Die Wulffs Einmal «Bild»-Star und zurück

Christian und Bettina
Die Rückkehr der Wulffs
Der ehemalige Bundespräsident und seine Gattin auf dem Weg zum III. Symposium der Peter-Maffay-Stiftung. (Foto) Zur Fotostrecke

Juliane ZiegengeistVon news.de-Redakteurin
Gegen das Schienbein getreten, habe sie Bild-Chefredakteur Kai Diekmann in Gedanken. Doch ihm einen Vorwurf machen, kann Bettina Wulff nicht. Schließlich waren sie und ihr Mann es, die sich von der perfekten Fassade dieses «Machers» blenden ließen und ein Spiel mitspielten, in dem sie nur verlieren konnten.

Es ist kein Geheimnis, dass das Verhältnis von Ex-Minister- und Bundespräsident Christian Wulff zur Bild-Zeitung ein sehr spezielles war und wohl noch ist. Daran lässt auch seine Frau Bettina in ihrem Buch Jenseits des Protokolls keinen Zweifel. Das Kapitel «Die Medien» ist das mit Abstand aufschlussreichste der knapp 200 Seiten ihrer Biografie. Sie habe nicht erahnen können, wie sich die Dinge entwickeln würden, schreibt sie. Genauso wenig dürfte ihr die Bedeutung der Zeilen bewusst sein, die sie Kai Diekmann und der auflagenstärksten Zeitung Deutschlands widmet.

Und das nicht etwa, weil sie schonungslos mit ihm ins Gericht geht, was sie bewusst oder unbewusst vermeidet. Stattdessen scheint Wulff die eigene Naivität im Umgang mit diesem «Fuchs», wie sie ihn nennt, zu bedauern. Ablegen kann sie diese Naivität noch immer nicht. Anders ist nicht zu erklären, wie freimütig und selbstverständlich die ehemalige First Lady über die - salopp gesagt - Kumpanei ihres Mannes und auch ihrer selbst mit der Bild berichtet.

So schreibt sie, wie Christian Wulff Pfingsten 2006 ganz bewusst Kontakt zur Bild herstellte, um sein Beziehungsouting mit ihr zu planen. Eine alleinerziehende blonde Frau, ein verheirateter Familienvater, zudem noch Ministerpräsident von Niedersachsen, und die junge Liebe der beiden: Die Wulffs wussten, dass das eine Story für die Massen ist. «Und bevor da irgendwelcher Unfug über uns verbreitet oder unser Freundes- und Verwandtenumfeld abtelefoniert wurde, ... haben mein Mann und ich versucht, manche Themen gegenüber der Presse selbst zu steuern – auch gegenüber der Bild-Zeitung», gibt sie zu.

Der «recht gute Draht» zur Bild musste gepflegt werden

Noch einmal zum Mitschreiben: Da klopft nicht irgendein Promi, sondern der spätere Bundespräsident bei der Bild an, um ihm wohlgesonnene Schlagzeilen zu lancieren, um sich - böse gesagt - anzubiedern. Und das ausgerechnet bei der Bild, die dafür bekannt ist, die ganze Hand zu nehmen, wenn ihr der kleine Finger gereicht wird. Das ist nicht nur naiv, sondern auch höchst fragwürdig. Denn die Berichterstattung einer Zeitung derart beeinflussen zu wollen, verletzt die natürlich gebotene Distanz zwischen Politikern und Medien doch bei weitem.

Nun mag man meinen: Es ging nicht um tagespolitische Inhalte und was ist schon verfänglich daran, eine Prise Privates preiszugeben, um Spekulationen oder Falschmeldungen vorzubeugen. Schließlich wünscht sich jeder Politiker positive Schlagzeilen und versucht negative zu vermeiden. So etwas wie Unabhängigkeit gibt es in dieser Beziehung ohnehin nicht. Oder doch?

Über Bundespräsident Joachim Gauck hat es bis heute keine Homestory in der Bild gegeben. Als eine öffentliche Debatte über die wilde Ehe zu seiner Lebenspartnerin Daniela Schadt entbrannte, hielt er sich stilvoll zurück und saß es aus, bis der Sturm vorbei war. Auch Bild-Chef Diekmann saß nicht bei ihm in Schloss Bellevue am Frühstückstisch.

Anders im Falle der Wulffs. Der «recht gute Draht», den die Familie zur Bild in Hannover gepflegt hatte, sollte schließlich auch in Berlin geknüpft werden. Folglich ging es, noch bevor Christian Wulff vom Kandidaten zum Präsidenten geworden war, zum Diner bei Diekmann samt Frau Katja Kessler. Nach der Wahl folgte die Gegeneinladung in den Amtssitz.

Christian Wulff und Co.
Achtung, Telefon!
Debatte um Wulff (Foto) Zur Fotostrecke

Die kleinen Wulffs und der große Diekmann

Bei diesen inoffiziellen Treffen wurde dann nicht etwa nur übers Wetter oder die Kinder geplaudert. «Es wurde über Politik gesprochen», schreibt Bettina Wulff, «beispielweise diskutierten gerade die Männer eifrig den Satz: «Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland, den Christian zum bevorstehenden Feiertag der Deutschen Einheit sagen wollte». Wollte sich der Bundespräsident rückversichern, wie seine noch nicht gehaltene Rede beim Medienprofi ankam?

