Staatsbesuch in Athen Griechen hetzen gegen Kanzlerin Merkel

Zum ersten Mal seit Ausbruch der Finanzkrise besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel Griechenland. Es ist eine Geste. Neue Zugeständnisse wird es von ihr nicht geben, auch wenn Regierungschef Antonis Samaras darauf hofft. Die Hoffnung ist bei vielen Griechen längst gestorben, sie gehen gegen Merkel auf die Straße.

Eurokrise: So verhasst ist Merkel in Griechenland
zurück Weiter Am Tag vor Angela Merkels Griechenland-Besuch gehen bereits Hunderte Hellenen auf die Straße. Sie machen deutlich: Die Kanzlerin ist bei ihnen nicht willkommen. (Foto) Zur Fotostrecke Foto: ddp images/AP Photo/Thanassis Stavrakis

Der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Athen soll ein Zeichen der Solidarität sein. Sie wolle Griechenlands Reformanstrengungen würdigen und zugleich für die Fortsetzung des Sparkurses werben, sagte ihr Regierungssprecher jüngst. Doch Merkel wird in der griechischen Hauptstadt nicht nur auf Regierungschef Antonis Samaras und Staatspräsident Karolos Papoulias treffen, sondern auch auf Tausende wütender Hellenen. Sie, die unter den Sparmaßnahmen am meisten leiden, wollen ihr einen Empfang bereiten, wie sie ihn verdient - und das ist keineswegs nett gemeint.

Seit Monaten wächst der Hass auf die Deutschen und ihre Kanzlerin, die die Griechen für das Spardiktat und damit ihr Leben am Existenzminimum verantwortlich machen. Geschürt wird der Hass auch von griechischen Medien und Oppositionspolitikern. Letztere riefen vor dem Merkel-Besuch zu Massenprotesten auf und kündigten an, alles zu mobilisieren, was sie haben. Linken-Chef Alexis Tsipras beschimpfte Merkel: «Sie kommt nicht, um Griechenland, sondern um die baufällige Regierung Samaras zu stützen, um das korrupte, verrufene und ihren Interessen unterworfene politische System zu retten.» Die nationalistische Partei Unabhängige Griechen und die Gewerkschaften pflichten ihm bei, haben ebenfalls zu Protesten aufgerufen.

Die griechische Zeitung Ta Nea zeigt in einer Karikatur, wie Merkel sich gegen die Volkswut am besten wappnen könnte: mit Gasmaske auf dem Kopf und Geld in der Hand. Immer wieder verunglimpfen örtliche Medien die Kanzlerin, nur zu gern wird sie mit Hakenkreuz-Binde dargestellt. Zuletzt hatte sie das Magazin Crash Ende Juli in eine Sträflingsuniform und Handschellen gesteckt. Die Schlagzeile: «Stellt sie vor Gericht wegen des Völkermordes an den Griechen!» Parallel dazu erstattete der Herausgeber des Blattes beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag Anzeige gegen Merkel - wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit. Die Griechen würden wie Juden in KZs behandelt, hieß es zur Begründung.

Weitere Hilfstranche von 31 Milliarden Euro noch vakant

Um die Bundeskanzlerin auf ihrem Staatsbesuch vor möglichen Übergriffen wütender Bürger zu schützen, ist die griechische Polizei mit einem Großaufgebot unterwegs. Medienberichten zufolge sollen 7000 Polizisten für einen geregelten Ablauf sorgen. Der Amtssitz von Samaras wird von Scharfschützen bewacht und ist weiträumig abgesperrt. Von 9 bis 22 Uhr herrscht ein Demonstrationsverbot in der Innenstadt, das - wenn nötig - auch mit Hilfe von Wasserwerfern und Festnahmen durchgesetzt werden soll. Einschüchtern lassen werden sich die Griechen davon aller Voraussicht nach nicht. Für viele ist der drohende Staatsbankrott längst gelebte Realität, weitere Hilfen wären nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Dennoch: Regierungschef Samaras hofft auf die Zusage neuer Finanzspritzen. Erst am Freitag hatte er die Staatspleite und politisches Chaos prophezeit, wenn nicht bald neues Geld fließe. Um einen weiteren Kredit in Höhe von 31 Milliarden Euro wird Samaras aber auch nach Merkels Stippvisite bangen müssen. Voraussetzung dafür ist ein positiver Bericht der TroikaDie Troika ist ein mit Vertretern der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfond besetztes Kontrollgremium. zu den Sparbemühungen des Krisenlandes. Der wird erst im November erwartet. Die Kanzlerin werde ihm nicht vorgreifen, versicherten sowohl Regierungssprecher als auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Neue Zugeständnisse, was den Umfang der Sparauflagen und deren zeitliche Umsetzung angeht, seien kein Thema.

