Tod des Botschafters US-Geheimdienst vermutet Al-Qaida-Attentat

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Es war in der Nacht des 11. September, als in Libyen US-Botschafter Chris Stevens getötet wurde - angeblich von wütenden Demonstranten. Das kann kein Zufall sein, meinen die US-Geheimdienste. Sie gehen von einem Attentat aus. Das Pentagon hat Kriegsschiffe vor der libyschen Küste aufgefahren.

Nach dem Angriff auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi gehen die US-Geheimdienste Hinweisen auf einen gezielten Terroranschlag nach. Der Angriff sei «geplant, koordiniert, organisiert ausgeführt» worden, erklärte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, Mike Rogers. Er sagte auch, es könne sich zum einen gezielten A-Qaida-Anschlag am 11. September gehandelt haben.

Die Hass-Attacken gegen US-Botschaften gehen derweil weiter. Auch im Jemen haben gewalttätige Demonstranten versucht, die Botschaft zu stürmen und in Kairo warfen Angreifer in der Nacht weiter Steine und Brandsätze im Umkreis der US-Vertretung.

Ein Sprecher des Weißen Hauses äußerte, es sei noch zu früh für ein klares Urteil. Bei dem Angriff war der Botschafter der USA in Libyen, Chris Stevens, getötet worden, außerdem drei weitere Amerikaner.

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Rogers erklärte, die US-Geheimdienste hätten noch nicht ermittelt, wer hinter der Tat stecke, aber «unsere Liste wird kürzer». Sicher habe es sich nicht um eine spontane Tat gehandelt. Das FBI schickte nach Angaben aus Behördenkreisen Teams nach Libyen, die die Ermittlungen unterstützen sollen.

Das Pentagon verlegte unterdessen zwei Kriegsschiffe vor die libysche Küste. Aus US-Regierungskreisen verlautete, der Zerstörer «USS Laboon» habe seine Position bereits am Mittwoch erreicht. Die «USS McFaul» sei auf dem Weg und werde innerhalb weniger Tage ihr Ziel erreichen. Weiter hieß es, die Schiffe hätten keine konkrete Aufgabe. Sie gäben den Kommandeuren jedoch die Möglichkeit, flexibel auf jeden Einsatz zu reagieren, die der US-Präsident anordne.

Wütende Demonstration nur Ablenkungsmanöver?

Der Fernsehsender CNN berichtete unter Berufung auf US-Quellen, die Angreifer hätten die Proteste vor dem Konsulat als Ablenkungsmanöver genutzt. Ob die Angreifer die Proteste initiiert oder nur für ihr Vorhaben ausgenutzt hätten, sei allerdings unklar. Die Gewährsleute schlossen jedoch aus, dass der Angriff Botschafter Stevens galt, wie CNN auf seiner Website berichtete.

Ein weiterer ranghoher US-Vertreter sagte CNN demzufolge, dass das Weiße Haus voraussichtlich Drohnen nach Libyen schicken werde, um Extremisten aufzuspüren, die womöglich mit dem Angriff zu tun hätten. Die Informationen sollten dann den libyschen Behörden ausgehändigt werden, hieß es.

Bei dem Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi waren vier Amerikaner ums Leben gekommen. Auch in Kairo waren wütende Demonstranten aus Protest gegen einen angeblich in den USA produzierten, von Muslimen als islamfeindlich empfundenen Film über den Propheten Mohammed vor die US-Botschaft gezogen. Am Mittwoch versammelten sich etwa 200 Islamisten erneut vor der US-Botschaft in Kairo.

Crew des umstrittenen Films fühlt sich getäuscht

Die 80 Schauspieler und Crewmitglieder des umstrittenen Filmes Innocence of Muslims haben sich am Mittwoch offen gegen den Produzenten gestellt. «Wir stehen zu 100 Prozent nicht hinter dem Film und wurde grob getäuscht über seinen Sinn und Zweck», schreiben sie in einem Brief, den sie CNN zukommen ließen.

Der Aufruf zum Casting hatte den Streifen laut CNN unter dem Arbeitstitel Desert Warrior (Wüstenkrieger) vorgestellt und ihn al historischen arabischen Wüstenfilm bezeichnet. Eine Schauspielerin sagte gegenüber dem Sender, das ursprüngliche Script hätte keinen Mohammed-Charakter vorgesehen.

US-Flaggen weltweit auf Halbmast

US-Präsident Barack Obama verurteilte den Angriff auf die Botschaft und kündigte an, die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen. Er ordnete verstärkte Sicherheitsmaßnahmen für die diplomatischen US-Vertretungen im Ausland an, besonders in Libyen. Aus US-Quellen verlautete, es würden auch 50 US-Marineinfanteristen nach Libyen geschickt.

Die Flaggen an Regierungsgebäuden und militärischen US-Einrichtungen in der ganzen Welt wurden auf Halbmast gesetzt. US-Außenministerin Hillary Clinton zeigte sich schockiert. Sie betonte, der Angriff sei von einer kleinen Gruppe und nicht von Vertretern der libyschen Volks begangen worden.

Der stellvertretende libysche UN-Botschafter Ibrahimi Dabbaschi machte «eine extremistische Gruppe» für den Angriff verantwortlich. Er bekräftigte vor dem Weltsicherheitsrat in New York die Zusicherung seiner Regierung, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden würden.

«Dieser Angriff dient nicht den Interessen des Volkes oder der libyschen Behörden und kann auch nicht als Verteidigung des Islams betrachtet werden», sagte Dabbaschi. «Dieser Angriff beschädigt das Ansehen des Islams beträchtlich.» Der Sicherheitsrat und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilten den Angriff aufs Schärfste.

In Kairo dauern gewalttätige Demonstrationen an

Derweil haben vor der US-Botschaft in Kairo erneut Hunderte aufgebrachte Muslime demonstriert. Wie der TV-Sender CNN berichtete, gab es Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten. Die Protestierenden hätten Steine und Brandsätze geworfen, als die Polizei versucht habe, die Menge mit Tränengas auseinanderzutreiben. Die Polizei habe auch Warnschüsse abgegeben, um die Demonstranten vom Botschaftsgebäude fernzuhalten, berichtete der Sender unter Berufung auf Augenzeugen.

iwi/kls/news.de/dapd

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Oliver
  • Kommentar 4
  • 14.09.2012 11:48

Also ich habe an diesem Film gar nichts auszusetzen. OK man merkt, dass er nicht für den Oskar gemacht worden ist und nur mit drittklassigen Mitteln produziert worden ist. Aber auf Youtube kann man einige Trailer sehen und der Film soll in Berlin im Herbst gezeigt werden.

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  • zombie1969
  • Kommentar 3
  • 13.09.2012 14:08

Wie wäre es damit, dass diese Demonstranten erst mal ihre in allen Bereichen am Boden liegenden Länder wieder auf Vordermann bringen. Es gäbe viel und Besseres zu tun! Danach, aber erst danach, kann man sich dann um irgendwelche harmlosen Filme und Demonstrationen dagegen kümmern.

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  • ossi24
  • Kommentar 2
  • 13.09.2012 13:37

Außenministerin Hillary Clinton hat schon so einiges von sich gegeben und man sollte diese Frau mal untersuchen ob Sie geisteskrank ist. einfach googeln dann könnt ihr selbst nachlesen was in dieser Frau so vor sich geht und wie Sie tickt. http://www.youtube.com/watch?v=SmHHAqHdsgE

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