Letztlich wird – für sämtliche Kanzlerkandidaten – doch die Bereitschaft zu Koalitionen entscheidend sein: Hier gibt es noch einigen Zündstoff, den es für die Parteien bis zur Wahl zu entschärfen gilt. Während Grüne und CDU in den vergangenen Monaten mehrmals Spekulationen über eine gemeinsame Regierung aufgebracht und wieder verworfen haben, scheint die FDP für die Union als Partner unbrauchbar geworden zu sein – sowohl nach zahlreichen Querelen untereinander als auch wegen katastrophaler Umfragewerte für Gelb. Eine große Koalition haben bislang alle Seiten vehement ausgeschlossen. Und Rot-Grün? Ob es dafür reichen könnte, werden die Umfragen der nächsten Monate noch zeigen – momentan könnten die Aussichten auf eine entscheidungsfreudige und effiziente Regierung (sofern sie je gut waren) nicht schlechter sein.

Parteiensponsoring
Das falsche Spiel der Politiker
Für Bundespräsident Christian Wulff wird es eng.  (Foto) Zur Fotostrecke

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jag/news.de

Leserkommentare (31) Jetzt Artikel kommentieren
  • Pumpernickl
  • Kommentar 31
  • 11.02.2013 12:39

zu Kommentar 28 Hardy WIR befinden uns schon seit Jahren in einer Parteien-Diktatur und in der Diktatur des Groß-Kapitals! Dementsprechend sind auch die Medien, die sind schon so eklatant primitiv, dass man am liebsten "Kotzen" möchte. Ich finde auch beileibe nicht einen unserer "Volks-Vertre Verderber " der für sein Vaterland einsteht!!! Wer es dennoch wagt, wird vom selbst design. Sicherheits Chef "Trittihn" in die Mangel genommen--ick will lieber uffhörn, sonst bin ich mal wieder "um den Schlaf gebracht! Heinrich Heine lässt grüssen!

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  • Erfahrener
  • Kommentar 30
  • 28.01.2013 22:24

Ich bin eher für die Piraten, weil dort Bürgerinitiativen mitmachen können. Bürgerinitiativen wollen keine Machtausübung „von oben“, sondern sie wollen Machtausübung von unten.

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  • Lindner
  • Kommentar 29
  • 28.01.2013 22:18

Das Volk muss mit der „von oben“ vorgegebenen Illusion aufräumen, Deutschland wäre ein vorbildlicher, demokratischer Rechtsstaat und die Führer von CDU, CSU, SPD oder FDP würden Bürgerrechte wollen. Sie wollen, weil es bisher so gut funktioniert hat und es auch für die Medien wichtig ist, Bürger dazu zu bringen, auf Lockvogelangebote (die meist nicht eingehalten werden) hereinzufallen. Auch werden Bürgerrechte vorgeheuchelt. Das tatsächliche Ziel der Herrschenden sind allerdings keine Bürgerrechte, sondern Herrschaftsansprüche für sich und ihresgleichen.

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