Großelternzeit Geht's Ihnen noch gut, Frau Schröder?

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Nach dem Debakel um die weibliche Emanzipation wagt Kristina Schröder wieder den Schritt ins Rampenlicht. Großeltern sollen per Gesetz ihre Jobs unterbrechen können, um die Enkel zu betreuen. Damit qualifiziert sich die Familienministerin für einen Posten in Absurdistan.

Großeltern und Enkel - das ist eine besondere Beziehung. Welches Kind wird schließlich nicht gern verwöhnt? Da klingt die Idee ganz nett, Großeltern - wie auch Eltern - einen gesetzlichen Anspruch darauf zu verschaffen, eine Auszeit vom Job zu nehmen, um die Enkel zu betreuen. Nur gehen die Pläne der ohnehin umstrittenen Familienministerin Kristina Schröder wieder einmal völlig an der Realität vorbei.

Wir leben schließlich nicht mehr in den 1950er Jahren, in denen es in der Heimatstadt noch den Arbeitsplatz vor der Haustür gab. Hunderte Kilometer weit ziehen junge Menschen heute, um einen Job zu ergattern. Immer und immer wieder. Welche Großeltern, die selbst noch im Berufsleben stehen - und den Job auch aus finanziellen Gründen brauchen -, wollen es sich da schon leisten, den Kindern und Enkeln hinterher zu ziehen? Zumal in einer Gesellschaft, die die Rente mit 67 Jahren kaum eingeführt hat, dafür aber längst über die Rente mit 70 Jahren debattiert?

Aufwand und Nutzen, den ein solches Gesetz mit sich bringen würde, stehen in keinem Verhältnis. Der Verwaltungsaufwand ist enorm - insbesondere für kleine Unternehmen. Und obendrein werden nicht alle Großeltern gleich behandelt. Denn für Betriebe mit weniger als 15 Mitarbeitern soll das Gesetz von vornherein ausgehebelt werden. Oft sind es aber gerade die kleinen Unternehmen, die auch Arbeitnehmern jenseits der 50 Jahre noch eine Berufsperspektive bieten.

Und es ist ja nicht so, als ob Großeltern überhaupt keine Chance hätten, die Betreuung der Enkel zeitweilig zu übernehmen. Schließlich gilt das Teilzeit- und Befristungsgesetz auch für sie. Die Arbeitszeit zu reduzieren oder andere Modelle mit dem Arbeitgeber auszuhandeln, steht ihnen frei. Und bekanntermaßen darf der Arbeitgeber dem Wunsch in Teilzeit zu gehen, nur in ganz wenigen Fällen widersprechen.

Die Pläne, eine Großelternzeit einzuführen, sind der traurige Versuch, einen Nebenschauplatz zu eröffnen, um von der eigentlichen Problematik abzulenken: Die Bundesregierung wird es kaum schaffen, dem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz nachzukommen. 750.000 solcher Plätze sollte es bis zum 1. August 2013 geben. Noch immer fehlen mehr als 100.000 Plätze. Und das nicht nur, weil es nicht genug passende Räumlichkeiten gibt. Sondern auch, weil das fachlich kompetente Personal nicht in ausreichendem Maß vorhanden ist.

Warum holt Kristina Schröder noch immer nicht die Wirtschaft ins Boot? Gerade großen Unternehmen, die auf junge, gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen sind, stünde es perfekt zu Gesicht, die Verantwortung nicht allein auf politischen Schultern zu belassen. Aber nein, Kristina Schröder stürzt sich - wie ein Lemming - lieber selbst von der Klippe, auf die sie sich manövriert hat.

Ob eine Großelternzeit junge Familien tatsächlich entlasten würde, bleibt äußerst fraglich. Denn finanziell müssten sie dann wohl zusehen, wie die Großeltern durchkommen. Großelterngeld gibt es nämlich nicht.

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mar/sca/news.de

Leserkommentare (17) Jetzt Artikel kommentieren
  • hpklimbim
  • Kommentar 17
  • 06.10.2012 08:08
Antwort auf Kommentar 15

Das ist doch der Dreh bei der ganzen Angelegenheit. Da sollen im Zusammenhang mit der Kreation einer völlig überflüssigen Subvention Vorgänge wahlkampfwirksam als politische Wohltat vermarktet werden, die schon seit jahrzehnten so praktiziert werden, und selbst unter wirklichen Experten als altebewährt gelten. altbewährt sind. Nicht nur, dass man die Bürger mitlerweile regelmässig bestiehlt, man schmarotzt jetzt auch noch derart, um sich ungerechtfertigte Meriten anheften zu können.

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  • Elster
  • Kommentar 16
  • 05.10.2012 20:20

Ich glaube ,die bekommen es noch fertig und erfinden das Fahrrad noch mal ..Schönen GRuß auch .

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  • Elster
  • Kommentar 15
  • 05.10.2012 20:08

Persönlich stelle ich mir die Frage . Wieso nimmt man nicht die guten Erfahrungen der ehmaligen DDR zur Betreung der Kids ? Die Oma kann mal einspringen und dies macht Sie auch dann .War ein Kids krank in der ehemaligen DDR gab es die Möglichkeit,es ab zu geben im Kinderkrankenhaus ,da war eine Station dafür. Mein Kids wollte nur mich haben bei Krankheit ,die Oma wollte er da auch nicht .

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