Chronologie: Der Verlauf der griechischen Schuldenkrise

Der erste Besuch der Kanzlerin in Griechenland seit Ausbruch der Krise hat also vor allem symbolischen Charakter. Egal, wie sensibel sie dabei vorgeht, es allen recht machen wird sie kaum können. Während dort auf mehr Geld gehofft wird, ist die Bereitschaft, immer wieder neue Summen zu überweisen, hierzulande erschöpft. Deshalb fordern die einen Merkels harte Hand. Andere wiederum mahnen, sie gehe den Weg des geringsten Widerstandes, indem sie nur die Regierung anhöre. Treffen mit der Opposition oder den Gewerkschaften sind nicht geplant. Tatsächlich hätte Merkel ein Zeichen setzen können, indem sie sich mit ihren größten Kritikern im Land an einen Tisch gesetzt hätte. Bevor die Spaltung der Gesellschaft noch größer und diese schließlich unregierbar wird.

Denn neben den Griechen, die das Vierte Reich heraufziehen sehen, gibt es auch solche, die den Besuch Merkels als eben jenes Zeichen der Solidarität wertschätzen, das er sein soll. Die Proteste seien schlecht, sagen sie. Wenn ihr Land aus der Eurozone fliege und gar kein Geld mehr fließe, dann sei ihre ohnehin niedrige Rente ganz futsch. Diese Stimmen drohen unter dem Lärm der wütenden Menge allerdings zu verhallen. Sollte Griechenland heute, wie einige befürchten, im Chaos versinken und Merkel es nicht schaffen, die Gemüter zu beruhigen, ist die Gefahr groß, dass auch ihre letzten Fürsprecher im Volk verstummen. Weil sie noch schlimmere Ausschreitungen fürchten. Doch Angst war noch nie ein guter Berater.

Sind Sie schon Fan von news.de auf Facebook? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

Platon, Rehakles, Aniston: Diese Griechen sind auch bei uns berühmt
zurück Weiter An wen denken wohl die meisten beim Thema deutsche Griechen? Natürlich an Costa Cordalis! Der Schlagersänger und Dschungelkönig von 2004 wurde 1944 in Elatia geboren und siedelte mit 16 Jahren nach Deutschland über. (Foto) Zur Fotostrecke Foto: dpa/Britta Pedersen/Archiv

iwi/news.de

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • and
  • Kommentar 4
  • 07.11.2012 20:11

Konzeptlose Griechen. Die Schuld bei den Deutschen oder Merkel zu suchen.Ertrinkende sind gefaehrlich und ziehen den Retter mit runter .

Kommentar melden
  • oliver
  • Kommentar 3
  • 09.10.2012 15:17

Der Euro ist ein ganz großer Schwindel ob das noch etwas mit der CDU-Spendenaffäre zu tun hat? NEWS.de ist als Schmuddelblatt doch auch immer bereit alles aufzuzeigen. Achso es verstößt vermutlich gegen den Mainstream gegen Euro etwas zu schreiben. Political correctnes gilt nur den Deutschen gell,,,,, http://www.ardmediathek.de/das-erste/reportage-dokumentation/der-grosse-euro-schwindel-wenn-jeder-jeden-taeuscht?documentId=11154438

Kommentar melden
  • hector
  • Kommentar 2
  • 09.10.2012 14:58

Griechenland muss seine Probleme selber lösen, es wird um eine Insolvenz nicht herumkommen. Das ist ein Fass ohne Boden und bringt jetzt logischerweise auch noch die Griechen gegen die Deutschen auf. Es nützt überhaupt nichts, wenn sich halb Europa mit diesem Problem beschäftigt, das ist vergeudete Zeit. Es ist besser, wenn GR aus dem Euroraum austritt. Dann wird es GR auch selber schaffen. Stoppt den ESM ! ! ! Zeichnen Sie hier: http://stop-esm.org

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig