NSU-Terror Geheimdienst wollte Mundlos anwerben

NSU
Die Geschichte einer beispiellosen Terrorserie

Neuer NSU-Skandal: Terrorist Uwe Mundlos fiel schon während seines Wehrdienstes Mitte der 1990er Jahre als Rechtsextremer auf - und der Bundeswehr-Geheimdienst (MAD) versuchte prompt, ihn als Informanten zu gewinnen. Die Mitglieder des Untersuchungsausschusses sind entsetzt.

Uwe Mundlos, der damals seinen Grundwehrdienst in Thüringen ableistete, verweigerte jedoch eine Kooperation mit dem Militärischen Abschirmdienst (MAD). Die Anfrage ist in MAD-Akten zu finden, die jetzt wieder aufgetaucht sind. Mundlos gehörte demnach während seines Wehrdienstes 1994/1995 zu einer Gruppe von sechs Soldaten, die als Rechtsextreme auffielen - unter anderem weil sie Skin-Musik hörten.

Der MAD hat den Rechtsextremisten Mundlos gefragt, ob er bereit sei, über bevorstehende Anschläge auf Asylbewerberheime zu berichten. Mundlos hat laut Akte geantwortet, er beteilige sich nicht an solchen Attacken, würde sie aber auch nicht melden. Nachdem er 1998 gemeinsam mit Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe untergetaucht war, beteiligte sich Mundlos allerdings an zehn Morden des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU).

MAD-Präsident vor Untersuchungsausschuss zitiert

Der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages lud MAD-Präsidenten Ulrich Birkenheier kurzfristig zu einer Vernehmung, um den Vorgang aufzuklären. Der Behördenchef werde ab 16 Uhr unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt werden, sagte der Ausschussvorsitzende Sebastian Edathy (SPD).

Zuvor war bekannt geworden, dass der MAD eine Akte über den NSU-Terroristen Uwe Mundlos führte, die zunächst nicht mehr auffindbar war. Der MAD hatte die Existenz der Akte dem Ausschuss nie mitgeteilt. Erst durch eine parlamentarische Anfrage des Grünen-Abgeordneten Christian Ströbele wurde der Vorgang bekannt.

Ausschuss-Mitglieder sind schockiert

Die im Ausschuss vertretenen Obleute verschiedener Parteien sind entsetzt über die Geheimhaltung der Vorgänge beim MAD. «Ich bin entsetzt», sagte Sebastian Edathy. «Das wird Folgen haben müssen.»

Die Ausschussmitglieder reagierten empört auf die Neuigkeiten. «Das war heute wieder ein Schockerlebnis im Ausschuss», sagte der Grünen-Obmann Wolfgang Wieland. «Das ist ein weiterer Vertrauensbruch.» Auch das Verteidigungsministerium und das Bundesinnenministerium hätten von der Existenz der Akte gewusst, diese Information aber nicht weitergegeben. «Das nährt natürlich ein ums andere Mal Verschwörungstheorien.»

Die Linke-Obfrau Petra Pau sagte, sie fühle sich vom MAD belogen. Der Geheimdienst habe versichert, dass es keine Unterlagen zu Mundlos gebe. SPD-Obfrau Eva Högl sagte: «Das ist ein echter Skandal.» Der Unions-Obmann Clemens Binninger (CDU) bezeichnete den Vorgang als unerklärlich und unvorstellbar.

Der Untersuchungsausschuss startete seine heutige Zeugenvernehmung wegen der neuen Entwicklung mit zwei Stunden Verspätung. Zunächst befragten die Abgeordneten Verfassungsschützer aus Hessen zu dem Mord an einem türkischen Internetcafébesitzer 2006 in Kassel. Mindestens zehn Morde sollen auf das Konto des «Nationalsozialistischen Untergrunds» gehen. Der Bundestagsausschuss befasst sich seit Januar mit der Serie von Verbrechen, bei deren Aufklärung es diverse Fehler und Pannen gab.

iwi/news.de/dapd/dpa

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • armie
  • Kommentar 1
  • 12.09.2012 18:49

Irgendwo muss ja eine Informantenliste rumfliegen.Schliesslich muss denen ja Geld gegeben werden.Dann muss der Bundestag einen privaten Witschaftsprüfer nachforschen lassen.Und sie werden finden, was sie suchen.

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