Armutsbericht Wer arm ist, bleibt arm

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Hohes Armutsrisiko, große Kluft zwischen Armen und Reichen und schwerer Wiederaufstieg: Der Bericht der Nationalen Armutskonferenz zeichnet ein düsteres Bild und ruft zum politischen Handeln auf. Ein erster Schritt wären gesetzliche Mindestlöhne, meinen die Autoren.

Wer arm ist, bekommt in Deutschland immer weniger Chancen, seiner Armut zu entfliehen. Es gebe seit einigen Jahren eine Tendenz zur Verfestigung von Armut, geht aus dem Bericht der Nationalen Armutskonferenz hervor, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Wenn Politik nicht handele, nehme das Armutsrisiko weiter zu.

Zugleich kritisierten die Autoren des Berichts, dass die Politik die Chancen für einen Aufstieg überbewerte. Kleingeredet werde dagegen das Risiko, zu verarmen. Auch das Auseinanderdriften von Arm und Reich werde in der Bundesregierung infrage gestellt.

In wenigen Jahren werde das Alter eines der größten Armutsrisiken sein, heißt es weiter. Frauen seien besonders von der Armut betroffen. Heute seien 15,6 Prozent aller Deutschen von Armut bedroht. Bei den Frauen seien es 16,4 Prozent. Im Spagat zwischen Erziehung und Geldmangel nähmen Frauen Minijobs an. Dafür gebe es keine Rentenbeiträge.

Armutskonferenz fordert Mindestlohn und mehr Betreuung

Zur Bekämpfung von Altersarmut fordern die Nationale Armutskonferenz und die Oppositionsparteien flächendeckend gesetzliche Mindestlöhne. «Mini-Löhne heute führen zu Mini-Renten morgen», erklärte der Zusammenschluss von Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege, der Kirchen, des DGB und bundesweit organisierter Initiativen am Dienstag in Berlin. Außerdem müsse es einen umfassenden «armutspräventiven Ansatz» in der Arbeitsmarkt-, Sozial- und Familienpolitik geben, der auch für ausreichende Beiträge in die Rentenversicherung sorge.

«Sozialversicherte, existenzsichernde Erwerbsarbeit im ersten und zweiten Arbeitsmarkt muss mit einem bundesweit bedarfsgerechten Ausbau von Betreuungsangeboten einhergehen», verlangte die Konferenz. Erziehungs- und Pflegezeiten sowie Phasen der Erwerbslosigkeit müssten für die Rente «beitragsfähig» gestaltet werden. Letztendlich schütze nur eine gesetzliche Mindestrente effektiv vor Altersarmut.

Ziel der Nationalen Armutskonferenz ist es, über Armut aufzuklären, die Auswirkungen zu beschreiben, Lösungsmöglichkeiten zur Vermeidung von Armut und sozialer Ausgrenzung in die Öffentlichkeit und den politischen Prozess zu tragen.

SPD und Linke schießen gegen Bundesregierung

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig sagte zum Armutsbericht: «Die Schere zwischen Arm und Reich geht in Deutschland immer weiter auseinander.» Die Menschen spürten, dass sich Armut verfestige. Doch die Bundesregierung blende die Realität aus.

Schwesig forderte einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro in der Stunde. «Und wir brauchen eine Vermögenssteuer sowie eine Anhebung des Spitzensteuersatzes in Deutschland, um die Lasten gerechter auf alle Schultern zu verteilen.»

Die Linke erklärte, wer Armut bekämpfen wolle, müsse auch umverteilen wollen. Das habe die Bundesregierung in den ersten Entwurf ihres Armutsberichts geschrieben, im zweiten Entwurf aber wieder gestrichen. «Damit wird deutlich, dass der politische Wille zur Umverteilung fehlt», sagte die Parteivorsitzende Katja Kipping. «Das muss zuallererst geändert werden.»

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zij/news.de/dpa/dapd

Leserkommentare (11) Jetzt Artikel kommentieren
  • melissa
  • Kommentar 11
  • 21.04.2013 11:51

Aus soziologischer Sicht gesehen gibt es irgendwo eine Grenze, die nicht überschritten werden sollte. Einfach gesagt: wenn die eine Seite zum eigenen Schutz hohe Mauern um ihre Wohnviertel ziehen muss und bewaffnete Sicherheitsdienste Streife laufen, und die andere Seite lebensgefährlich, unbewohnbar und unpassierbar wird, dann stimmt es folglich für niemanden. Was nutzt der Reichtum, wenn ich mich nicht mehr frei bewegen kann? Was nutzt die Rolex, wenn man mir dafür die Hand abhackt? Die Eliten besitzen neben grenzenloser krimineller Energie deswegen eben auch grenzenlose Dummheit.

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  • Karl-Heinz Kasch
  • Kommentar 10
  • 13.03.2013 15:44
Antwort auf Kommentar 2

Tæusch dich nicht! Die sind nicht dumm. Die haben nur eine grenzenlos kriminelle Energie! Wenn^s GG nicht passt, wird es vergewaltigt oder geændert. Ganz wie es passt!

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  • Karl-Heinz Kasch
  • Kommentar 9
  • 13.03.2013 15:41
Antwort auf Kommentar 6

Ja,ich habe Angst vor der Altersarmut-und das nach 47Jahren Arbeit(und Einzahlung in die Kassen)!Aber was soll`s, es ist eben "alternativlos".Welch ein Schwachsinn,diese Wortwahl!Geld oder Leben!Es gibt IMMER eine Alternative.S.K. mich størt an ihrem Text, wie sehr sie die Politikerkaste in Schutz nehmen!Warum begrenzen sie ihre Meinung auf die "Regierung"?Meinen sie,die anderen Verbrecher sind besser?Sehen se isich mal die Polizeiakten der Bundestagsgangster an.Tipp:G.Grandt:Aktenzeichen Politiker.Im Vergleich zum Bundestag sind die Mafia,Hells Angels,Bandidos,... Wahrheitsfanatiker.

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