Teufel Sparpolitik Europa steckt im Streikfieber

Griechenland
Der Weg in die Krise
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Die Bürger in Europas Krisenländern haben die Nase voll davon, «kaputtgespart» zu werden. In vielen Ländern gibt es deshalb Generalstreiks. Wie immer bei Streiks sind Reisende von den Protesten besonders betroffen - Flug- und Bahnverbindungen wurden gestrichen.

Millionen Arbeitnehmer in Europa protestieren mit Arbeitsniederlegungen gegen die Sparpolitik ihrer Regierungen. In Spanien und Portugal gibt es 24-stündige Generalstreiks. Beschäftigte in Italien und Griechenland waren zu mehrstündigen Arbeitsniederlegungen aufgerufen. In Belgien legte ein 24-stündiger Streik der Bahnmitarbeiter schon am Morgen den Zugverkehr weitgehend lahm. Die Fluggesellschaften sagten viele Spanien- und Portugal-Flüge ab. Zu dem «Solidaritätstag» hatte der Europäische Gewerkschaftsbund aufgerufen.

Michael Sommer, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, prangerte die Sparpolitik als falsches Mittel gegen die Krise an. Die Euro-Krisenländer würden «kaputtgespart», kritisierte er im Deutschlandradio Kultur. «Wir wollen die richtigen Maßnahmen gegen die Krise. (...) Das heißt, dass man gegen die Krise investiert und nicht in die Krise weiter hineinspart.» Angestoßene Reformen in vielen Länder bewertete Sommer kritisch: «Diese Krise bekämpfen wir nicht mit dem Abbau von Arbeitnehmerrechten und mit der Verlängerung der Lebensarbeitszeit und der Verschlechterung bei den Mindestlöhnen.»

Nah- und Fernverkehr stehen teils still

Bahnreisenden wurde empfohlen, Belgien zu meiden. Beschäftigte des Bahnbetreibers SNCB begannen schon am Dienstagabend einen 24-stündigen Streik. Aus Frankreich kommende Reisende mussten in der Nacht in Lille in Busse umsteigen, um nach Brüssel zu gelangen. Der Ausstand sollte vor allem die Wallonie im Süden des Landes treffen - Auswirkungen werde es aber auch in Brüssel und in Flandern geben, hieß es.

Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys werde nicht zwischen Deutschland und Belgien verkehren, teilte der Betreiber mit. Auf den anderen Routen nach Frankreich und den Niederlanden seien Verspätungen möglich. Der Eurostar-Zug durch den Kanaltunnel nach London soll hingegen wie üblich verkehren.

Wegen der Streiks in Spanien und Portugal sagten die Fluggesellschaften eine Reihe Flügen ab. Große spanische Linien strichen etwa die Hälfte der geplanten Verbindungen. Auch im internationalen Flugverkehr könnte es zu Störungen kommen. In Spanien wurde für die Bahnen, U-Bahnen und Busse ein Mindestbetrieb vereinbart, der in jedem Fall aufrechterhalten werden soll.

Auch in anderen EU-Ländern hatten die Gewerkschaften zu Protestaktionen aufgerufen. So sollen in Griechenland ab 12 Uhr Ortszeit (11 Uhr MEZ) die Staatsbediensteten für drei Stunden die Arbeit niederlegen. Die Schulen und die Ministerien werden während des Ausstands geschlossen bleiben. Zudem wollen die Journalisten während der dreistündigen Arbeitsniederlegung im Radio und Fernsehen nur Nachrichten senden, die den europaweiten Aktionstag betreffen. Um die Mittagszeit ist eine Demonstration im Zentrum Athens geplant. Auswirkungen im Flug- und im für Griechenland wichtigen Fährverkehr wird es nach Angaben der Gewerkschaften nicht geben.

ham/news.de/dpa

Leserkommentare (7) Jetzt Artikel kommentieren
  • 0815
  • Kommentar 7
  • 19.11.2012 11:14
Antwort auf Kommentar 6

Weltrevolution? Nein Danke wir brauchen keine neue Mauermörderpartei! Diese Krise ist ein zeichen für das Versagen der 68iger Ideologie und diese Leute müssen endlich aus der Politik verschwinden.

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  • Larisa
  • Kommentar 6
  • 16.11.2012 17:58
Antwort auf Kommentar 5

Ich denke Europa ist in Bewegung geraten und diese Entwicklung begrüße ich sehr. Allerdings fehlt dafür noch die politische Perspektive. Aber wenn immer mehr Menschen trotz unterschiedlicher Hautfarbe, Sprache oder Weltanschauung ein gemeinsames soziales Problem haben, dann können sie sich allein schon auf dieser Ebene besser verstehen. Beste Voraussetzungen für eine Weltrevolution! Heißt! Die Massen müssen in die Politik als unabhängige Kraft in das politische Geschehenn eingreifen, denn alles schimpfen und klagen hilft nichts.

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  • Larisa
  • Kommentar 5
  • 16.11.2012 17:42

Politischer Sparkurs versus Bürger - wann explodiert das Pulverfass? Diskutieren Sie mit!

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