US-Wahlkampf Romney, der Pannenkandidat

Romney und Obama
Doubles mischen US-Wahlkampf auf
Video: afp

Juliane ZiegengeistVon news.de-Redakteurin
Der Herausforderer von Barack Obama im Kampf um die US-Präsidentschaft hat sich und seine Republikaner-Kollegen scheinbar nicht im Griff. Immer wieder sorgt Mitt Romney mit verbalen Ausfällen für Negativschlagzeilen. Kein Wunder, dass seine Umfragewerte ein neues Tief erreicht haben.

Der US-Wahlkampf ist in vollem Gange. Noch knapp zwei Monate haben US-Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney Zeit, die Wähler davon zu überzeugen, dass nur sie Amerika aus der Krise führen können. Der Amtsinhaber scheint dabei ein glücklicheres Händchen zu beweisen: Jüngsten Umfragen zufolge hat er sechs Prozentpunkte Vorsprung vor Romney.

Der hat deutlich eingebüßt, lagen die Umfragewerte doch lange Zeit eng beeinander. Verwunderlich ist das für viele Beobachter nicht. Denn Mitt Romney hat seinem Image mit zahlreichen Wahlkampf-Pannen - mal selbst- und mal unverschuldet - nicht gerade auf die Sprünge geholfen.

Chronologie der Romney-Pannen

18. September 2012: Romneys jüngste Entgleisung wird erst Anfang dieser Woche bekannt. Obama-Wähler sähen sich als Opfer, hatte er auf einer Spendenveranstaltung im Mai behauptet. Sie lägen dem Staat auf der Tasche, glaubten, «dass die Regierung verpflichtet ist, sich um sie zu kümmern, dass sie Anspruch haben auf eine Gesundheitsfürsorge, auf Lebensmittel, Wohnung, was auch immer». Für sie wolle und werde er kein Präsident sein und Sorge tragen. Was bei Romneys reichen Wahlkampfunterstützern noch gut angekommen sein mag, entfacht in den USA einen Sturm der Entrüstung. Denn die Rede wurde heimlich mitgeschnitten und gelangte in Ausschnitten an die Öffentlichkeit.

Viele glauben, dass Romney dieser böse Ausrutscher jede noch verbleibende Chance auf das Präsidentenamt verbaut hat. Schließlich beleidigt er damit fast die Hälfte aller Amerikaner. Er selbst ruderte am Montag in einer Erklärung zurück: Natürlich wolle er allen Amerikanern helfen; die Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen und unelegant formuliert. Dennoch spielt er damit Konkurrent Obama in die Hände, der Romney nun als Multimillionär brandmarken kann, der arme und alte Menschen, die keine Steuern zahlen können, als Schmarotzer bezeichnet.

US-Wahlkampf
Wer ist Mitt Romney?
Video: afp

9. September 2012: Der Gründer und Herausgeber des US-Männermagazins Hustler, Larry Flynt, setzt eine Million Dollar auf Mitt Romneys Steuerdaten aus. In ganzseitigen Zeitungsannoncen wirbt er dafür, ihm Details über die Finanzsituation des Präsidentschaftskandidaten und Multimillionärs zukommen zu lassen. Flynts erklärtes Ziel: Romney Schaden zuzufügen. Denn im Falle eines Wahlsieges des Republikaners befürchtet er ein schärferes Vorgehen gegen die Sexindustrie - und das wäre alles andere als geschäftsfördernd für den Porno-Verleger.

Flynt trifft mit der Kampagne einen wunden Punkt. Bis auf seine Steuererklärungen von 2010 und 2011 verweigerte Romney bisher jeden Einblick in seine Finanzen. Um dem Gegner keine zusätzliche Angriffsfläche zu bieten, hieß es. Doch letztlich wurden mit dieser Zurückhaltetaktik Spekulationen nur noch befeuert. So unterstellte ein Parodie-Video, dass Mitt Romney Ende August als Steuerflüchtling zeigte, dem Herausforderer, Teile seines Vermögens bei Schweizer Banken zu bunkern, um Steuern zu sparen.

Video-Parodie
Mitt Romney als Steuerflüchtling
Video: YouTube

31. August 2012: Beim Parteitag der Republikaner in Tampa (Florida) kommt es neben Mitt Romneys Rede und offizieller Bestätigung als Präsidentschaftskandidat noch zu einem anderen denkwürdigen Moment. Schauspieler und Regisseur Clint Eastwood, einer der prominenten Unterstützer Romneys, unterhält sich mit einem Stuhl, auf dem ein imaginärer Barack Obama sitzt. Den fragt er, wie es denn zu so vielen Arbeitslosen im Land kommen konnte, und was er gedenke, dagegen zu tun. Antworten bekommt er natürlich keine. Der Jubel im Saal ist Eastwood dennoch sicher, als er sich nicht davor scheut, dem Stuhl mal so richtig die Meinung zu sagen.

