Berlin-Schönefeld BER kostet noch mehr Zeit und Geld

BER, Stuttgart 21 & Co.
Deutschlands Pannenprojekte
Für die Eröffnungsparty des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg, kurz BER, am 3. Juni 2012 war schon alles vorbereitet. Nur vier Wochen vor dem Termin ruderten die Verantwortlichen zurück. (Foto) Zur Fotostrecke

Von Bernd Röder und Nico Esch
Die Farce geht weiter: Berlin-Schönefeld behält seinen Geisterflughafen noch länger. Der Starttermin für den neuen Flughafen muss ein drittes Mal verschoben werden, dieses Mal auf den 27. Oktober 2013.

Nun könnte es doch losgehen. Noch ein paar Bauzäune wegräumen und dann hinein. Das Hauptgebäude des Flughafens Berlin Brandenburg mit dem imposanten Vordach sieht an diesem grauen Septembertag von außen fertig aus. Tags zuvor sind die ersten Flugzeuge auf der neuen Südbahn gelandet - für die Luftfahrtschau ILA in der kommenden Woche allerdings. Denn im Innern des Terminals liegt noch einiges im Argen. Es ist vor allem die komplexe Steuerung der Brandschutzanlage, die den Ingenieuren Kopfzerbrechen bereitet.

Solange das nicht klappt, wird von neuem Flughafen keine Familie in den Urlaub fliegen und keine Geschäftsfrau in eine andere Metropole jetten. Was sich seit einigen Tagen abzeichnete, sollte am Freitag zur Gewissheit werden. Der Starttermin für den neuen Flughafen muss ein drittes Mal verschoben werden, auf den 27. Oktober 2013. Das beschloss der Aufsichtsrat der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB), wie die Nachrichtenagentur dapd aus zuverlässiger Quelle erfuhr. Die Eröffnung verschiebt sich damit um weitere sieben Monate.

Schon um viertel vor acht trifft Klaus Wowereit (SPD) an der Feuerwache Ost des künftigen Flughafens ein. Der Regierende Bürgermeister von Berlin leitet den Aufsichtsrat, zunächst tagen Projekt- und Finanzausschuss. Um zehn kommt der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hinzu, der Vizechef des Kontrollgremiums, das nach Ansicht von Kritikern viel früher hätte erkennen müssen, was da auf der Baustelle alles schiefläuft.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) spricht zwar von «einem massiven Schaden für den Wirtschaftsstandort». Wenn Unternehmen einen Ort für Investitionen auswählten, bekomme Berlin dank des Flughafendebakels nun ein paar Minuspunkte extra, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder. Beziffern lasse sich der Schaden nicht, doch «Berlin muss den Vertrauensverlust mühsam wieder aufarbeiten».

Pro Monat 20 Milllionen Euro extra

Enorm sind die Kosten, die der Flughafenbau zusätzlich verschlingen wird. Die Milliardenkredite müssen länger bedient werden, ohne dass dem Mehreinnahmen gegenüberstehen. Allein die Bauverzögerung kostet pro Monat 20 Millionen Euro. Der Aufsichtsrat hatte schon im August eine Deckungslücke von rund 1,2 Milliarden Euro ausgemacht. Die drei Gesellschafter, der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg, müssen Geld nachschießen.

Für IHK-Präsident Eric Schweitzer ist Flughafenchef Rainer Schwarz ein Mann auf Abruf. «Das Projekt ist zwei, drei Nummern zu groß für ihn», giftet Schweitzer vor der Aufsichtsratssitzung. Seinen Posten werde Schwarz sicherlich vor Eröffnung des Airports los sein.

Schweitzer sieht Wowereit nicht als Schuldigen. Der Aufsichtsratschef sei einfach von der Geschäftsführung schlecht informiert worden. Wowereits politische Konkurrenten, FDP und Grüne, verlangen dagegen neue Köpfe auch im Aufsichtsrat. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn wünscht sich drei zusätzliche Geschäftsführer für den Flughafen, die Schwarz auch in der schwierigen Anfangsphase nach der Eröffnung unterstützen sollen.

Im neuen Besucherzentrum gewinnt man den Eindruck, als sei die Arbeit schon getan. Auf den Schautafeln ist der neue Schönefelder Flughafen in Betrieb. «Sicherheit auf dem neuesten Stand», heißt es dort und: «Ein Flughafen der kurzen Wege und der weitsichtigen Planung.»

wam/news.de/dpa/dapd

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • hpklimbim
  • Kommentar 2
  • 08.09.2012 08:37

Die Staatsanwaltschaft funktioniert doch nur noch dann richtig, wenn Kritik am System der Selbstbediener laut wird, oder sich jemand ungefragt an finanziellen Ressourcen dieses Systems vergreift. Also etwas vorweg gestohlen wird, was zur Verteilung in diesem System bereit stand. Diebe vor Dieben schützen ist die moderne Aufgabe dieser speziellen Sorte Staatsbediensteter. Vielleicht hat Herr Wowereit den Jungs zur moralischen Unterstützung oder als Dank auch noch einen Besuch im Schwulenpuff gesponsort, und den Beamten ist noch das Gehirn vernebelt.

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  • outbur
  • Kommentar 1
  • 07.09.2012 17:54

Was macht eigentlich die Staatsanwaltschaft ? Sind die alle am pennen?

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