Wegen Mohammed-Film Sudanesen legen Feuer in deutscher Botschaft

In Arabien bahnt sich eine Welle der Entrüstung ihren Weg und hinterlässt Chaos und Verwüstung. Aus Protest gegen das Mohammed-Schmähvideo auf Youtube gingen zahlreiche Menschen auf die Straße. Im Sudan setzten sie die deutsche Botschaft in Brand.

Chronologie: Arabien im Umbruch

Aufgebrachte Demonstranten haben am Freitag die deutsche und die britische Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum angegriffen. Sie seien in die deutsche Vertretung eingedrungen und hätten Feuer gelegt, berichtete der britische Sender BBC über Twitter. Die Polizei setzte Tränengas ein, konnte die Angreifer aber offenbar nicht abwehren.

Außenminister Guido Westerwelle hat den Angriff bestätigt. «Die deutsche Botschaft in Khartum ist zur Zeit Ziel von Attacken durch gewaltbereite Demonstranten», erklärte er in Berlin. Die Mitarbeiter seien in Sicherheit, alle unverletzt. Dies habe ihm der deutsche Botschafter in Khartum versichert. Aus Protest gegen die Übergriffe sei der sudanesische Botschafter einbestellt worden. Man habe ihn «auf die Pflicht seiner Regierung zum Schutz diplomatischer Einrichtungen hingewiesen».

Die Proteste richteten sich gegen den bei YouTube veröffentlichten Anti-Islam-Film. Die sudanesische Regierung hatte den Film örtlichen Medienberichten zufolge am Donnerstag scharf verurteilt. Islamistische Gruppen hatten daraufhin zu gewaltsamen Protesten nach dem Freitagsgebet aufgerufen.

Zehntausende demonstrieren in Bangladesch

Deutschland hatte mit Blick auf die erwarteten Proteste am Freitag die Sicherheitsvorkehrungen an diplomatischen Vertretungen in mehreren islamischen Ländern verschärft. Unter anderem wurde zusätzliches Sicherheitspersonal an einzelne Botschaften in der islamischen Welt geschickt.

Auch in zahlreichen anderen Ländern der islamischen Welt gingen Zehntausende auf die Straße. Allen Appellen um Mäßigung zum Trotz warfen Demonstranten in der Umgebung der US-Botschaft in Kairo mit Steinen auf Polizisten. Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. In Saudi-Arabien, wo Demonstrationen verboten sind, wurde über den Kurznachrichtendienst Twitter zu Protesten vor den US-Vertretungen in Riad und Dschidda aufgerufen.

Wegen Mohammed-Film: So groß ist die Wut auf die USA
Video: afp

In Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, skandierten rund 10.000 Demonstranten antiamerikanische Parolen. Auch eine US-Flagge ging in Flammen auf. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz und verhinderte, dass die Menschen bis zur US-Botschaft ziehen konnten. Jeweils mehrere hundert Menschen gingen in Pakistan und Afghanistan auf die Straße. Auf Spruchbändern war unter anderem zu lesen: «Gotteslästerung hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun.» In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad kam es zu Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizisten.

Mursi unterstützt friedliche Proteste

Das Youtube-Video hat in den vergangenen Tagen gewaltsame anti-amerikanische Proteste in der islamischen Welt mit bislang acht Toten ausgelöst, auch der US-Botschafter in Libyen wurde getötet. In den auf Youtube veröffentlichten Sequenzen von Innocence of Muslims (Unschuld der Muslime) wird der Prophet als Mörder, Kinderschänder und Frauenheld dargestellt.

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi erklärte Proteste gegen den am Dienstag bei Youtube veröffentlichten Film für legitim. Diese müssten aber friedlich bleiben. Bei den Krawallen in Kairo wurden seit Dienstagabend 40 Demonstranten festgenommen.

Arabische Christen fürchten eine Welle von Gewalt und Diskriminierung. Der irakische Erzbischof Louis Sako sagte der Nachrichtenagentur dpa am Freitag in Kirkuk: «Wir hoffen sehr, dass alle friedlich reagieren. Denn so gibt man denjenigen, die andere beleiden, nicht die Möglichkeit, Konflikte zwischen den Religionsgruppen zu schüren.» Laut US-Medien gibt es Hinweise darauf, dass ein koptischer Christ an der Filmproduktion beteiligt war.

zij/news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • ingo
  • Kommentar 3
  • 14.09.2012 19:58

Jetzt ist guter Rat teuer. Der sogenannte "arabische Frühling" war ein Trugschluss. Man wollte mit Waffengewalt und Waffenlieferungen an die sogenannten Rebellen die Demokratie einführen. Man hat geholfen Diktatoren wie Gaddafi und Mubarak zu stürzen oder zu ermorden.Nur hat damit Wind gesät, und jetzt erntet man Sturm.

Kommentar melden
  • HlPhbr
  • Kommentar 2
  • 14.09.2012 17:28

Wächterrat,da muss ich Dir recht geben.Aber da sieht man mal wieder, wie blöd die sind im Islam, wenn man sich durch einen Film so zur Gewalt beeinflussen lässt.Vor allem, wenn das Video wirklich von einem Ägypter gedreht wurde. Aber egal wir spenden trotzdem weiter,weil wir haben den Krieg verloren und seit dem sind wir die Deppen der Welt.Und unsere Politiker tun alles dafür,daß das so bleibt.

Kommentar melden
  • Wächterrat
  • Kommentar 1
  • 14.09.2012 15:47

Heute weht die Fahne des Islam ueber der Botschaft im Sudan, ab ca. 2050 auch ueberall in der ehemaligen BRD. Da muss man kein Hellseher sein um das zu erkennen.

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig

Wegen Mohammed-Film: Sudanesen legen Feuer in deutscher Botschaft » Politik » Aktuelles

URL : http://www.news.de/politik/855348095/wegen-mohammed-film-sudanesen-legen-feuer-in-deutscher-botschaft/1/

Schlagworte: