Altersarmut Von der Leyen betreibt Flickschusterei

Jeder dritte Deutsche droht künftig bei Renteneintritt in die Grundsicherung abzurutschen. Ursula von der Leyen will das mit einer Zuschussrente verhindern. Doch in der aktuellen Form bedeutet ihr Modell eine Verschlimmbesserung, die Schiffbruch erleiden muss.

Alt unter Palmen: Die beliebtesten Rentnerparadiese

Die Zahlen aus dem Arbeitsministerium sind beängstigend. Wer heute weniger als 2500 Euro brutto verdient und nicht parallel in eine private Altersvorsorge einzahlt, wird bei Renteneintritt ab 2030 in die Grundsicherung abrutschen. Ein Schreckensszenario. Betroffen dürfte davon rund ein Drittel der deutschen Bevölkerung sein. Altersarmut bedroht nicht mehr nur einkommensschwache Schichten, sondern ist mitten in der Gesellschaft angekommen. Millionen von Durchschnittsverdienern müssen sich Sorgen machen.

Um dieses Armutsrisiko zu senken, präsentiert uns Arbeitsministerin Ursula von der Leyen praktischerweise einen Lösungsvorschlag. Zuschussrente lautet das Zauberwort, mit dem die Ministerin des Problems Herr werden möchte. Der Staat greift den weniger gut versorgten Rentnern im Alter unter die Arme. Das klingt erst einmal sinnig. Bei genauerer Betrachtung ist das Modell allerdings eine Verschlimmbesserung, die Schiffbruch erleiden muss.

Ausgerechnet an den eigentlich Bedürftigen zielt die Extrazahlung nämlich komplett vorbei. Erhalten soll diese nur derjenige, der auch privat vorsorgt. Wer aber im Arbeitsleben schon von der Hand in den Mund lebt wird auch künftig kaum Geld übrig haben, um sich zusätzlich abzusichern. Erschwerend hinzu kommen die hohen Hürden, die von der Leyen bei der Beantragung der Zuschusszahlung setzen will. Die Zuschussrente in der jetztigen Form droht zu einer Farce zu werden.

Von wegen altes Eisen: Coole Alte

Ebenfalls völlig ungeklärt ist die Frage, wo die CDU-Politikerin eigentlich das Geld für die Zuschussrente hernehmen möchte. Was auch immer sie plant: Zeitgleich eine Senkung des aktuellen Rentenbeitrags zu forcieren, entbehrt jeglicher Logik. Vielmehr werden diese Pläne als plumpes Wahlkampfgeschenk entlarvt. Was bringen dem Arbeitnehmer jetzt ein paar Euro, wenn er später von Sozialhilfe leben muss?

Nach dem Konflikt um das Betreuungsgeld wird die Zuschussrente so zum nächsten gesamtgesellschaftlichen Krisengebiet der Koalition. Noch stärker als bei der verschrieenen Herdprämie läuft gegen die Extrarente nicht nur die Opposition Sturm. Auch bei den Liberalen und in der eigenen Partei stoßen von der Leyens Pläne auf Ablehnung. Statt weiter Flickschusterei zu betreiben muss sich die Politik endlich um ein zukunftsfähiges Rentensystem bemühen.

ham/news.de

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Leserkommentare (13) Jetzt Artikel kommentieren
  • hpklimbim
  • Kommentar 13
  • 08.09.2012 09:44
Antwort auf Kommentar 12

Es gab schon Zeiten, da wurde ich hier im Forum wegen meiner in K10 vertretenen Meinung angepöbelt. Das hat sich ein bisschen gewandelt, ich habe den Eindruck, dass zunehmend mehr Leute aufwachen. Ausreichend für tatsächliche Veränderungen ist das natürlich noch lange nicht. Und völlig richtig ist auch Ihr Standpunkt, dass im Wesentlichen ein Bevölkerungsteil entschieden gegen jegliche Änderung ist - der der Systemprofiteure, denen man ganz gezielt mit Umverteilungsgaben den Verstand vernebelt.. Ob als Pöstchenbesetzer oder als Berufsfaulenzer und Schmarotzer spielt da keine Rolle.

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  • Hans Christian Berchtold
  • Kommentar 12
  • 07.09.2012 15:10

Zu Kommentar 11: Ich glaube inzwischen auch, das wir nicht das Volk sind, dass sich zur Wehr setzt. Dafür sind wir zu unterschiedlich in Auffassung. Mio, die vom Staat leben, haben keinen Grund.Die Gefärbten und viele andere können o. wollen nicht. Der Rest - ist wohl zu schwach, um eine Änderung herbei zu führen. Bleiben wir zwei nur noch und vielleicht ein paar andere. Es nützt nur, wenn alle, alle eine Wahl mal aussetzen, um die da oben wirklich abzustrafen. Wir sind keine FRanzosen, Italiener oder Spanier oder Griechen, wir sind der, mit der Schlafmütze, der Deutsche MIchel.

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  • hpklimbim
  • Kommentar 11
  • 07.09.2012 07:36
Antwort auf Kommentar 10

Eine Denkzettel ist schon lange überfällig. Nur - mit welchem Politiker und mit welcher Partei? Selbst wenn morgen statt Schwarz/Gelb Rot/Grün an die Mach käme, wird am Tag nach der Wahl genau dort weiter gemacht werden, wo am Tag vor der Wahl aufgehört wurde. Als forlaufend gepflegte Fehlinterpretation des Wählerwillens. Beiispiel Mindestlohn. Alle Ergebnisse bis zum heutigen Tage sind einfach nur kläglich bis erbärmlich. Wer da mit Freude zur Wahl geht, der muss ganz schön pervers sein. Demokratie? Welche???

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