US-Wahlkampf Obama versus Romney - wer ist besser?

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Prominente Unterstützer von Romney und Obama
Team Obama: George Clooney (Schauspieler und Regisseur, 51 Jahre) (Foto) Zur Fotostrecke

Juliane ZiegengeistVon news.Redakteurin
Aus dem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Barack Obama und Mitt Romney ist anscheinend ein Alleingang geworden. Der Herausforderer gerät immer mehr ins Hintertreffen, und das nicht allein wegen seiner Wahlkampf-Pannen. News.de erklärt Obamas Vorsprung und fragt, wer besser zu Deutschland passt.

Den «Spirit» von 2008 hat die Präsidentschaftswahl in den USA dieses Jahr nicht. Und dennoch: Auf Deutsche scheint Barack Obamas Funke noch immer überzuspringen. 86 Prozent würden den Amtsinhaber hierzulande wählen, das ergab der ARD-Deutschlandtrend von Anfang September. Herausforderer Romney kommt auf magere sieben Prozent. Auch eine globale Studie unter Europäern macht diesen Unterschied deutlich: Laut Transatlantic Trends haben 82 Prozent in Europa eine positive Meinung zu Obama; jeder Dritte konnte oder wollte zu Romney hingegen nichts sagen.

Die Sympathiepunkte sind also klar verteilt. Der Amerikaexperte Patrick Keller von der Konrad-Adenauer-Stiftung weiß, warum. «Ich glaube, dass die große Mehrheit der Deutschen sehr wenig weiß über die Details der amerikanischen Politik», sagt er. «Das heißt: Eine ganz große Rolle spielt Sympathie oder Antipathie. Und Obama ist von beiden Kandidaten der Gewinnendere im persönlichen Auftreten.» Er profitiere noch von der Aura der vergangenen Wahl, bei der er sich als Anti-Bush einen Namen machte, weil er sich unter allen Kandidaten am meisten von George W. Bush unterschied.

Romneys Schwäche ist Obamas Stärke

Dieser Eindruck von damals wirke heute noch fort. «Das hat also gar nicht so viel mit der Politik zu tun, die Obama in den vergangenen vier Jahren gemacht hat», sagt Keller. An dieser, das belegen US-Umfragen, zweifelt eine Mehrheit der Amerikaner. Zwei Drittel kritisieren, dass ihr Land in eine falsche Richtung steuert und fordern eine Kurskorrektur. Umso erstaunlicher findet Keller, wie gut Obama in den Umfragen dasteht. «Bei einer solchen Arbeitslosigkeit und einer solch niedrigen Wirtschaftskraft über so lange Zeit kann für gewöhnlich kein Präsident wiedergewählt werden», sagt der USA-Experte.

Dennoch haben die Republikaner den Sieg alles andere als im Sack. Jüngsten Umfragen zufolge vergrößern die Demokraten ihren Vorsprung sogar noch. Keller glaubt, dass dafür nicht allein die Wahlkampf-Pannen Romneys verantwortlich sind. «Es liegt vor allem daran, dass er zu wenig positive Botschaften liefern konnte», sagt er. «Er konnte nicht vermitteln, wer er ist und was er anders machen würde, so dass es Amerika wieder besser geht. Einfach immer wieder den Zeigefinger auf Obama zu richten, reicht nicht. Er muss eine echte Alternative präsentieren, und das ist ihm nicht gelungen.»

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Wer ist Mitt Romney?
Video: afp

Außerdem wirke Romney oft hölzern und wenig spontan. Tatsächlich hängt ihm im Wahlkampf das Bild des abgehobenen Superreichen nach, das im Umkehrschluss den Eindruck erweckt, Obama verstehe die Sorgen der Amerikaner besser, weil er näher dran sei. «In gewisser Weise stimmt das, gerade was Romney betrifft», sagt Keller, schränkt aber ein: Auch Obama sei kein Kumpeltyp, trete oft professoral und intellektuell auf. «Man darf nicht vergessen, dass er genau wie Romney inzwischen privilegiert ist. Allein durch seine erste Autobiografie hat er über eine Million Dollar verdient», betont der USA-Experte.

TV-Duelle könnten Abstand schmelzen lassen

Hätten die Republikaner einen gewinnenderen Kandidaten, glaubt Keller, dann hätten sie die Wahl mit deutlich besseren Chancen in Angriff nehmen können, als es jetzt der Fall ist. Die Schwäche des Gegners habe Obama erst in die Lage versetzt, trotz schlechter Bilanz sagen zu können: «Vertraut mir, noch vier Jahre und es geht wieder bergauf.» Doch daran scheiden sich die Geister, gerade weil die Daten mit acht Prozent Arbeitslosigkeit und 40 Monaten Dauer-Wirtschaftsflaute so schlecht sind wie nie. Keller spricht in diesem Zusammenhang von zwei Lagern.

Für das eine hat Obama - gemessen am schweren Erbe der Bush-Jahre - in vier Jahren Präsidentschaft alles Nötige getan, um weitere Abstürze zu verhindern. Es glaubt an eine Konsolidierung in weiteren vier Jahren mit Obama und daran, dass Romney einen Rückfall in die alte Politik der Bush-Jahre bedeuten würde. Das andere Lager sieht in ihm, dem Herausforderer mit Expertise als Geschäftsmann, dem Gouverneur von Massachusetts und Leiter der Olympischen Spiele von Salt Lake City, eine Chance, die wirtschaftliche Zukunft Amerikas zu gestalten und seine Vorherrschaft in der Welt wieder zu festigen.

Ob der Republikaner Romney das Ruder noch einmal herumreißen kann, wird Keller zufolge vor allem von den anstehenden TV-Duellen abhängen. «Die Mehrheit der Amerikaner erwartet wenig von ihm. Sie glauben nicht, dass Romney echte Überzeugungen vertritt, dass er charmant oder witzig sein kann», sagt der Experte. Könne er doch für Pointen sorgen, sei die Überraschung dann umso größer. Vorgefertigte Reden wie auf den Parteitagen gebe es bei diesen Duellen nicht, man müsse auch spontan antworten. «In der Vergangenheit war das nicht immer Obamas Stärke.»

Merkel muss sich mit beiden arrangieren

In der Frage, welcher der beiden Kandidaten als US-Präsident auch für Deutschland gut wäre, sieht Keller bereits jetzt ein Unentschieden und begründet: Obama habe sich in den vier Jahren seiner Amtszeit relativ wenig für Europa interessiert, Gipfeltreffen ausgelassen und die Schuldenpolitik der Eurostaaten scharf kritisiert. «Die Erwartungen, die mit seiner Rede an der Siegessäule 2008 geschürt worden waren, haben sich nicht erfüllt», urteilt der Experte.

Ob das mit Romney besser werden würde, sei schwer zu sagen. Auch er habe die Deutschen für die Handhabung der Eurokrise kritisiert und finde überdies, dass wir zu viel in Sozialsysteme investieren. Trotzdem: Bundeskanzlerin Angela könnte (und müsste) auch mit ihm im Falle eines Wahlsieges zusammenarbeiten. «Deswegen glaube ich nicht, dass es da eine echte Vorliebe gibt. In den Sachfragen, die die Bundeskanzlerin mit dem amerikanischen Präsidenten zu verhandeln hat, gibt es wenig Unterschiede zwischen Obama und Romney.»

Romney und Obama
Doubles mischen US-Wahlkampf auf
Video: afp

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iwi/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • oliver
  • Kommentar 3
  • 24.09.2012 15:09

Was ist besser Pest oder Cholera? Auf jeden Fall lernt Amerika mit Hilfe von Obama das Einkicken und in den ... kriechen. Ganz zu schweige denn vom Islamapeasement, der besonders gottgefällig in Deutschland ist. Freilich würden ca 30Mio Amerikaner mehr unter Obama eine Krankenversicherung haben und Romney würde Krieg führen. Ob Obama aber ohne Krieg auskommen würde steht in den Sternen, die Wirtschaft in amerika kommt ohne Krieg vermutlich nicht aus. Aber vielleicht hätte man ja einen typischen Amerikaner nehmen sollen, statt diesen Mormonen.

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  • hpklimbim
  • Kommentar 2
  • 24.09.2012 13:42

"News.de erklärt Obamas Vorsprung und fragt, wer besser zu Deutschland passt." - Keiner, da beide korrupt.

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  • joe 54
  • Kommentar 1
  • 24.09.2012 12:28

vergesst den schwarzen Blender, mit den Republikaner ist Deutschland immer besser gefahren, als mit Demokraten. Wir brauchen ein starkes Amerika und keine Weicheier wie Obama, der viel versprochen hat und nur wenig einlöst. Solche Typen haben wir selbst zu viel: Gabriel, Nahles, Steinmeier, Trittin, Künast, Roth,... Auf sollten sich die die Wähler nicht mehr einlassen, wenn es besser werden soll. Ideologien haben noch nie etwas ausser Volksverdummung gebracht

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