US-Republikaner Hier spricht «Dirty Harry» mit einem Stuhl

US-Wahlkampf
Peinlich, peinlicher, Republikaner

Gelungene Show-Einlage oder peinliche Darbietung eines gealterten Hollywood-Helden? Clint Eastwood hielt eine Rede beim Parteitag der US-Republikaner für deren Kandidaten Mitt Romney.

Hollywood-Flair auf dem Parteitag der US-Republikaner in Tampa, Florida: Am Donnerstagabend (Ortszeit) betrat kein Geringerer als Schauspieler und Regisseur Clint Eastwood die Bühne, um Präsidentschaftskandidat Mitt Romney zu unterstützen. Das anwesende Publikum wurde von dem mehrfachen Oscar-Gewinner mit einer Show-Einlage unterhalten, die nicht nur im Lager des amtierenden Präsidenten Barack Obama für verwirrtes Stirnrunzeln sorgte.

Hollywood-Star Eastwood, der zur Titelmelodie seines Westernklassikers The Good, The Bad And The Ugly die Bühne betrat, wurde vom Publikum mit frenetischem Applaus begrüßt. Der als «Dirty Harry» zur Hollywoodruhm gekommene Mime reagierte darauf trocken: «Spart euch was für Mitt auf!».

Für seine anschließende Ein-Mann-Show sprach der Regisseur von Million Dollar Baby und Die Brücken am Fluss, ohne von einem Manuskript oder Teleprompter abzulesen. Lampenfieber dürfte ein derart versierter Schauspieler inzwischen nicht mehr haben - trotzdem verhaspelte sich Eastwood an vielen Stellen und machte einen unsortierten Eindruck.

Höhepunkt der Rede des Hollywood-Stars: Eastwood wandte sich an einen leeren Stuhl neben dem Rednerpult, auf dem ein imaginärer Barack Obama saß - sehr zur Belustigung der Teilnehmer des Parteitages. «Herr Präsident, wie gehen Sie mit den Versprechen um, die Sie im Wahlkampf gemacht haben ... äh ... die Leute fragen sich schon, äh...» - derart zusammengestammelte Fragen an den leeren Stuhl entlockten dem Publikum trotzdem Lacher.

Markante Sätze wie «Es wird Zeit, dass jemand kommt, der diese Probleme löst» rissen das republikanische Publikum jubelnd von den Sitzen. 23 Millionen arbeitslose US-Amerikaner - für Eastwood «eine beklagenswerte Schande, die man beweinen sollte». Eastwood sprach neben der Arbeitslosigkeit auch Themen wie die US-amerikanische Wirtschaft, den Krieg und Umweltschutz an - offensichtlich gab der leere Stuhl Widerworte, denn Eastwood quittierte selbige mit «Was meinen Sie mit ‹Halt den Mund!›? Ich werde nicht den Mund halten, jetzt bin ich an der Reihe.»

Häme aus der Netzgemeinde

Der Spott der Netzgemeinde ließ erwartungsgemäß nicht lange auf sich warten. «Okay, ich hab's verstanden: Clint wollte seinen neuen Film vorstellen, in dem er einen senilen Achtzigjährigen spielt», twitterte beispielsweise Mark Frost. «Totale. Völlige. Peinlichkeit.» - Mit diesen drei Worten fasste Peter Schorsch das Geschehen auf dem Republikaner-Parteitag zusammen.

Noch während der Rede twitterte the.LIFE Files: «Ich glaube, wir beobachten gerade, wie jemand seinen Verstand verliert. Der arme Kerl redet mit einem leeren Stuhl.» Kurze Zeit später ein weiterer Tweet vom selben Nutzer: «Der leere Obama-Stuhl, mit dem sich Clint Eastwood unterhalten hat, hat bereits seinen eigenen Account mit 22.000 Followern.»

Eastwood ist einer der wenigen Hollywood-Größen, die nach wie vor das republikanische Lager im Wahlkampf unterstützen. Der inzwischen 82-Jährige wurde erst wenige Stunden vor seiner Rede als Gast auf dem Parteitag angekündigt.

Clint Eastwood
Bizarre Rede beim Republikaner-Parteitag
Video: YouTube

loc/ham/news.de/dapd/dpa

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