Steuerverschwendung Hier werden unsere Gelder verpulvert

Der Haupstadtflughafen BER, der Nürburgring und die Elbphilharmonie sind nur die Speerspitze deutscher Steuerverschwendung. 120 Fälle deckt der Bund der Steuerzahler in seinem 40. Schwarzbuch auf - einer teurer und skurriler als der andere.

Verschwendung: Die schlimmsten Steuersünden
zurück Weiter Das prestigeträchtige Segelschulschiff Gorch Fock wurde Ende 2011 instand gesetzt. Die Kosten für die Reparaturarbeiten wurden mit einer Million Euro veranschlagt; schließlich kostete es knapp 10 Millionen. (Foto) Zur Fotostrecke Foto: Focke Strangmann/dapd

Der Titel kommt nicht von ungefähr. Das Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes bringt Jahr für Jahr Licht ins Dunkel deutscher Steuerkanäle. Wohin fließen unsere Gelder - und vor allem: Wo werden sie fahrlässig und ohne jeden Sinn verprasst? Gestern stellte der Bund sein nunmehr 40. Schwarzbuch vor, in dem 120 mehr oder minder schwere Fälle der Steuerverschwendung detailliert aufgelistet werden.

Viele, gerade die besonderes spektakulären Fälle sind bereits durch die Presse gegangen: das Planungsversagen beim Hauptstadtflughafen BER, die Insolvenz der Nürburgring GmbH oder die Endlosbaustelle Elbphilharmonie in Hamburg. Neben diesen millionen- und milliardenschweren einstigen Prestigeprojekten werden auch im Kleinen, ja fast Verborgenen Tausende Euro in den Sand gesetzt.

Die teuersten und skurrilsten Steuersünden aus dem Schwarzbuch 2012 haben wir in einer Fotostrecke zusammengestellt.

Steuerzahlerbund: kein Mutwille, sondern Unvermögen

Und das ist wörtlich zu nehmen, wenn etwa im Strandbad Offenburg für fast 150.000 Euro gleich zwei mangelhafte Kinderbecken installiert werden, die schließlich trocken gelegt und in Sitzgelegenheiten umgewandelt werden müssen. Ein nicht ganz so teurer, aber genauso ärgerlicher Schildbürgerstreich ereignete sich im nordrhein-westfälischen Hagen. Dort sollte die neue Schulfassade durch einen 120 Meter langen und zwei Meter hohen Zaun vor Schmierereien geschützt werden. Kostenpunkt: 15.000 Euro.

Dumm nur, dass der Zaun lediglich an der Frontseite des Gebäude aufgestellt wurde. Unbefugte konnten das Gelände von allen anderen Seiten weiterhin betreten. Für 5000 Euro ließ man das sinnlose Ungetüm wieder demontieren. Diese und andere Fälle von Fehlplanungen, Kostenexplosionen oder schlichtweg unnötigen Ausgaben sind laut Steuerzahlerbund nicht etwa das Ergebnis von Mutwillen, sondern Unvermögen. Umso wichtiger sei es, nicht nachzugeben, sondern Schlampereien der öffentlichen Hand weiter anzuprangern.

BER, Stuttgart 21 & Co.: Deutschlands Pannenprojekte
zurück Weiter Für die Eröffnungsparty des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg, kurz BER, am 3. Juni 2012 war schon alles vorbereitet. Nur vier Wochen vor dem Termin ruderten die Verantwortlichen zurück. (Foto) Zur Fotostrecke Foto: dpa/Patrick Pleul/Archiv

«Wir dürfen uns nicht an Verschwendung gewöhnen. Ein solcher Fatalismus käme uns alle teuer zu stehen. Denn jeder Euro Steuergeld wurde hart verdient, bevor er in den Kassen des Staates landet», sagt der Präsident des Steuerzahlerbundes, Reiner Holznagel. «Der Staat schuldet es seinen Bürgern, verantwortungsvoll damit umzugehen.» Auf wie viel sich die Steuerverschwendung insgesamt beläuft, kann und will er nicht mehr sagen. Früheren Schätzungen zufolge lag der Anteil der verschwendeten Gelder am Gesamtsteuerhaushalt bei fünf bis zehn Prozent.

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kru/news.de

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Leserkommentare (8) Jetzt Artikel kommentieren
  • Hans Christian Berchtold
  • Kommentar 8
  • 28.09.2012 14:20

Jeder hat Recht, alle 7 bis jetzt, Aber eine wichtige Frage, wenn nicht die Wichtigste ist: wer will diese Gesetze schreiben? Wir, das Volk kann es nicht, sonst wäre es schon geschehen. Unsere politischen "Freunde" tun es nicht, zum verrecken nicht. Das grobe Volk ist ignorant bis dumm. Die nächste Wahl gewinnt abermals eine oder zwei Volksparteien. Sie können ja mal raten, wer das ist. Zu viele Bürger wissen nicht wer an der Gegierung, viele wissen nicht, was diese tun und der Rest geht seiner Gewohnheit nach, die er schon seit 40 Jahreninne hat. Die, die von d. Allgm. leben, eh nicht.

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  • chipin1947
  • Kommentar 7
  • 22.09.2012 12:32

Um dieser Verschwendungssucht Einhalt zu gebieten bedarf es vor allem gesetzlicher Änderungen.Dann erst im Schritt zwei die Inkompetenten Politiker zu isolieren.Im Schritt drei müßte die Wahlfinanzierung durch die Industrie verboten werden.Heute sieht man wie nie zuvor,das nach jeder Wahl schon an die Nächste gedacht wird,deshalb wird sich auch nie was ändern,denn in der Bevölkerung gibt es keine Einigkeit,zu viele Menschen haben reichlich und wer am Tropf des Staates hängt traut sich nicht!

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  • Iason
  • Kommentar 6
  • 21.09.2012 19:45

Wenn unseren sogenannten Politikern nicht schnellstens das Handwerk der Korruption mit der Wirtschaft gelegt wird, ist Deutschland der nächste Pleitegeier gesichert!

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