Wladimir Putin Russlands neuer und alter Zar wird 60

Wladimir Putin
Ein Mann setzt sich in Szene

Von Uwe Käding
Die Ära Putin hat Russland seit 13 Jahren fest im Griff. Politische Alternativen gibt es nicht oder werden im Keim erstickt. Bei einer erneuten Wiederwahl könnte Wladimir Putin sogar länger als Stalin an der Macht bleiben. Heute wird der ehemalige Geheimdienstler 60 Jahre alt.

Seit der Jahrtausendwende bestimmt Wladimir Putin die russische Politik - und ist dabei so dominant, dass inzwischen von «Putins Russland» die Rede ist. In seinen 13 Jahren im Zentrum der Macht hat er die einstige Sowjetrepublik nach seinen paternalistisch-patriotischen Vorstellungen geformt und eine «gelenkte Demokratie» in der Grauzone zwischen Volksherrschaft und Autoritarismus durchgesetzt. Am 7. Oktober wird Putin, inzwischen in seiner dritten Amtszeit als Präsident, 60 Jahre alt.

Nach seinem Einsatz beim sowjetischen Geheimdienst KGB, für den er unter anderem zu DDR-Zeiten in Dresden stationiert war, ergriff Putin entschlossen seine Chance. Der damals bereits angeschlagene Boris Jelzin, der erste russische Präsident nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, machte ihn im Oktober 1999 zum Ministerpräsidenten.

Nur wenige Monate später, zum Neujahrsfest 2000, dankte Jelzin überraschend ab und die Ära Putin begann: Acht Jahre Präsident, von 2008 bis 2012 Ministerpräsident, im März dieses Jahres Rückkehr ins höchste Staatsamt zu einer dritten Amtszeit. Der war eine denkwürdige Ämterrochade mit seinem Statthalter und engen Vertrauten Dmitri Medwedew vorausgegangen.

Putin inszeniert sich als starker Mann Russlands

Bei der Feier seines Wahlsiegs am 4. März dieses Jahres auf dem Roten Platz in Moskau traten Putin die Tränen in die Augen - eine ungewohnte Gefühlsregung bei dem Mann, der sich seinem Volk immer wieder als muskelbepackter Macho in freier Wildbahn präsentiert. Putin wischte den Eindruck, er sei möglicherweise gerührt gewesen, schnell beiseite: Der eisig kalte Wind habe ihm die Tränen in die Augen getrieben, sagte er.

In der Tat hat Putin bei jeder Gelegenheit den starken Mann gegeben, um die russische Öffentlichkeit zu beeindrucken. Er ließ nach Bombenanschlägen in Moskau am 1. Oktober 1999 erneut in Tschetschenien einmarschieren. Der unter Jelzin 1994 begonnene erste Tschetschenienkrieg endete zwei Jahre später mit dem von vielen Russen als schmachvoll angesehenen Rückzug der russischen Truppen. Für Putin wurden mit äußerster Härte errungene militärische Erfolge zu Garanten für seine erste Wahl zum russischen Präsidenten.

Sechsjährige Amtszeit sichert dauernden Einfluss

In einer Denkschrift legte Putin Ende 1999 seine staatsphilosophischen Vorstellungen dar. Patriotismus und Paternalismus sind darin die Schlüsselwörter, die Putins Handeln bis heute zu bestimmen scheinen: «Wenn wir den Patriotismus und den mit ihm verbundenen nationalen Stolz und Würde einbüßen, verlieren wir uns selbst als ein Volk, das zu großen Taten fähig ist», schrieb er unmittelbar vor seinen Gedanken über «Russland als Großmacht».

Und: «Es ist auch Tatsache, dass paternalistische Stimmungen in Russland tief verwurzelt sind. Die Mehrheit der Bevölkerung verbindet die Verbesserung seiner Lage nicht mit eigenen Anstrengungen, Initiative, Unternehmungslust, sondern viel mehr mit der Hilfe und Unterstützung des Staates und der Gesellschaft.»

Zwölf Jahre später ist das Ergebnis seiner Politik: Putin hat als erster russischer Präsident nach dem Ende der Sowjetunion eine sechsjährige Amtszeit angetreten. Seine Partei Einiges Russland hat ihre Zweidrittelmehrheit bis zum vergangenen Dezember dazu genutzt, ihrem Chef eine längere Verweildauer im Kreml zu ermöglichen.

Noch gibt es keine politische Alternative

Sollte der frühere Geheimdienstler aus St. Petersburg in sechs Jahren noch einmal für das höchste Staatsamt antreten wollen, würde Russland das erste Vierteljahrhundert des neuen Millenniums von einem einzigen Mann regiert werden. Keiner außer dem sowjetischen Diktator Josef Stalin kam seit dem Zarenreich auf eine längere Regierungszeit, denn das Intermezzo mit seinem zwischenzeitlichen Statthalter Medwedew war keine Unterbrechung seines Einflusses. Putin wusste in den vergangenen vier Jahren als Ministerpräsident immer wieder klarzustellen, wer im Fall des Falles die Zügel in der Hand hielt.

Verrücktes Russland
Putin, die Kraniche und das Fliewatüüt
Video: afp

Inwieweit die russische Bevölkerung noch bereit ist, sich wie von einem strengen Vater regieren zu lassen, ist nicht abzusehen. Zwar gibt es eine große Protestbewegung gegen Putin und seine Version eines russischen Staats. Doch die darin aktiven politischen Gruppen haben einzig die Opposition gegen Putin als gemeinsamen Nenner und sind noch keine politische Alternative. Solange das so bleibt, kann Putin vom Kreml aus die Geschicke Russlands lenken.

zij/news.de/dapd

Leserkommentare (7) Jetzt Artikel kommentieren
  • putinfanatiker
  • Kommentar 7
  • 09.10.2012 11:50
Antwort auf Kommentar 6

Ich teile voll und ganz Dein Argument 100%ig sogar ,danke fuer den sehr sehr schoenen und sehr sehr EHRLICHEN KOMMENTAR ueber Wladimir Putin !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

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  • Hans de Lazzer
  • Kommentar 6
  • 09.10.2012 10:35

Gerhard Schröder, selbst ein ausgesuchter Sozialdemokrat, hat den Präsidenten Putin als lupenreinen Demokraten erkannt. Niemand darf deshalb an Putins demokratischer Eignung zweifeln. Er führt das russische Volk vorbildlich. Daher wurde er auch wieder gewählt. Das ist Dankbarkeit, die kein anderer Politiker zur Zeit erlebt. Die besten Köpfe in West und Ost teilen die Meinung von der Vorbildlichkeit von Putins Patriotismus. Er ist der Vater des modernen Russlands und steht in großer Tradition. Putin ist ein hervorragender Regent, der Russland hoffentlich noch viele Jahre regieren kann.

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  • putinfanatiker
  • Kommentar 5
  • 09.10.2012 07:25
Antwort auf Kommentar 4

Warum sollte sich Putin von seinem Volk lenken lassen dann brauchte er doch kein Praesident zu sein ?? Und schon garnicht braucht er und er wird es auch NIEMALS nach der europaeischen Pfeife tanzen ??? Ich weis nicht was Du fuer ein Typ bist und ich will Dich auch nicht persoenlich angreifen nein das will ich ABSOLUT NICHT aber ich lebe schoen einige Donnerstage in dieser sehr schoenen Russischen Foerderation und ich weis von was ich rede !

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