Bei diesem Jubel blieb es dann aber auch. Was der Schauspieler selbst als unorthodox bezeichnete, fanden viele einfach nur merkwürdig bis total daneben. Insbesondere der Shitstorm im Internet ließ nicht lange auf sich warten; der Twitter-Account InvisibleObama hat heute fast 70.000 Follower. Auch die Demokraten spotteten drauflos. Präsident Barack Obama reagierte höchstpersönlich via Kurznachrichtendienst, postete sich selbst im Chefsessel und schrieb: «Dieser Stuhl ist besetzt.»

21. August 2012: «Wenn es sich um eine rechtmäßige Vergewaltigung handelt, hat der weibliche Körper Möglichkeiten, die ganze Sache abzustellen.» Mit diesem Satz aus einem TV-Interview sorgt der Republikaner und Senatskandidat Todd Akin nur wenige Tage vor dem wichtigen Parteitag für eine Welle der Kritik, auch aus den eigenen Reihen. Akin, der Abtreibungen strikt ablehnt, sagt, Frauen könnten bei Vergewaltigungen eigentlich gar nicht schwanger werden. Das ist nicht nur falsch - in den USA gibt es jährlich rund 32.000 Schwangerschaften aus Vergewaltigungen -, sondern zudem höchst menschenverachtend.

Entsprechend groß war die Empörung über Akins Aussage. Obama bezeichnete sie als widerwärtig und auch Romney distanzierte sich deutlich, nicht zuletzt um seinen ohnehin schlechten Stand bei der weiblichen Wählergruppe nicht noch mehr zu ramponieren. Doch die Schadensbegrenzung kam, als das Kind schon in den Brunnen gefallen war. Dabei hätte man dem vorher Einhalt gebieten können, denn Akin war nicht zum ersten Mal mit kruden Äußerungen über Vergewaltigungsopfer aufgefallen. Wie Romneys Wahlkampfteam im Nachhinein versuchte, jede inhaltliche Nähe zu Akin in dieser Sache abzustreiten, erscheint geradezu scheinheilig.

US-Wahlkampf
Peinlich, peinlicher, Republikaner
Michele Bachmann (Foto) Zur Fotostrecke

27. Juli 2012: Wie so viele Politiker reist Mitt Romney im Juli zu den Olympischen Spielen nach London, um die US-Athleten anzufeuern. Doch statt Olympia als Gelegenheit der Völkerverständigung zu nutzen und zu loben, krakeelt der Präsidentschaftkandidat über die örtlichen Sicherheitsvorkehrungen. Die seien beunruhigend, verriet er einem amerikanischen TV-Sender. Zudem äußerte er Zweifel, ob sich die Briten für die Spiele genügend begeistern könnten. Der Gastgeber war verständlicherweise verärgert und das Image des Mannes, der 2002 noch die Winterspiele von Salt Lake City gerettet hatte, im Inselstaat ruiniert.

Der Start seiner als Charmeoffensive geplanten Auslandsreise ging also gehörig nach hinten los. Und es sollte nicht die letzte Panne gewesen sein. Auf einem Stopp in Israel zog Romney den Zorn der Palästinenser auf sich, als er Jerusalem als Hauptstadt Israels und die Israelis als wirtschaftlich und kulturell überlegen bezeichnete. Ranghohe palästinensische Politiker reagierten empört und warfen Romney Rassismus vor. Dieser berief sich einmal mehr darauf, seine Aussagen seien aus dem Kontext gerissen worden. Bei seinem Polen-Besuch auf die Patzer angesprochen, rastete einer von Romneys Beratern aus und beschimpfte die Journalisten. Das Ende einer verkorksten Reise.

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iwi/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 1
  • 19.09.2012 13:34

Im Kommentar wird gegen Herrn Romney gewettert, aber nur eine Aussage - die zu den amerikanischen Niedrigleistern - ist authentisch. Aber was gibt es an ihr auszusetzen? Dies ist doch berechtigte Kritik am puren Sozialdemokratismus, der die Abhängigkeit der Menschen von dubiosen sozialstaatlichen Produkten der Daseinsvorsorge aus parteipolitischen Machtinteressen will. Nicht Menschenliebe zeichnet diese Parteipolitik aus, sondern der supergeile Machtinstinkt. Wären die Wahlsklaven nämlich mündig, würden sie sofort ihre sozialstaatlichen Fesseln abstreifen und Obama in die Wüste schicken.

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