«Jenseits des Protokolls» Bettina Wulff tritt zurück

Christian und Bettina
Die Rückkehr der Wulffs

Juliane ZiegengeistVon news.Redakteurin
Das Rampenlicht ist so eine Sache: Man sonnt sich darin, verbrennt sich aber über kurz oder lang die Finger. Bettina Wulff wird sich wohl wünschen, es komplett gemieden zu haben. Mit ihrer Biografie Jenseits des Protokolls lieferte sich die ehemalige First Lady komplett aus - jetzt will sie nicht mehr.

Es ist der zweite Rücktritt im Hause Wulff: Nach Christian Wulff, der Anfang des Jahres seinen Posten als Bundespräsident räumen musste, zieht sich auch seine Frau Bettina zurück. So ganz freiwillig tut sie das nicht. Die öffentliche Kritik an ihrer Biografie Jenseits des Protokolls, die Internet-Häme, vielleicht auch ein Machtwort ihres Gatten scheinen sie zu dieser Entscheidung gezwungen zu haben. Dabei hatte alles auf einen Medienmarathon hingedeutet: Interviews, Talkshow-Termine, Lesereise.

Doch Bettina Wulff kapituliert vor dem öffentlichen Interesse. Die Frau, die sich in ihrem Buch vollkommen entblößte, ihren Mann ganz unverhohlen kritisierte und sich selbst mehr als Opfer denn als Täterin inszenierte, schweigt. Eine Talkrunde bei Maischberger - abgesagt. Öffentliche Signierstunden - gar nicht erst geplant. Bereits geführte Interviews - zurückgezogen. Aber was hätte Frau Wulff auch noch sagen wollen, schreibt sie in Jenseits des Protokolls doch bereits über alles, was die Mehrheit der Deutschen wohl gar nicht wissen wollte: Ex-Freunde, ihr Tattoo, Haut- und Eheprobleme.

Dennoch - oder gerade weil Wulff so offenherzig und unbedarft zu Werke ging - brach ein Medienecho über sie herein, wie es ihr Mann nur allzu gut kennt. Doch von einer Hetzkampagne kann diesmal kaum die Rede sein. Schließlich war es die ehemalige First Lady selbst, die den Weg an die Öffentlichkeit ging. Der Versuch, mit einer Biografie ihr Image aufzubessern, schlug jedoch gehörig fehl. Das ist mittlerweile ramponierter denn je. 80 Prozent der Deutschen haben mit Bettina Wulff kein Mitleid, wie eine Umfrage der Bild am Sonntag jüngst ergab. Jeder Zweite glaubt, sie schade mit dem Buch vor allem ihrem Gatten; jeder Dritte hält sie für unglaubwürdig.

Christian Wulff und Co.
Achtung, Telefon!

Bettina Wulff und ihr Eigentor

Noch schlimmer als das ist aber die Tatsache, dass Bettina Wulff mit ihrer Offensive schlafende Hunde weckte. Denn 81 Prozent der Deutschen hatten von den Rotlicht-Gerüchten, über die Wulff in ihrem Buch schreibt und gegen die sie parallel juristisch vorgeht, zuvor noch nie etwas gehört. Jetzt weiß jeder, welche Zusatzbegriffe ihm bei Google angezeigt werden, wenn er den Namen Bettina Wulff eingibt - auch ohne dass er dies vorher jemals getan hat oder noch tun wird. Das nennt man dann wohl ein klassisches Eigentor.

Statt es bei einem Dementi und einer juristischen Offensive zu belassen, statt sich in Vereinen für andere Opfer von Cyber-Mobbing zu engagieren und damit ein Zeichen zu setzen, hat Bettina Wulff die Gerüchte zerredet. Viele werden meinen, dass es gut ist, wenn sie nun schweigt. Viele werden auch meinen, dass sie diese Notbremse zu spät zieht. Doch Wulff verpasst mit ihrem plötzlichen Rückzug die Chance, auf die Kontroversen, die ihr Buch ausgelöst hat, zu reagieren, oder auch einfach deutlich zu machen: Ich stehe zu dem, was ich geschrieben und gesagt habe, egal, wem es passt und wem nicht.

Für eine PR-Expertin mit langjähriger Berufserfahrung ist die Strategie, mit der Wulff mit dem Leben an der Seite des Bundespräsidenten aufräumen wollte, nicht gerade das beste Zeugnis. Aber auch ihr Verlag hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Ob willentlich oder nicht ließ er sie offenbar ohne jede Beratung ins vorhersehbar kalte Wasser springen. Warum Wulff überhaupt mit einem Haus zusammenarbeitete, das unter anderem auch die Bekenntnisse eines Ex-Bordellbesitzers publizierte, bleibt ihr letztes Geheimnis.

60.000 Euro soll sie laut Bild-Zeitung für die Buchrechte erhalten haben - zuzüglich einer Erfolgsbeteiligung, sollte Jenseits des Protokolls ein Bestseller werden. Und es ist auf dem besten Weg dahin, belegt bereits Platz eins der Sachbuch-Charts. Auch schlechte Kost verkauft sich eben manchmal gut. Ob der Erfolg den Schaden aufwiegt, mit der er für Bettina Wulff einhergeht, darf bezweifelt werden. Es bleibt ihr zu raten, sich mit dem Geld ein ruhiges Leben als Ehefrau, Mutter und PR-Beraterin in Großburgwedel zu machen. So, wie sie es von Anfang an hätte tun sollen.

Sind Sie schon Fan von news.de auf Facebook? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

iwi/news.de

Leserkommentare (16) Jetzt Artikel kommentieren
  • Mike Weißenborn
  • Kommentar 16
  • 21.09.2012 15:02

Ich habe Mitleid mit der Journalistin. Sie hat ihren Beruf verfehlt. Statt Fakten zu nennen (wozu auch?), geht es doch einfacher mit der Hau-immer-drauf-Methode, zumal es ja so schön cool ist, gegen den und die Wulff zu sein. Merke: jede Publicity - egal ob positiv oder negativ - erhöht die Verkaufszahlen des Buches.

Kommentar melden
  • hoerbell
  • Kommentar 15
  • 20.09.2012 12:02

lest Bürgerbewegung pro Deutschland,statt den Wulf-Schmarren.

Kommentar melden
  • WhitePeacock
  • Kommentar 14
  • 19.09.2012 13:01

Klare Sache - eine super PR-Expertin für Kamikaze-Unternehmen. Mit solch einer Beraterin braucht man keine Konkurrenz mehr. Und das Buch? Nun ja, der Titel ist garantiert nicht von Frau Wulf - das ist wahrscheinlich das Beste an der Veröffentlichung.

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
Umfrage
Hier an weiteren Umfragen teilnehmen!
Bettina Wulff
IST DIE VERLEUMDUNGSDEBATTE GERECHTFERTIGT?

news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige