Mohammed-Video Ein grottenschlechter Film hält die Welt in Atem

Chronologie
Arabien im Umbruch

Von Denise Donnebaum und Andy Goldberg
Eigentlich ist es nur ein dilettantisches Video. Doch weil das Filmchen den Propheten Mohammed durch den Schmutz zieht, werden US-Botschaften in arabischen Ländern gewaltsam attackiert. Dabei bleibt er ein Mysterium. Um den Macher von Innocence of Muslims ranken sich diverse Theorien.

Afghanistan hat sogar die Zugänge zur Internetplattform Youtube gesperrt, um zu vermeiden, dass auch dort die Menschen wegen des blasphemischen Mohammed-Films ausrasten - wie schon in Libyen, Ägypten und dem Jemen. Der Film, der im Zentrum der blutigen anti-amerikanischen Proteste in der arabischen Welt steht, ist vor allem eines: ein Mysterium. Wer hat ihn gemacht? Von wem wurde er im Internet verbreitet? Und warum?

Wer Antworten auf diese Fragen sucht, stößt vor allem auf Spekulationen. Sicher scheint mittlerweile nur eines: der Name Sam Bacile, ursprünglich als Macher des Films gehandelt, ist ein Pseudonym. Die Gewalt vor den US-Botschaften in der arabischen Welt ist echt, die Geschichte hinter dem Film ist dagegen ein Wirrwarr aus Halbwahrheiten und Fehlinterpretationen.

Nach Informationen der BBC könnte der Film bereits Ende Juni in einem kleinen Kino in Los Angeles gezeigt worden sein. Nur wenig später sei er dann erstmals im Internet aufgetaucht, verbreitet von einem gewissen «sambacile». In den auf YouTube veröffentlichten Sequenzen des Films Innocence of Muslims («Unschuld der Muslime») wird der Prophet als ein blutrünstiger Gangster, Schürzenjäger, blasser Trottel und Pädophiler dargestellt. Produziert wurde der amateurhaft wirkende Film offensichtlich mit einfachen Mitteln.

Zeitung erfindet jüdischen Filmemacher

Das Wall Street Journal hatte den vermeintlichen Macher des Films, Sam Bacile, anfangs als einen amerikanisch-israelischen Mittfünfziger beschrieben, der für den rund zweistündigen Film fünf Millionen Dollar (rund 3,9 Millionen Euro) von 100 jüdischen Spendern eingesammelt habe. Spätestens seit heute ist das nicht mehr haltbar. Der Name Sam Bacile sei weder bei amerikanischen noch bei israelischen Behörden registriert, schreibt das Blatt nun.

Eine Spur führt zu Steve Klein, der am Filmprojekt beteiligt gewesen sein soll. Klein beschreibt sich nach den Worten des US-Journalisten Jeffrey Goldberg als einen militanten Christen. Er habe den Mann, der nun unter dem Namen Sam Bacile bekannt ist, getroffen. «Sein Name ist ein Pseudonym», sagte Klein dem Journalisten im US-Magazin The Atlantic. «Er ist kein Israeli. Ich bezweifle, dass er Jude ist.»

Steckt ein koptischer Christ aus Kalifornien dahinter?

Stattdessen führen die jüngsten Recherchen amerikanischer Medien, darunter das Wall Street Journal, zu dem koptischen Christen Nakoula Basseley Nakoula in Kalifornien. Dieser gab an, der Manager der Produktionsfirma zu sein, die für den Film verantwortlich sei - bestritt aber, Sam Bacile zu sein. Die christliche Minderheit der Kopten fühlt sich in Ägypten von der muslimischen Bevölkerungsmehrheit unterdrückt und diskriminiert.

Ein weiterer Name spielt nach den Informationen des Wall Street Journals eine zentrale Rolle: Morris Sadek. Er sei dafür verantwortlich, dass das monatelang im Internet vergessene Video plötzlich bekannt wurde. Anfang September habe der in Washington lebende koptische Christ Journalisten weltweit einen Link zu dem YouTube-Video geschickt. In Ägypten übersetzten einige das Video auf Arabisch und veröffentlichten es. Unterstützt wurde der Film später ausgerechnet vom umstrittenen amerikanische Pastor Terry Jones, der 2010 mit einer Koranverbrennung weltweit für Proteste gesorgt hatte.

Die Äußerungen der US-Schauspieler im Film machen den Fall nicht weniger rätselhaft. Sie hätten nicht gewusst, dass das Werk anti-islamischer Propaganda diene, zitierten CNN und die Zeitung Los Angeles Times aus einer Mitteilung der Mitwirkenden. Sie seien für einen andersnamigen Film engagiert worden. Die provokantesten Kommentare im Film seien erst im Nachhinein bei der Synchronisation hinzugefügt worden, hieß es. «Die Darsteller und die Crew sind extrem wütend und fühlen sich vom Produzenten hinters Licht geführt.» Sie stünden in keiner Weise hinter dem Film.

iwi/news.de/dpa

Leserkommentare (8) Jetzt Artikel kommentieren
  • rainer
  • Kommentar 8
  • 19.09.2012 17:06

jeder beteiligte ist ein verbrecher ! dies gilt für den produzenten und alle gewaltbereiten ! können diese dummen wesen lesen und schrei-ben oder werden sie nur benutzt ? glaube und gewalt wurde und wird legal, wenn erhoffte oder erwünschte situationen eintreffen ! auch der moslem hat sog. glaubenskriege geführt ! jedes denkende wesen kann nach folgendem satz handeln : wer im glashaus sitzt, der werfe den ersten stein !!

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  • sam imbecile
  • Kommentar 7
  • 14.09.2012 22:38

Wann werde ich endlich in einer intelligenten Welt (IQ 200) leben können ohne diesen jahrtausendealten messianisch-beschnittenen-traumatisierten Terror überall, d.h. ohne diesen jüdisch-christlich-muslimisch-kapitalistisch-kommunistisch-faschistisch-nationalsozialistisch--hypersozial-hypermedial-politisch-juristisch-pseudowissenschaftlichen Schwachsinn überall? Daher: ohne "Juden" hätte es keine "Faschisten" gegeben! Darum gehört die Zukunft den fleissigen atheistischen Chinesen!

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  • grueni
  • Kommentar 6
  • 14.09.2012 14:37

Mag der Film noch so schlecht oder unmöglich sein, es ist keinerlei Rechtfertigung dafür, Organe oder Bürger des Staates, in dem er produziert worden ist anzugreifen und zu töten. Punkt. Im Grunde haben der Mob am Ende nur die Vorurteile des Films bestätigt.

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