Wut der Muslime Mohammed-Proteste auch in Deutschland erwartet

Mohammed-Video
Ein schlechter Film wird zum Brandsatz

Der seit gut einer Woche andauernde Protest Millionen aufgebrachter Muslime weltweit gegen die Verunglimpfung des Islam dürfte heute einen neuen Höhepunkt erreichen. Anlass sind die neuen Mohammed-Karikaturen. Auch in Deutschland sind Kundgebungen geplant.

Nach der Veröffentlichung weiterer Mohammed-Karikaturen in einem französischen Satire-Magazin werden in der islamischen Welt im Anschluss an die Freitagsgebete wieder heftige Proteste erwartet. In Nordafrika wurden vorsorglich zahlreiche französische Institute und Schulen geschlossen. Die USA machten ihre Vertretungen in Indonesien dicht. Auch zahlreiche deutsche Botschaften bleiben komplett geschlossen.

Auch in Deutschland sind Protestkundgebungen geplant. So wollen in Freiburg Muslime gegen die Verunglimpfung des Propheten auf die Straße gehen. Die Polizei rechnet mit 800 Teilnehmern und erwartet einen friedlichen Verlauf. In Münster will ein Verein unter dem Motto «Gegen den religionsbeleidigenden Film im Internet» in der Innenstadt demonstrieren. Auch in Hannover und Cuxhaven sind Kundgebungen geplant, wie eine dpa-Umfrage ergab.

Chronologie
Arabien im Umbruch

USA: Angriff auf Bengasi war Akt des Terrors

Den tödlichen Anschlag auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi, der vor rund einer Woche den Beginn der Unruhen markierte, hat das Weiße Haus indes erstmals als Terrorismus bezeichnet. Es sei offensichtlich, dass die Tötung des amerikanischen Botschafters Chris Stevens auf das Konto von Terroristen gehe, sagte Regierungssprecher Jay Carney. Er reagierte damit auf eine Aussage des Direktors des Anti-Terrorzentrums, Matthew Olsen, im US-Senat.

Olson hatte gesagt, dass lokale Extremisten sowie Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida den Anschlag verübt haben könnten. Die Ermittler hätten bislang aber keine Anhaltspunkte dafür, dass es sich um einen länger geplanten Terrorakt gehandelt haben könnte. Vielmehr hätten die Täter die Gelegenheit des Augenblicks genutzt.

Wegen Mohammed-Film
So groß ist die Wut auf die USA
Video: afp

Zugleich versucht sich die US-Regierung im Fernsehen von Pakistan, wo die für Freitag angekündigten Großkundgebungen das öffentliche Leben bereits lahmgelegt haben, den Spannungen entgegenzuwirken. Auf sieben Sendern laufe ein Spot, in dem sich Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton von dem Video distanzierten, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums am Donnerstag in Washington.

In dem kurzen und mit Urdu-Untertiteln versehenen Beitrag sagt Obama, die Vereinigten Staaten seien ein Land, das seit seiner Gründung alle Glaubensrichtungen akzeptiere. Clinton betont, dass die USA mit dem islamfeindlichen Video nichts zu tun haben. Nach Angaben der Sprecherin können die sieben Sender, auf denen der Spot ausgestrahlt wird, theoretisch 90 Millionen Pakistaner erreichen.

Demonstrationsverbot in Tunesien

In vielen islamischen Ländern rund um den Globus kocht seit mehr als einer Woche Wut über das im Internet verbreitete Mohammed-Schmähvideo hoch. Etliche Menschen starben bei Krawallen. Davon unbeeindruckt provoziert das französische Magazin Charlie Hebdo in seiner aktuellen Ausgabe mit seitenweise Karikaturen, die den Propheten auch nackt und in unsittlichen Posen zeigen.

Am Donnerstag versuchten Hunderte Islamisten in Teheran, die französische Botschaft zu stürmen. Auch in Afghanistan gingen aufgebrachte Muslime gegen das Video und die Mohammed-Karikaturen auf die Straße. Vor dem Botschaftsviertel im pakistanischen Islamabad gab es ebenfalls Unruhen. Der pakistanische Premierminister Raja Pervez Ashraf erklärte den Freitag zum landesweiten Feiertag zu Ehren des Propheten. Das US-Außenministerium warnte aus Angst vor Massenausschreitungen vor Reisen in das Land.

In Tunesien verbot die Regierung aus Furcht vor gewalttätigen Ausschreitungen alle für Freitag geplanten Demonstrationen und Versammlungen. Bei Zuwiderhandlungen werde die Polizei konsequent eingreifen, warnte das Innenministerium am Donnerstag. Notfalls könnten die Sicherheitskräfte auch von Waffengewalt Gebrauch gemacht.

Darstellerin klagt vergeblich gegen Mohammed-Video

Eine US-Schauspielerin, die an dem Film Unschuld der Muslime mitgewirkt hatte, scheiterte am Donnerstag mit dem Versuch, das Schmähvideo von der Internet-Plattform YouTube entfernen zu lassen. Ein Gericht in Kalifornien lehnte ihren Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung ab, wie die Los Angeles Times berichtete.

Klägerin Cindy Lee Garcia hatte am Mittwoch auch den mutmaßlichen Produzenten des Streifens, den radikalen koptischen Christen Nakoula Basseley Nakoula, verklagt. Sie wirft im Betrug, Verleumdung und Zufügung seelischer Schmerzen vor. Nakoula habe ihr gegenüber behauptet, er arbeite an einem Abenteuerfilm, der im alten Ägypten spielen solle.

zij/news.de/dpa

Leserkommentare (40) Jetzt Artikel kommentieren
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 40
  • 26.09.2012 17:05
Antwort auf Kommentar 38

Prototypen für Schublandendenken sind die Unwissenden. Für Sie gilt daher das Gebot zum Lernen: Unser Staatswert ist das Recht, unser Gesellschaftswert ist das Leben. Der Rechtswert bestimmt sich aus sich heraus und ist daher nicht abgeleitet. Da das Recht keine Religion schaffen kann, ist es auch von keiner Religion abhängig. Das Gleiche gilt für Ideologien. Anders der Lebenswert der Gesellschaft. Das Leben kann religiös, wirtschaftlich, liebevoll, kulturell und kunstvoll sein und wird durch die Talente geprägt. Und diese Auffassung ist genau das Gegenteil von Faschismus. Dazu gelernt?

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  • hector
  • Kommentar 39
  • 26.09.2012 00:10

Jeder sollte es tunlichst unterlassen, einen Propheten zu karikieren. Er bekommt es sonst mit seiner Anhängerschaft zu tun. Das gilt für Moses, Jesus und auch für Mohammed. Es gehört sich einfach nicht, einen Propheten zu karikieren, weil er damit seine Anhänger beleidigt. Ashoka, der indische Krieger Buddhas, sagte: "Man sollte den Grundsätzen anderer zuhören und sie respektieren." Außerdem: "Es soll alle Religionen in einem Land geben." Unter König Ashoka erlangte das Maurya-Reich seine größte Ausdehnung, es war viel größer als das heutige Indien.

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  • Nazisfresser
  • Kommentar 38
  • 25.09.2012 17:53
Antwort auf Kommentar 37

Ich frage mich, auf welche Vergangenheit Sie stolz sind u. wir es auch sein sollen?Glorreiche braune Zukunft was? Das würde zu ihnen passen u.gefallen,gelle? Von welcher Elite sprechen Sie; meinen Sie sich etwa selbst oder das braune Haselnußtum? Und von welcher Wahrheit reden Sie? Wahrheit so ein Schwachsinn,Sie lügen sich doch selber was vor!Gott hat doch bei ihnen im privaten schon keinen Platz mehr, sonst wären Sie ja auch nicht so menschen u.gesellschaftsverachtend.Sie passen genau zu meinem Kommentar 28,solche habe ich gemeint!

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