Julia Schramm Achtung! Piraten-Prinzipien über Bord!

Steht für freien Datenaustausch im Internet, nur nicht beim eigenen Buch: Piratin Julia Schramm. (Foto)
Steht für freien Datenaustausch im Internet, nur nicht beim eigenen Buch: Piratin Julia Schramm. Bild: Michael Gottschalk/dapd

Juliane ZiegengeistVon news.de-Redakteurin
Julia Schramm hat ein Buch über ihre Identität im Internet geschrieben. Dort sollte eigentlich alles frei verfügbar sein, findet die Piratin. Nur ihr eigenes Buch nicht. Das wurde vom Verlag vom Netz genommen, nachdem es illegal eingestellt worden war.

Das Urheberrecht ist eines der Paradethemen der Piratenpartei und das wohl drängendste Streitthema in der heutigen Netzwelt. Es geht um millionenschwere Rechte, die es angesichts der massenhaften und unbegrenzten Verbreitbarkeit im Internet neu zu regeln gilt. Die Piraten sind dafür bekannt, die nicht-kommerzielle Nutzung und Vervielfältigung von Werken fördern zu wollen und haben sich mit dieser Position den Ruf der Kostenlos-Partei eingehandelt.

Eine der prominentesten Verfechterinnnen dieses Ansatzes war Julia Schramm, seit April 2012 Beisitzerin im Bundesvorstand der Partei. Ihr Credo: freies Kopieren für alle. Auch urheberrechtlich geschütztes Material - Bücher, Filme, Musik - sollte zur nicht-kommerziellen Nutzung im Netz frei verfügbar sein. In einem Podcast hatte die Piratin einst betont, wie «ekehalft» sie die Idee geistigen Eigentums finde und illegale Downloads als «Notwehr» bezeichnet.

Nun hat Schramm ein eigenes Buch auf den Markt gebracht. Klick mich heißt es und setzt sich mit Identität im Netz auseinander. Doch die Prinzipien, für die sie in der Partei einst kämpfte, scheinen für die Piratin selbst nicht zu gelten. Am Montag tauchte eine Kopie des im Albrecht Kanus Verlag erschienenen Werkes im Internet auf - illegal und zum kostenlosen PDF-Download. Der Verleger intervenierte und ließ die Datei unverzüglich entfernen. Schramm habe die Nutzungsrechte an den Verlag abgetreten, hieß es zur Begründung.

Angeblich 100.000 Euro Vorschuss für Schramm

Eine Kostenlos-Version von Klick mich hätte bestens zum Grundsatzprogramm der Piraten gepasst. Heißt es darin doch: «Daher fordern wir, das nichtkommerzielle Kopieren, Zugänglichmachen, Speichern und Nutzen von Werken nicht nur zu legalisieren, sondern explizit zu fördern, um die allgemeine Verfügbarkeit von Information, Wissen und Kultur zu verbessern, denn dies stellt eine essentielle Grundvoraussetzung für die soziale, technische und wirtschaftliche Weiterentwicklung unserer Gesellschaft dar.»

Diesen Absatz sollen einige Kopierer nach der Löschung an Schramm geschickt haben - um sie wohl daran zu erinnern, wofür sie einmal stand, nämlich die Demokratisierung des Datenschutzes. Viele Piraten-Anhänger fühlen sich verraten und machen ihrem Ärger bei Twitter Luft. Auch innerhalb der Partei brodelt es. Wer predigt, Künstler müssten sich alternative Einnahmequellen suchen, selbst aber Medienberichten zufolge 100.000 Euro für Buchrechte kassiert, macht sich eben schnell unglaubwürdig - auch bei den eigenen Kollegen.

Piratenpartei
Freibeuter auf Kaperfahrt

«Der totale Kontrollverlust» im Internet, über den Julia Schramm in ihrem Buch schreibt, lässt sich für ein paar Euros offenbar doch bändigen. Das Geld der realen Welt regiert auch das Netz. Für die Autorin selbst sind die Reaktionen «sehr erwartbar und eigenlicht traurig», wie sie sueddeutsche.de in einem Interview sagte. «Jetzt krakeelt eben wieder der Mob», quittierte sie die Kritik. Das Vorgehen des Verlages verteidigte Schramm: Niemand werde sofort bestraft, sondern zunächst verwarnt. Dies sei «ein Zeichen in der politischen Debatte», so Schramm auf sueddeutsche.de.

Dem Verlag kann man auch gar keinen Vorwurf machen. Er tut nur seine unternehmerische Pflicht; schließlich muss der Vorschuss ja wieder in die Kasse kommen. Die eigentliche Frage ist doch, warum Julia Schramm ihr Buch einem Verlag anvertraute, der sich nun einmal auf die Einhaltung des Urheberrechts gründet. Die Piratin gab durch die Blume eine Antwort, indem sie bei Twitter einen Artikel verlinkte, der erklärt, wie viel ein Buch eigentlich kostet. Was lernen wir daraus? Das Piraten-Parteiprogramm hört wohl da auf, wo der eigene Geldbeutel anfängt.

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iwi/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Oliver
  • Kommentar 1
  • 19.09.2012 12:17

Selbst, wenn ich eine Version im Briefkasten geschenkt bekommen würde, beim Altpapier wäre sie gelanded. Was soll ne Trulla von 26 Jahren auch schon erzählen können. Die Partei ist und bleibt einfach zu nichts zu gebrauchen. Den einzigen Nutzen, den ich erkennen kann an dieser Partei ist, dass sie den Linken und den Grünen Stimmen entziehen kann. Alter Wein in neuen Schläuchen verkauft sich nicht gut, genauso kommt nicht gut an, dass diese Schramm Wasser predigt und selber 100k Teuren Wein saufen will.

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