Nach TV-Duell Obama bezichtigt Romney der Lüge

Obama versus Romney
Die Show der Präsidentschaftskandidaten
Am frühen Morgen des 7. November steht fest: Barack Obama bleibt Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. «Vier weitere Jahre», schreibt er auf Twitter und sendet ein Bild von sich und seiner Frau. (Foto) Zur Fotostrecke

Nach dem schwachen Abschneiden bei der TV-Debatte im US-Wahlkampf zieht Präsident Barack Obama alle Register. Im Kern wirft er seinem Herausforderer Mitt Romney vor, die Wahrheit über seine Steuerpläne zu verheimlichen und die Wähler zu täuschen. Romney schwieg zunächst zu den Vorwürfen.

Mit einer gehörigen Portion Sarkasmus griff Präsident Barack Obama seinen Herausforderer einen Tag nach dem Rededuell an. «Ich traf diesen sehr schneidigen Typen, der behauptet Mitt Romney zu sein», rief er Anhängern bei einer Wahlveranstaltung am Donnerstag zu. «Aber das konnte nicht Romney sein. Denn der echte Mitt Romney läuft seit einem Jahr im Land auf und ab und verspricht fünf Billionen Steuersenkungen, die die Reichen bevorzugen.»

Ätzend fuhr Obama fort: «Und der Typ, der gestern Abend auf der Bühne war, sagte, er wüsste davon nichts.» Kaum verhüllt bezichtigt Obama seinen Gegner der Lüge.

US-Kommentatoren fragen sich allerdings, warum Obama den Vorwurf nicht bereits während des Rededuells in Denver (Colorado) angebracht habe. «Einen Tag zu spät», meinte ein Kommentator im TV-Sender NBC. «Obama versucht, sein Gleichgewicht wiederzugewinnen», schreibt die «New York Times». «Die knallharte Attacke auf Romney lässt erahnen, wie groß die Sorge im Wahlkampflager Obamas ist.»

US-Wahlkampf
Prominente Unterstützer von Romney und Obama
Team Obama: George Clooney (Schauspieler und Regisseur, 51 Jahre) (Foto) Zur Fotostrecke

Neue Wahlkampfstrategie stellt Glaubwürdigkeit in Frage

Knallhart ist auch der Vorwurf in einem neuen TV-Spot gegen Romney. «Wenn wir ihm nicht einmal hier trauen können», heißt es darin mit einem Ausblick auf die Debatten-Bühne. «Wie können wir ihm jemals hier trauen?», fragt eine sonore Stimme aus dem Off - während das Oval Office im Weißen Haus zu sehen ist.

Schon heißt es im engeren Umkreis Obamas, der Präsident müsse sich jetzt auf die neuen Lage umstellen. «Wir müssen uns auf diese Unehrlichkeit einstellen», meinte Wahlkampfberater David Plouffe. Kern des Streits sind die von Romney geplanten Steuerererleichterungen. Obama warf Romney in der Debatte vor, er wolle fünf Billionen Steuern streichen und dabei auch die Abgaben von Reichen und Superreichen senken - beides bestritt Romney mehrfach energisch. Beides seien unwahre Behauptungen, meinte Romney.

Romney hielt sich mit einer Reaktion auf die Anschuldigen Obamas zunächst zurück, versuchte indessen aber einen Fauxpas auszubügeln, der seiner Glaubwürdigkeit geschadet hatte. Der Republikaner entschuldigte sich am Donnerstagabend im US-Sender Fox News für abwertende Äußerungen über Obama-Wähler. Er hatte während einer Spendengala mit reichen Gebern erklärt, sein Wahlkampf sei nicht auf jene 47 Prozent der Wähler ausgerichtet, die Obama unterstützten. Er charakterisierte diese in dem heimlich aufgenommenen Mitschnitt unter anderem als Sozialschmarotzer.

«In diesem Fall habe ich etwas völlig Falsches gesagt», sagte Romney jetzt. Als Entschuldigung führte er an, dass er während des Wahlkampfes Hunderte, wenn nicht Tausende Auftritte mit Reden oder Fragestunden absolviere. Hin und wieder sage man dann etwas, das nicht richtig herauskomme, so Romney. In einer ersten Reaktion hatte er noch gesagt, er habe sich nicht elegant ausgedrückt. Später korrigierte er sich: «Mein Wahlkampf dreht sich um die 100 Prozent in Amerika.»

Obama versus Romney
So wählen die Amerikaner
Video: afp

Waffenlobby unterstützt Romney im Wahlkampf

Rückendeckung erhält Romney von der mächtigen und erzkonservativen Waffenlobby National Rifle Association. Sie stelle sich im Präsidentenwahlkampf hinter ihn, wie er mitteilte. «Ich bin stolz über ihre Unterstützung für meine Kandidatur», meinte Romney.

«Ich werde alles in meiner Kraft tun, das Recht aller gesetzestreuen Amerikaner, Waffen zu besitzen und zu tragen, zu verteidigen und zu schützen», sagte Romney weiter. Er wies darauf hin, dass das oberste US-Gericht im vergangenen Jahr das Recht auf Waffentragen ausdrücklich bestätigt hatte.

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zij/news.de/dpa

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 6
  • 06.10.2012 15:42

Das Problem der Demokratie sind nicht unfähige Führer, sondern dass das dümmste Argument Gehör beim Volk findet. Die Unfähigkeit zur Beurteilung von Sachverhalten und Persönlichkeiten führt in die selbst verschuldete Unmündigkeit der Regierten. Und bei aller Nachsicht, hinzu tritt die Tatsache, dass die Regenten jeden Couleurs, auch noch Spott ausgießen, in dem sie dem Volk einreden können, dass es so wie es ist, ihnen nicht passt.

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  • gemd
  • Kommentar 5
  • 06.10.2012 10:49

Romney, ein Kriegstreiber wie alle unmittelbaren Republikaner-Präsidenten davor ( Bush sen. und jun., alles Illuminaten), hat vom sog. Volk keine Ahnung; er ist besessen von Macht und Geld. Mit sehr großer Freude würde ich eine Verlängerung der Präsidentschaft Obamas sehen und Romney in der ewigen Opposition. Ich fordere für Deutschland mehr soziale Gerechtigkeit. Leute, die nur von ihren Kapitalerträgen leben, nie richtig gearbeitet haben, haben abends kein reales Produkt; sie leben lediglich vom Geldsystem "Geld mit Zinseszins", mit a.W.: nie gearbeitet.

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  • Tinkerboy
  • Kommentar 4
  • 05.10.2012 15:48

Das ist leider das Problem der USA, während die Regierende Oberschicht gerne die Intelektuelle Vormachtstellung der USA unterstreicht, ist die Masse der US-Amerikaner gar nicht am Rester der Welt interessiert, weshalb sie davon auch kaum eine Ahnung haben, nicht haben wollen. Sie sind nicht dümmer als wir, aber Ahnungsloser.

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