US-Präsidentenwahl Diese Staaten sind das Zünglein an der Waage

Obama versus Romney
Die Show der Präsidentschaftskandidaten

Juliane ZiegengeistVon news.de-Redakteurin
Die TV-Duelle sind vorbei, das Rennen ist enger denn je. Bis zur Wahl müssen Barack Obama und Mitt Romney in den Swing States um jede Stimme kämpfen. Das sind jene US-Bundesstaaten, die weder Republikanern noch Demokraten eindeutig zuzuordnen sind. Gerade einmal 900.000 Stimmen könnten entscheiden.

Bei den Fernsehduellen musste sich Mitt Romney dem Amtsinhaber Barack Obama mit 2:1 knapp geschlagen geben. Doch die Wahl bleibt ein Kopf-an-Kopf-Rennen, darin sind sich Beobachter und Demoskopen einig. Das liegt vor allem an Romneys Überraschungserfolg im ersten TV-Duell und seinen soliden Auftritten in den beiden folgenden. Bis auf kleinere Ausrutscher hat er sich keine groben Patzer erlaubt, sich immer mehr zur politischen Mitte hin bewegt und seine Angriffsfläche damit kleiner und kleiner werden lassen.

Die einzige, die sich Obama noch bot, war Romneys ständige Abkehr von früheren Positionen, die er im Vorwahlkampf oder als Gouverneur von Massachusetts vertreten hatte. Der Republikaner verneinte dies meist oder kommentierte es gar nicht erst. Frei nach dem Motto: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern. Was zählt, ist das Hier und Jetzt. In der Innenpolitik, vor allem der Wirtschaft, genießt er trotz großer Versprechen und nur wager Pläne, wie diese zu erfüllen seien, hohes Ansehen. In der Außenpolitik konnte er Glauben machen, kein neuer Kriegstreiber zu sein, aber die internationale Führungsrolle der USA sehr wohl fördern zu wollen.

Für die Wähler war das letzte TV-Duell auch die letzte Gelegenheit, die Kandidaten im direkten Vergleich zu sehen. Einfacher dürfte die Entscheidung für viele von ihnen jedoch nicht geworden sein - bei all den Gemeinsamkeiten, die sich angesichts Romneys moderater Strategie auf außenpolitischem Gebiet herausstellten. Unentschlossen sind knapp zwei Wochen vor der Wahl ohnehin die wenigsten Bürger. Schätzungen zufolge könnten gerade einmal 900.000 Stimmen aus den sogenannten Swing States, die weder den Demokraten noch den Republikanern eindeutig zuzuordnen sind, die Entscheidung bringen. Bei etwa 203 Millionen Wahlberechtigten ist das ein Wimpernschlag.

Mindestens 270 Wahlmänner braucht der Präsident in spe

Auf diese Swing States konzentriert sich folglich der Schlussspurt in Wahlkampf. 110 Wahlmänner vereinen sie auf sich: vier in New Hampshire, sechs in Nevada, sechs in Iowa, neun in Colorado, zehn in Wisconsin, 13 in Virginia, 15 in North Carolina, 18 in Ohio und 29 in Florida. Laut Umfragewerten könnte die Wahl auch in Pennsylvania (20 Wahlmänner) und Michigan (16 Wahlmänner) denkbar knapp ausfallen. Vor allem die bevölkerungsreichen Swing States wie Ohio und Florida gelten als entscheidend. Wer hier verliert, wird auch nicht Präsident. Denn in den USA gilt das Prinzip «The Winner Takes It All»: Dem Kandidaten, der in einem Staat die meisten Stimmen bekommt, werden alle Wahlmänner zugesprochen.

Von 538 müssen mindestens 270 Wahlmänner gewonnen werden. Derzeit führt Amtsinhaber Obama noch in zwei bis drei Wechselstaaten knapp vor Romney. Die Frage ist, ob er diese Führung bis zur Wahl am 6. November verteidigen kann. Am Dienstag reiste er mit seinem Team nach Ohio - einer der Staaten, wo er die Nase noch hauchdünn vorn hat. Das ist wichtig, denn seit 1960 konnte kein Präsident ohne einen Sieg in Ohio ins Weiße Haus ziehen. Deshalb werden dort Millionen Dollar für neue Wahlkampf-Werbespots ausgegeben, tausende Klinken geputzt und Wähler angerufen.

Das gilt auch für Iowa, Colorado und Nevada, die Obama am Mittwoch besucht. In den beiden letzteren Bundesstaaten buhlten Romney und sein Vize Paul Ryan bereits am Vortag um Wählerstimmen. Der Republikaner warb abermals für eine Abwahl Obamas, der - sollte er Präsident bleiben - einfach so weitermachen würde wie bisher. Er habe kein Rezept gegen Arbeitslosigkeit und die Wirtschaftsflaute, Romney hingegen schon. Dessen Hauptproblem werden die berechtigten Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit sein, die er selbst, aber auch der Präsident immer wieder bediente.

Zwar konnte Romney sein Image des hölzernen Superreichen, der im Wahlkampf von einem Fettnapf in den nächsten tappt, ablegen. Doch der Schwenk hin zu moderateren Positionen, wie er in den TV-Duellen zu beobachten war, dürfte einige konservative Anhänger verprellt und viele Bürger irritiert haben. Wer ist dieser Mann und welche Überzeugungen hat er wirklich? Romneys häufige Meinungswechsel machen ihn undurchschaubar. Die Amerikaner könnten bereit sein, dieses Risiko zu tragen - der maroden US-Wirtschaft wegen. Wem sie es zutrauen, diese wieder auf Kurs zu bringen, wird gewinnen. Und Romney hat hier seine Kernkompetenz.

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Obama versus Romney
So wählen die Amerikaner
Video: afp

iwi/news.de/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Johann Wochner
  • Kommentar 2
  • 25.10.2012 01:19

Hallo und guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser, meiner Meinung nach, handelt es sich bei beiden nur um Implantate, mit denen die amerikanische Regierung immer wieder auf`s Neue einen Versuch startet, eine gewaltige politische Lücke zu schliessen! Es geht im Grunde garnicht darum, ob der bessere gewinnt, es geht darum, das der für die Regierung gewählte und bereits vorher festgelegte Mann die Spitze übernimmt und so das Volk erneut zum eigentlichen Sieger erklärt, und dadurch freie Hand in allen Bereichen erhält!. Warum und wofür auch immer.....

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  • eso-policier
  • Kommentar 1
  • 24.10.2012 15:47

Weder Obama noch Romney können die Situation bessern. Die USA brauchen eine nicht-grüne Ökopartei. Z. B. sollen 1-l-Autos eingeführt werden. Zudem müssen der Gottglaube und der Atheismus bekämpft werden. Jeder Mensch sollte zumindest ein Pantheist sein; besser ein Freireligiöser. Mehr dazu unter www.esopolice.wordpress.com

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