All das hat einen fahlen Beigeschmack, der auch Bettina Wulff aufgefallen sein müsste. Und er bleibt. Weil sie zwar bedauert, wie in Bezug auf die Vorwürfe so manches kommuniziert wurde, aber nicht in Zweifel zieht, ob es überhaupt richtig war, sich mit der Bild und ihrem Chef gut stellen zu wollen, sondern das noch als Naturgesetz deklariert. Dies wirft auch auf den viel diskutierten Faible der Wulffs für einflussreiche Freunde kein erhellendes Licht, im Gegenteil.

Dabei hätte sie nur auf ihr Gefühl vertrauen müssen. Bereits beim ersten Treffen habe Bettina Wulff der Eindruck einer «mächtigen Inszenierung» beschlichen. Beeindruckt, fast eingeschüchtert sei sie von dem Paar Diekmann-Kessler gewesen. Als Diekmann die Ex-Präsidentengattin beim gemeinsamen Frühstück ganz unverhohlen auf ihre vermeintliche Rotlicht-Vergangenheit angesprochen habe, sei ihr das Brötchen im Halse stecken geblieben.

Hoch gepokert, böse verzockt

Dass Diekmann nicht allein aus persönlichem, sondern vor allem beruflichem Interesse nachgefragt hat, ist an dieser Stelle müßig zu erwähnen. Und natürlich hat er nach Wulffs Mailbox-Nachricht nicht Stillschweigen bewahrt. Nette Schlagzeilen in Kooperation mit den Wulffs - da macht die Bild noch mit. Aber die Kredit-Affäre oder eine solche Steilvorlage wie die Pöbeleien des Bundespräsidenten unter den Tisch fallen zu lassen, ist dann doch zu viel verlangt.

So privat der Anruf auch war - er fand genauso wie die Intimitäten, die die Wulffs zuvor freiwillig preisgegeben hatten, seinen Weg an die Öffentlichkeit. Da kann Christian Wulff noch so «entsetzt» und «enttäuscht» gewesen und Frau Bettina fast zur «Menschenhasserin» mutiert sein. Das sind nun einmal die Regeln des Spiels, wie die Neu-Autorin das Medienparkett an einer Stelle nennt.

«Und plötzlich Teil dieses Spiels zu sein, ein Spielball der gesamten Medien, ... bei diesem Spiel irgendwie mitzumachen, um nicht gleich der Verlierer zu sein, das war für mich schon merkwürdig und hat mich von Beginn an überrumpelt», schreibt sie. Lange hat man dabei voneinander profitiert: Insiderinfos für die einen, nette Titelseiten für die anderen. Doch irgendwann geht jedes Spiel zu Ende, und es gibt Gewinner und Verlierer. Zu letzteren gehört die Bild meist nicht.

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rut/news.de

Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • Siegfried Kunze
  • Kommentar 5
  • 19.09.2012 13:41

Es fällt einem nichts mehr ein, denn das herumgewulffe nimmt kein Ende und das hat auch seinen Grund, mit diesem abartigen Schrott will man von den wahren Problemen dieses pervertierten Systems ablenken, es ist ja so viel wichtiger sich mit Schmarotzern wie Guttenberg, Wullf und dem Rest der "elitären" Brut nebst der unfähigen Politikerbande zu beschäftigen. Eines steht fest, wer mit dem Lift der Bild(Blöd)-Zeitung nach oben fährt, muß damit rechnen abzustürzen. Wenn ich mir noch die Absonderungen des debilen Ragna und den übrigen Stiefelleckern anschaue, dann kann man sich nur schlapp lachen!

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 4
  • 17.09.2012 10:34

Zunächst handelt es sich bei den Anfeindungen gegen die Familie des Altbundespräsidenten Wulff um eine Hexenjagd ohne politischen Anlass oder Rechtfertigung. Trost spendet, dass die unheilige Inquisition dafür bezahlen muss. Auch das parteipolitische Dilemma wird offenkundig, da die Politiker nicht einmal zur richtigen Personenwahl fähig sind. Schließlich zeigt sich die Unfähigkeit des politischen Systems, dem der Mut zur Kurskorrektur fehlt. Wenn die Kampagne gegen die Wulffs nun fortgesetzt wird, ist das idiotisch. Zu K 1: Man geht nicht zu einem korrupten Gericht!

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  • Deutscher Steuerzahler
  • Kommentar 3
  • 16.09.2012 00:52

Ja ja.... die Wullfs... komplett nutzlos.... aber schön dir Kohle vom Steuerzahler abgegriffen... unser Bundeswulff... lebt es sich gut von meinem Geld Herr Wulff??? und jetzt das Buch von Miss Wulff... ist nicht schon genug abgeriffen??? SCHÄMT EUCH!!!

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