Rechter Terror NSU-Helfer war zehn Jahre lang V-Mann

NSU
Die Geschichte einer beispiellosen Terrorserie

Immer neue Enthüllungen im Fall der Terrorzelle NSU: Jetzt sollen Berliner Behörden für mehrere Pannen verantwortlich sein. Ein ehemaliger V-Mann hat gestanden, den Neonazis in den 1990ern Sprengstoff geliefert zu haben. In der Hauptstadt wird hektisch nach Ursachen gesucht.

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen die rechtsextreme Terrorzelle NSU stehen jetzt auch die Berliner Behörden in der Kritik. Ein Beschuldigter in dem Fall soll V-Mann des Landes Berlin gewesen sein, wie der Untersuchungsausschuss-Vorsitzende Sebastian Edathy (SPD) am Donnerstag sagte. Zehn Jahre lang habe er als V-Mann des Landeskriminalamtes gearbeitet, berichteten Spiegel Online und Sueddeutsche.de.

Der heute 44-Jährige sei von Ende 2000 bis Januar 2011 als Quelle des Berliner LKA aktiv gewesen, so Spiegel Online. Nach eigener Aussage habe er der Terrorzelle NSU Ende der 1990er Jahre rund ein Kilogramm TNT-Sprengstoff besorgt. Bei mindestens fünf Treffen mit seinen V-Mann-Führern habe er auch Hinweise auf die untergetauchten NSU-Mitglieder gegeben, die er letztmalig 1998 gesehen haben wolle. Heute ist der 44-Jährige laut dem Bericht einer von 13 Beschuldigten, gegen die der Generalbundesanwalt im Zusammenhang mit dem NSU-Terror ermittelt.

Zuvor hatte der Untersuchungsausschuss beklagt, das Land Berlin habe der parlamentarischen Aufklärung einen wichtigen Hinweis vorenthalten: Demnach soll dort bereits im Jahr 2002 ein Hinweis auf den möglichen Aufenthaltsort des untergetauchten Terror-Trios Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt vorgelegen haben.

Schmazl: Heute würde vieles anders laufen

Nach den Pannen wird in der Hauptstadt hektisch nach den Ursachen gesucht. Innensenator Frank Henkel (CDU) will sich nach dpa-Informationen heute Mittag mit den innenpolitischen Sprechern der Fraktionen und anderen Politikern treffen, um das Thema zu erörtern. Henkel hatte angekündigt, die Vorwürfe prüfen zu lassen und dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages alle Informationen bereitzustellen.

Der frühere Verfassungsschutzchef in Baden-Württemberg, Johannes Schmalzl, bedauerte im Untersuchungsausschuss Ermittlungsfehler beim Polizistenmord von Heilbronn 2007. «Die Fehler sind nicht entschuldbar», sagte der heutige Stuttgarter Regierungspräsident. Aus den Fehlern seien Lehren zu ziehen.

Am 25. April 2007 war die Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn mit einem Kopfschuss getötet worden. Der Mord soll auf das Konto des NSU-Trios gehen. «Wir wussten nichts von dieser Terrorgruppe», sagte Schmalzl. Rechtsterrorismus habe damals in der Arbeit der Sicherheitsbehörden kaum eine Rolle gespielt. «Ich bin überzeugt, mit dem Wissen von heute würde vieles anders gemacht.» In dem Fall sind bis heute viele Fragen offen.

zij/news.de/dpa

Leserkommentare (16) Jetzt Artikel kommentieren
  • hpklimbim
  • Kommentar 16
  • 22.09.2012 05:31
Antwort auf Kommentar 15

Manche Dinge kann man gar nicht deutlcih genug ausdrücken. Viel zu viel lääuft an den Wahlaufträgen im Sinne der Wähler vorbei, oder wird schon ganz gezielt nicht erledigt, weil damit anderes bezweckt, erwirkt oder erst noch herbei geführt werden soll. Der immer noch fehlende Mindestlohn zum Beispiel, der nicht eingeführt wird, der bei bis jetzt bei keiner Partei im Programm enthalten ist, und der mindestens Mitursache für das wirtschaftliche Ausbluten anderer europäischer Länder ist. Kein Mindestlohn = mehr Hartz IV. Auch dafür habe ich nie per Wahl Auftrag erteilt.,

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  • werner.4321
  • Kommentar 15
  • 21.09.2012 14:05
Antwort auf Kommentar 14

Ich bin sicherlich nicht mit allen Entscheidungen zufrieden, aber Volksbetrüger zu nennen ist pauschalisiert mit Sicherheit falsch. Die Aufgabe ist sich möglichst gut zu informieren und nach bestem Wissen und Gewissen mithelfen die Besten Entscheidungen zu treffen. Es ist nicht möglich für alle "Gute" Gesetze zu machen. Auch die Demokratie besitzt Genzen. Manchmal ist es nötig Entscheidungen gegen eine Volksmeinung zu treffen. Denn die Volksmeinung kann aus verschiedenen Gründen falsch sein. Zum Beispiel bei Hetzkampangnen gegen Kinderschänder.

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  • hpklimbim
  • Kommentar 14
  • 20.09.2012 16:16
Antwort auf Kommentar 13

Ihr letzter Kommentar ist mir etwas zu sehr pauschalisiert. Damit kopieren Sie sich die Arbeitsweise der heutigen Politiker in Ihre Betrachtungsweise. Genau das sollten die Wähler vermeiden bei Leuten, denen sie Kraft Stimmabgabe Auftrag erteilt haben, sich um ihre Anliegen zu kümmern. Oder kennen Sie jemanden, der einen Handwerker bezahlt, wenn der noch keine Leistung erbracht hat? Genau das machen aber unsere gewählten Volksbetrüger. Um keinen Preis vorher etwas sagen, woran später die Leistung gemessen werden könnte, aber abkassieren um jeden Preis.

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