Afghanistan Soldaten und Zivilisten sterben bei Angriffen

Bei einer Anschlagsserie auf Militärlager kommen mehrere Nato-Soldaten ums Leben. Die Täter stammen aus den Reihen afghanischer Sicherheitskräfte. Die Nato selbst tötet bei einem Luftangriff, der Aufständischen galt, acht Frauen und Mädchen.

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Auch nach dem Ausbildungsstopp für afghanische Milizionäre reißt die Serie von Angriffen auf ausländische Soldaten aus den Reihen der Sicherheitskräfte nicht ab. Bei drei Anschlägen von Polizisten oder uniformierten Aufständischen kamen am Wochenende insgesamt acht Soldaten ums Leben. Wegen einer Reihe sogenannter interner Angriffe hatten die USA das Training einer regierungsnahen Miliz kürzlich ausgesetzt.

Am frühen Sonntagmorgen erschoss ein afghanischer Polizist im Süden des Landes vier US-Soldaten. Zunächst hätten Aufständische einen Kontrollposten im Distrikt Misan in der Provinz Sabul angegriffen, sagte der stellvertretende Polizeichef der Provinz, Ghulam Gilani. US-Truppen seien der afghanischen Polizei daraufhin zur Hilfe geeilt. Zunächst war unklar, ob der Beamte während des Gefechts auf die US-Soldaten feuerte oder später. Nach Gilanis Einschätzung wäre es auch möglich, dass der Polizist zum Angriff gezwungen wurde.

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Video: dapd

Seit Jahresbeginn 51 Soldaten getötet

Ein Beamter sei bei dem anschließenden Schusswechsel mit den Soldaten getötet worden, sagte Nato-Sprecher Jamie Graybeal. Ein weiterer sei geflohen. Ob der zweite Polizist in die Tat verwickelt war, sei unklar. Taliban-Sprecher Kari Jusef Ahmadi sagte, die Polizisten hätten zuvor keine Kontakte zu den Aufständischen unterhalten. «Aber sie sind Afghanen und wissen, dass die Amerikaner unsere Feinde sind», sagte er der Nachrichtenagentur AP. Der flüchtige Polizist habe sich nach dem Vorfall den Aufständischen angeschlossen.

Am Samstag hatte ein Bewaffneter in der Uniform einer regierungsnahen Miliz in der Provinz Helmand im Südwesten des Landes zwei britische Soldaten getötet. Sie seien an einem Kontrollposten im Distrikt Nahri Sarradsch erschossen worden, teilte das Verteidigungsministerium in London mit. Erst am Freitag hatten Taliban-Kämpfer in amerikanischen Uniformen einen Militärstützpunkt angegriffen und zwei Soldaten der US-Marineinfanterie getötet. Neun weitere Menschen seien bei dem Überfall verletzt und sechs Kampfflugzeuge zerstört worden, hieß es aus Militärkreisen. 14 Aufständische seien bei den Gefechten ums Leben gekommen.

In Afghanistan kommt es immer wieder zu Angriffen von einheimischen Polizisten und Soldaten oder Aufständischen in entsprechender Uniformierung auf Soldaten der internationalen Koalitionsstreitkräfte. Seit Beginn des Jahres kamen in Afghanistan 51 ausländische Soldaten bei sogenannten internen Angriffen ums Leben.

Nato bestätigt zivile Opfer bei Luftangriff

Unterdessen wurden afghanischen Angaben zufolge bei einem Luftangriff der Nato-Truppen im Osten des Landes acht Frauen und Mädchen getötet. Sie seien am frühen Sonntagmorgen in einer abgelegenen Gegend beim Sammeln von Feuerholz überrascht worden. Das Militärbündnis hatte zunächst mitgeteilt, es gehe davon aus, dass bei dem Angriff lediglich Aufständische ums Leben gekommen seien.

Wenig später bestätigte die Nato jedoch zivile Opfer. «Eine Anzahl afghanischer Zivilisten wurde unbeabsichtigt getötet oder verwundet», sagte die Nato-geführte Schutztruppe Isaf zu dem Bombardement in der Provinz Laghman. «Die Isaf übernimmt die volle Verantwortung für diese Tragödie.» Nach Nato-Angaben galt der Angriff Aufständischen. Ein Isaf-Sprecher sagte, auch 45 Taliban-Kämpfer seien getötet worden.

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Dem Gesundheitsamt der Provinz zufolge sind sieben weitere Zivilisten verwundet und in ein Krankenhaus gebracht worden. Einige Mädchen seien gerade einmal zehn Jahre alt. Der Sprecher der Regierung von Laghman, Sarhadi Sewak, sagte, Dorfbewohner aus dem Bezirk Alingar hätten die Leichen am Sonntag zum Sitz des Gouverneurs gebracht. «Sie riefen: Tod für Amerika! Sie verurteilten den Angriff», so Sewak. Auch der afghanische Präsident Hamid Karsai verurteilte den Luftangriff und kündigte Ermittlungen an.

Luftangriffe sorgen in Afghanistan immer wieder für Spannungen zwischen der Zivilbevölkerung und der Nato. Dem Militärbündnis wird vorgeworfen, bei den Attacken auf die Führer der Aufständischen regelmäßig auch Zivilisten zu töten.

zij/news.de/dapd/dpa

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