Obama oder Romney Eine Wahl des kleineren Übels

US-Wahlkampf
Prominente Unterstützer von Romney und Obama
Team Obama: George Clooney (Schauspieler und Regisseur, 51 Jahre) (Foto) Zur Fotostrecke

Von news.de-Redakteurin
Die glanzvollen Wahlkampfveranstaltungen können nicht darüber hinwegtäuschen: Die USA stecken in der Krise, auch bei ihren Präsidentschaftskandidaten. Obamas Stern ist erloschen und Herausforderer Romney manövriert sich selbst ins Aus. In der Not werden die Amerikaner das kleinere Übel wählen.

In den Vereinigten Staaten von Amerika ist alles etwas lauter, größer und pompöser als in Deutschland. Das trifft auch auf den Wahlkampf zu. Da werden Parteitage in riesigen Stadien abgehalten. Da reicht ein TV-Duell nicht aus, nein, es müssen drei sein. Und da wird der Ton schon mal deutlich rauer. Schließlich gibt man sich kein Profil, indem man die eigenen politischen Ziele sachlich vorträgt, sondern indem man den Gegenkandidaten möglichst schlecht dastehen lässt, ihm politisches Versagen vorwirft - wie Romney gegenüber Obama - oder seine Ideologie infrage stellt - wie Obama gegenüber Romney.

Seit jeher gründet sich das politische System der USA auf diese Polarität, auf den Lagerkampf zwischen Demokraten und Republikanern, die sich gegenseitig zerfleischen und damit jede Chance auf überparteiliche Kompromisse im Keim ersticken. Dabei ist der Problemberg der Großmacht höher denn je: die Staatsverschuldung, die Arbeitslosigkeit, der nicht enden wollende Reformstau. Eigentlich keine Zeit für Parteikrieg.

Er findet dennoch statt. Statt den Wählern zu zeigen, wie sie das Land aus der Krise führen wollen, prophezeien die Präsidentschaftskandidaten vor allem eins: die Apokalypse, sollte der jeweils andere das Rennen machen. Das schürt Verunsicherung und Angst - keine guten Berater für eine Wahl. Auch Obamas Glanz von vor vier Jahren ist längst erloschen; die Hoffnung eines «Yes, We Can» gibt es nicht mehr. Erfüllt hat sich die Vision des Wandels und Aufbruchs von damals nicht, eine neue sucht man vergebens.

Romney und Obama
Doubles mischen US-Wahlkampf auf
Video: afp

Auch Herausforderer Romney konnte diese Vision bisher nicht zeichnen. Er machte stattdessen mit kruden Äußerungen über Obama-Wähler, Patzer auf Auslandsreisen und mittelschweren Skandalen in der eigenen Partei auf sich aufmerksam. Überhaupt sind die Amerikaner mit dem Mulitmillionär nicht wirklich warm geworden. Er gilt als undurchsichtig. Im Kampf um sein Gouverneursamt von Massachusetts setzte er sich noch für Homosexuelle und schärfere Waffengesetze ein. Heute ist davon nichts mehr zu spüren.

Da wählen viele wohl doch lieber Obama, auch wenn sie daran zweifeln, dass er in einer weiteren Amtsperiode das schaffen kann, was er in seinen vier Jahren als Präsident versäumte. Die Wahl am 6. November ist nicht mehr die Wahl einer besseren Alternative, sondern die des kleineren Übels. Als Sieger darf sich am Ende keiner fühlen. Darüber können auch noch so prominente Fürsprecher auf Wahlparteitagen, viel Konfetti und bunte Luftballons nicht hinwegtäuschen.

zij/news.de

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • heinrichIV
  • Kommentar 2
  • 25.09.2012 11:24
Antwort auf Kommentar 1

Das hast Du kurz und gut auf den richtigen Nenner gebracht! Devise lautet: "Pleitegeier unter sich". Auch die USA werden noch lernen müssen mit Geld umzugehen. Da kommen sie nicht drumrum. Gut dass es noch die Chinesen gibt von denen man sich was leihen kann. Aber die knöpfen schon die Taschen zu. Wären auch schön blöd alles übrige Geld den Pleitegeiern hinzugeben, ha, ha.

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  • hpklimbim
  • Kommentar 1
  • 24.09.2012 13:45

Die amerikanische Wahl gleicht zunehmend der deutschen - die Gretchenfrage dreht sich nur noch um das kleinere Übel oder das größere Elend!!!

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