Arabische Revolution Lassen Islamisten Anti-US-Randale zu?

Der Auslöser ist ein billiges Filmchen, das den Propheten Mohammed albern diffamiert. Doch in Libyen und Ägypten drehen Demonstranten deshalb völlig durch, die ägyptische Regierung animiert gar zum Protest. Geht von den Revolutionsstaaten eine neue islamistische Gefahr aus?

Chronologie: Arabien im Umbruch

Der Produzent des in den USA gedrehten Videofilms Unschuld der Muslime ist abgetaucht. Doch fest steht, dass der Macher dieses Films, in dem der Prophet Mohammed als blutrünstiger Trottel dargestellt wird, genau wusste, womit er viele Muslime provozieren kann. Aus Empörung über die Filmszenen, die ihren Religionsstifter als sexbesessenen Bösewicht zeigen, werfen die beleidigten Muslime Steine und klettern laut schreiend über die Mauern vor den US-Botschaften.

Die meisten muslimischen Intellektuellen sind dagegen der Auffassung, dieser «Schrottfilm» sei es nicht wert, dass man sich über ihn aufregt. «Wir rufen alle Muslime auf, gemeinsam alle Extremisten zu verurteilen, die Unschuldige terrorisieren», erklärt Daisy Khan von der Amerikanischen Gesellschaft für muslimischen Fortschritt (Asma).

«Dummes Video hat gar keine Aufmerksamkeit verdient»

Der oppositionelle Syrische Nationalrat (SNC) hat zwar in einer Erklärung sowohl den Film als auch die Attacken auf die Botschaften verurteilt. SNC-Mitglied Omar Schawaf wäre es jedoch lieber gewesen, die Gegner von Präsident Baschar al-Assad hätten zu dem Video geschwiegen. «Ich war dafür, die Angriffe zu verurteilen, aber ich hatte vorgeschlagen, den Film nicht zu erwähnen, weil ich finde, dass dieses dumme Video gar nicht so viel Aufmerksamkeit verdient hat.»

Dass in Bengasi nicht nur protestiert, sondern auch Diplomaten getötet wurden, liegt an dem Machtvakuum, das seit dem Krieg in Libyen herrscht. Waffen sind dort leicht zu haben. Die Zahl der gewaltbereiten Islamisten ist aber nach Einschätzung von Experten in Libyen nicht so groß wie im benachbarten Ägypten oder im Jemen.

Auch die offiziellen Reaktionen, die nach den Angriffen auf die US-Botschaften von den politischen Führern der jeweiligen Länder kamen, lassen tief blicken. Die libyschen Verantwortlichen entschuldigten sich wortreich für das Versagen ihrer Sicherheitskräfte. Die jemenitische Botschaft in Washington verurteilte den Angriff auf die US-Botschaft in Sanaa sofort und versprach eine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen, ohne den Film, der die Proteste entfacht hatte, überhaupt zu erwähnen.

Islamisten-Regierung in Ägypten ermuntert zu Protesten

Die Parteien der Islamisten, die in Ägypten nach dem Sturz von Präsident Husni Mubarak an die Macht kamen, ermahnten die Demonstranten in Kairo dagegen nur, «nicht gegen Gesetze zu verstoßen». Gleichzeitig riefen sie selbst zu Protesten gegen den Mohammed-Film auf, den sie in zahlreichen Erklärungen verdammten.

US-Präsident Barack Obama war mit dieser Reaktion aus Ägypten, einem Land, dem Washington jedes Jahr üppige Finanzhilfen zukommen lässt, denn auch nicht zufrieden. In einem TV-Interview sagte er, Ägypten sei «kein Verbündeter, aber auch kein Feind». Die New York Times schreibt: «Ägypten könnte dem Weißen Haus noch größere Sorgen bereiten als Libyen».

Besorgt sind in diesen Tagen auch die orientalischen Christen. Denn sie befürchten, dass radikale Muslime ihre Wut über den Film an ihnen abreagieren könnten. «Es ist normal, dass ein Mensch wütend wird, wenn seine religiöse Überzeugung beleidigt wird», sagt der ägyptische Christ Kamel Sedik, ein Mitglied des Gemeinderates der Koptisch-Orthodoxen Kirche in Alexandria. Dass diese Wut in blinder Gewalt gegen Unbeteiligte münde, dürfe aber auf keinen Fall toleriert werden. Die arabischen Christen reagierten schließlich auch nicht mit Mord und Brandstiftung, wenn sie al-Qaida-Anführer Eiman al-Sawahiri und anderen Terroristen als «Ungläubige» beschimpft würden.

iwi/news.de/dpa

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • heinrichIV
  • Kommentar 2
  • 15.09.2012 13:21

Keine Sorge Leute, die CDU wirds schon richten. Denn die CDU hat bereits im Parlament einen Entwurf der zukünftigen CDU - Islam Flagge vorgelegt, der von allen Parteien mit Beifall begrüßt wurde. Bald werden wir selbst Islamis sein und gegen die USA mit der neuen Flagge demonstrieren. Kauft schon mal nen Gebets-Teppich ein und hängt die neue Flagge raus, ha, ha, ha

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  • zombie1969
  • Kommentar 1
  • 13.09.2012 16:39

Wie wäre es damit, dass diese Demonstranten erst mal ihre in allen Bereichen am Boden liegenden Länder wieder auf Vordermann bringen. Es gäbe viel und Besseres zu tun! Danach, aber erst danach, kann man sich dann um irgendwelche harmlosen Filme und Demonstrationen dagegen kümmern.

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