Konflikte Muslime in Deutschland wollen gegen Islam-Video protestieren

Muslime in Deutschland wollen gegen Islam-Video protestieren (Foto)
Muslime in Deutschland wollen gegen Islam-Video protestieren Bild: dpa

Berlin/Islamabad - In Deutschland wollen Muslime heute erneut gegen das islamfeindliche Schmähvideo auf die Straße gehen. Demonstrationen, die sich gegen eine öffentliche Vorführung des Films in Deutschland richten, sind in Karlsruhe und Dortmund angemeldet.

Bereits am Freitag hatten in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen insgesamt rund 1600 Menschen gegen die Beleidigung des Propheten demonstriert. Während die Proteste hierzulande allesamt friedlich blieben, kam es in mehreren islamische Ländern erneut zu Gewaltausbrüchen. Allein in Pakistan starben 16 Menschen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) kritisierte die Gewalt im Namen der Religion. «Die größte Beleidigung für eine Religion ist es, in ihrem Namen Gewalt auszuüben. Deswegen müssen wir uns gemeinsam gegen die islamistische Terrorideologie wehren: selbstbewusst und mit einem klaren Bekenntnis zu unseren freiheitlichen Werten», sagte er der «Bild»-Zeitung (Samstag).

Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) forderte in dem Blatt, die Ausstrahlung des islamfeindlichen Videos in Deutschland zu verbieten. «Wir sollten nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießen», sagte er. «Derjenige, der sich in dieser Frage auf grenzenlose Meinungsfreiheit beruft, hat keine Ahnung, welche Konflikte dadurch noch provoziert werden können.»

Zu den heftigsten Krawallen war es am Freitag in Pakistan gekommen. In der Hafenstadt Karachi starben mindestens zwölf Menschen, darunter drei Polizisten. 80 weitere wurden verletzt. Im weiter nördlich gelegenen Peshawar gab es vier Tote. In der Hauptstadt Islamabad gelang es der Polizei erst gegen Abend, die aufgebrachte Menge unter Kontrolle zu bringen. Zuvor hatten nach Medienberichten Hunderte Muslime Absperrungen rund um das Regierungsviertel durchbrochen. In dem Bereich liegen in einem zusätzlich gesicherten Areal auch westliche Botschaften. Zahlreiche Polizisten und Demonstranten seien verletzt worden.

Die Wut der Massen entzündet sich an einem laienhaft produzierten Schmähvideo aus den USA, das den Propheten Mohammed verunglimpft. Seit eineinhalb Wochen kommt es in islamischen Ländern rund um den Globus zu Massenprotesten mit etlichen Toten. Der explosiven Lage zum Trotz goss das Pariser Satiremagazin «Charlie Hebdo» weiter Öl ins Feuer und veröffentlichte seitenweise neue Mohammed-Karikaturen.

Auch in vielen anderen Ländern kam es am Freitag zu Protesten. So etwa im indischen Teil Kaschmirs, in Malaysia, Indonesien, Afghanistan und im Libanon. Im libyschen Bengasi, wo vor zehn Tagen ein wütender Mob das US-Konsulat angegriffen und den US-Botschafter Chris Stevens sowie drei weitere Amerikaner getötet hatte, demonstrierten am Freitagabend Tausende gegen Gewalt und islamistische Milizen.

Nach Angaben von Aktivisten beteiligten sich rund 20 000 Menschen an dem Protest in der Hafenstadt. Einige Demonstranten hätten am Abend ein Camp der Ansar al-Scharia-Miliz gestürmt. Die Islamisten stehen im Verdacht, an dem Angriff auf das Konsulat beteiligt gewesen zu sein. Die Kommandeure der Miliz, die Verbindungen zum Terrornetz Al Kaida unterhalten soll, bestreiten aber jede Verwicklung.

Das Schmäh-Video bei YouTube

news.de/dpa

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