Rente Bürger sorgen immer weniger privat vor

Von wegen altes Eisen
Coole Alte

An das Credo «Die Rente ist sicher» glaubt kaum noch jemand. Der kurzzeitige Boom der privaten Altersvorsorge ist trotzdem vorbei. Zugleich aber wächst die Sorge vor einer zu niedrigen Rente. An Zukunftslösungen für die Überalterung der Gesellschaft arbeitet indes der neu ins Leben gerufene Demografiegipfel.

Immer mehr Bundesbürger halten ihre Altersvorsorge einer Umfrage zufolge für ausreichend und wollen nicht mehr Geld investieren. Demnach glauben 44 Prozent der Berufstätigen, sich bereits genug für das Alter abgesichert zu haben, wie aus einer am Donnerstag vorgestellten Postbank-Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach hervorgeht. 2011 waren es erst 38 Prozent.

Gleichzeitig treibt die Angst vor einer zu niedrigen Rente mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) um. Trotzdem wollen nur 42 Prozent der Berufstätigen ihre Altersversorgung ausbauen. Das ist ein Negativ-Rekord in der zum zehnten Mal seit 2003 vorgenommenen repräsentativen Befragung «Altersvorsorge in Deutschland», an der 1642 Bundesbürger über 16 Jahren teilnahmen.

«Alarmierend ist, dass die Bereitschaft zur privaten Altersvorsorge immer weiter sinkt», sagte Postbank-Vorstand Michael Meyer in Berlin, wo am Donnerstag auch der erste Demografiegipfel der Bundesregierung stattfand. Obwohl vielen Menschen klar sei, dass die Rente niedrig sei, stehe fest: «Es wird in der Summe zu wenig getan.» Das sei auch keine kurzfristige Erscheinung, sondern ein längerfristiger Trend. Die monatlichen Ausgaben für die private Altersvorsorge sanken mit durchschnittlich 185 Euro auf den niedrigsten Stand seit der ersten Messung 2005.

Gefragt sind dagegen Immobilien. Fast jeder Dritte, der seine Altersvorsorge noch ausbauen will, plane den Bau oder Kauf eines Eigenheims. Das ist gut ein Viertel mehr, als vor zehn Jahren. Besonders stark legten vermietete Häuser und Wohnungen zu. Meyer warnte aber davor, alles Geld auf die eine Karte Immobilienkauf zu setzen. «Die Streuung von Anlageformen ist immer der bessere Weg.» Ein gutes Viertel der Berufstätigen setzt auf die liebe Verwandtschaft. Noch nie zuvor in der zehnjährigen Umfrage-Reihe spielten Erbschaften eine so große Rolle für die Alterssicherung wie jetzt.

Demografiegipfel soll Zukunftslösungen erarbeiten

Zum Auftakt des besagten Demografiegipfels er Bundesregierung in Berlin hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) indes einen Bewusstseinswandel in Deutschland gefordert, um mit dem demografischen Wandel fertig zu werden. Die Herausforderung sei zu bewältigen und auch als Chance zu sehen, sagte Friedrich am Donnerstag. Die Menschen müssten aber zu Veränderungen bereit sein.

Friedrich und weitere Bundesminister wollten bei dem Treffen mit Verbandsvertretern, Wissenschaftlern und Bürgern über Probleme und Chancen der Bevölkerungsentwicklung diskutieren. Friedrich hatte zu dem Gipfel eingeladen. In den kommenden Monaten solle mehrere Arbeitsgruppen diskutieren, wie sich die Alterung der Gesellschaft auf unterschiedliche Lebensbereiche auswirkt, und Strategien entwickeln, um die Entwicklung zu bewältigen. Erste Ergebnisse sollen bei einem weiteren Gipfel im Frühsommer 2013 vorgestellt werden.

«Veränderung ist in allen Bereichen notwendig», betonte der Innenminister. Die Arbeitswelt müsse sich weiterentwickeln, Familien müssten gestärkt werden, auch der öffentliche Dienst werde sich verändern müssen. Wenn Deutschland die Potenziale in der Bevölkerung nutze, sei Wohlstand auch in Zukunft gesichert. «Entscheidend ist, dass wir Veränderungsbereitschaft erzeugen», mahnte er, räumte aber ein: «Man kann diesen Bewusstseinswandel nicht erzwingen.»

Städtebund mahnt Reform des Sozialstaates an

Berechnungen zufolge wird Deutschland bis 2060 bis zu 17 Millionen Einwohner verlieren - ein Fünftel der Bevölkerung. Jeder Dritte wird dann 65 Jahre oder älter sein. Die neuen Länder wird die Entwicklung besonders treffen. Dort werden bis 2060 ein Drittel weniger Menschen leben als heute. Die Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung hat weitreichende Folgen für Arbeitsmarkt und Gesellschaft.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund forderte deshalb ein «komplettes Umsteuern» der Sozialsysteme. «Wir brauchen eine grundlegende Reform des Sozialstaates, weil in einer alternden Gesellschaft nicht immer weniger Junge für immer mehr Ältere auch noch bessere Sozialleistungen erwirtschaften können», sagte der Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der Zeitung Die Welt.

Die Wirtschaft sieht vor allem die Folgen des Wandels für den Arbeitsmarkt mit Sorge, besonders mit Blick auf die zahlreichen mittelständischen Unternehmen. Angesichts des drohenden Fachkräftemangels plädierte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Hans Heinrich Driftmann, für mehr Zuwanderung und eine bessere Integration ausländischer Fachkräfte.

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zij/news.de/dpa

Leserkommentare (11) Jetzt Artikel kommentieren
  • mkathrin
  • Kommentar 11
  • 07.10.2012 12:42

Hallo!!!!!!!!! Wir können nicht mehr vorsorgen. Wie denn? Das was wir erarbeiten reicht gerade von der Hand in den Mund. Da gibt es keine Möglichkeit mehr bei den Niedriglöhnen und Zeitarbeitsverträgen. Kapiert das denn von den Politikfuzzis keiner. Ihr habt unser Land in den Ruin getrieben, die Augenwischerei wir hätten weniger Arbeitslose. Klar doch für Billiglöhne. Wie soll dann genügen Geld für Sozialabgaben rein kommen, ihr Deppen. Ich bin dafür dass man den Politikern das Gehalt um 80% kürzt. Keine Diäten mehr und schon gar keine Zusatzjobs. Dann lernen sie es vielleicht, wie es uns geht

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  • hector
  • Kommentar 10
  • 06.10.2012 23:54

Heute schon müssten die Beiträge zur gesetzlichen RV deutlich abgesenkt werden. Gleichzeitig sollten die Beitragszahler verpflichtet werden in eine Kapitalrente einzuzahlen. Schon jetzt würden gutbetuchte Rentner deshalb etwas weniger Rente erhalten. Das würde keinem heutigen Rentner wehtun, denn Lebensmittel sind billig wie nie zuvor. Außerdem haben auch heutige Rentner eine zunehmend höhere Lebenserwartung. Durch die Einführung einer Vermögenssteuer könnte dieses auch steuerlich bezuschusst werden. Heutige Rentner und Vermögende könnten dadurch schon heute an den Problemen von morgen beteiligt werden. Mehr Zuwanderung bringt keine Lösung der Probleme, eher mehr.

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  • Siegfried Kunze
  • Kommentar 9
  • 06.10.2012 09:37
Antwort auf Kommentar 8

Bestimmend was in einer Gesellschaft geschieht(oder auch nicht) sind die Produktionsverhältnisse und das ist hier leider der Kapitalismus dessen Sinn darin besteht Kapital um jeden Preis zu vermehren. Die Politik ist dabei nur Werkzeug um dieses Ziel durchzusetzen, sowohl im legislativen als auch im Exekutiven und Judikativen Bereich.Im Artikel 1 des "Grundgesetzes" heißt es .."Die Würde des Menschen ist unantastbar".. Aber zur Menschenwürde gehört auch, das er sein Alter würdevoll verbringen kann und dazu gehört wieder, dass er das nicht in Armut tun soll, die steigende Tendenz aufweist.

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