International Merkel und Hollande üben Schulterschluss zur Rettung Europas

Ludwigsburg/Münster - Deutschland und Frankreich wollen zur Überwindung der europäischen Wirtschafts- und Finanzkrise noch stärker an einem Strang ziehen.

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Merkel und Hollande üben Schulterschluss zur Rettung Europas Bild: dpa

«Wir bilden das Herz Europas», sagte Frankreichs Präsident François Hollande am Samstag bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Ludwigsburg. Beide erklärten übereinstimmend, beide Länder trügen Verantwortung für Europa. Die EU dürfe nicht nur im Finanz- und Bankensektor zusammenwachsen, ergänzte Hollande, sondern müsse auch eine politische und soziale Union bilden. Kanzlerin und Präsident trafen sich bei einem Festakt zum 50. Jahrestag der völkerverbindenden Rede des französischen Staatsoberhaupts Charles de Gaulle in Ludwigsburg.

Altkanzler Helmut Schmidt forderte mehr deutsches Engagement für Europa. «Wir müssen nicht nur Fürsprecher der Europäischen Union sein. Sondern wir müssen - weit darüber hinaus - proaktiv handeln und agieren», forderte Schmidt am Samstag in Münster, wo er den Preis des Westfälischen Friedens in Empfang nahm. «Leider Gottes» sei ein Teil der öffentlichen Meinung in Deutschland heute von einer national-egoistischen Sichtweise geprägt. Aber: «Eine einzelne Regierung kann in dieser Welt nichts mehr bewirken», sagte der 93-jährige Sozialdemokrat, der von 1974 bis 1982 Bundeskanzler war.

Merkel erklärte nach einem Arbeitsessen mit Hollande in Asperg bei Ludwigsburg, die Gruppe der Euroländer müsse sich regelmäßig treffen, um über Maßnahmen für mehr Wachstum zu beraten. Das Ziel müsse sein, die Wettbewerbsfähigkeit der Länder zu stärken und anzugleichen. Die Kanzlerin pochte darauf, dass die Krisenländer zu einer «strikten Erledigung der nationalen Hausaufgaben» verpflichtet seien. Hollande erklärte, Paris und Berlin müssten ihre Beziehungen vertiefen, um dann die europäischen Partner «mitzureißen». Zuletzt hatte der Staatschef erklärt, die Zeit deutsch-französischer Alleingänge sei vorbei.

Bei der angestrebten europäischen Bankenunion liegen Berlin und Paris aus Merkels Sicht «nicht auseinander». Die Qualität der Bankenaufsicht müsse gewährleistet sein. «Es nützt nichts, ganz schnell etwas zu machen, was nicht funktioniert. Es nützt aber auch nichts, etwas auf die lange Bank zu schieben.» Zuletzt hatte es unterschiedliche Standpunkte zum Zeitplan gegeben. Die Aufsicht ist Voraussetzung dafür, dass klamme Banken direkt Hilfe aus den Euro-Rettungsfonds erhalten können.

Zuvor hatte Merkel bei ihrer Rede im Innenhof des Ludwigsburger Schlosses vor 650 Gästen betont, de Gaulles Rede sei ein Vermächtnis an die Jugend beider Länder. Sie sei von Optimismus geprägt gewesen. Weitsichtig habe der General die Entwicklung Europas in die Verantwortung der jungen Deutschen und Franzosen gegeben. «Das Europa der Zukunft liegt in euren Händen», rief sie den jungen Zuhörern aus beiden Ländern zu. Für sie müsse es in Europa Beschäftigungschancen und die Möglichkeit freier Entfaltung geben.

Merkel und Hollande riefen dazu auf, die Freundschaft zu pflegen. «Wir sind wie ein altes Paar, das schon lange zusammen ist und manchmal die Orientierung verliert», sagte der Sozialist. Deshalb müsse die Flamme immer wieder entzündet werden. Die Feier in Ludwigsburg war offizieller Auftakt des deutsch-französischen Jahres, in dem auch an die Unterzeichnung des Élysée-Vertrages 1963 erinnert wird.

Landeszentrale für Politische Bildung zur Rede de Gaulles

Bundespresseamt zum deutsch-französischen Jahr

news.de/dpa

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