Sa., 18.05.13

Piratenpartei Vom Shootingstar zum Absturzopfer?

Piratenpartei
Freibeuter auf Kaperfahrt

Juliane ZiegengeistVon news.de-Redakteurin
Die Piraten haben die deutsche Politiklandschaft vor allem eines gemacht: bunter. Niemand hatte vor einem Jahr mit dem Newcomer-Erfolg gerechnet. Doch das Großziel Bundestag scheint zu wanken, das lassen Umfragen vermuten. Piraten-Experte Christoph Bieber beruhigt und kann dem Tief sogar Gutes abgewinnen.

Bei den Landtagswahlen verbuchten die Piraten in den vergangenen Monaten überraschende Erfolge. In gleich vier Landesparlamente (Berlin, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Schleswig-Holstein) zogen sie ein - Rekord für das 2006 gegründete deutsche Exemplar einer europaweit agierenden politischen Bewegung. Wenige Monate später scheint der Erfolgskurs nun ein Ende zu haben: «Piraten im Sinkflug» und «Plötzlich uncool» titeln Medien angesichts ernüchternder Umfragewerte für die junge Partei. Im ZDF-Politbarometer der vergangenen Woche erreichte sie nur sechs Prozent, im April waren es laut Forsa noch 13 Prozent.

«Ich finde das nicht besonders überraschend», kommentiert Piraten-Experte Prof. Christoph Bieber von der Universität Duisburg-Essen die Umfragewerte. «Die Piraten standen vor allem im Vorfeld von Wahlen im Fokus der Öffentlichkeit. Die letzte Wahl liegt nun aber einige Monate zurück. Da ist es nur natürlich, dass eine Partei, die gerade einmal in vier Landesparlamenten vertreten ist, keine allzu große Rolle mehr in der öffentlichen Debatte spielt», erklärt der Politikwissenschaftler. Mit diesem Aufmerksamkeitsverlust gingen auch die aktuellen Prozentzahlen einher, die zu Wahlzeiten und im Zuge des plötzlichen Erfolges ohnehin überzogen gewesen seien.

Dass die Blase der Umfragewerte jetzt platze, sei vielleicht sogar «ein bisschen heilsam», glaubt Bieber. Denn so liefen die Piraten gar nicht erst Gefahr zu glauben, das alles ein Selbstläufer sei, und könnten sich für neue Aufgaben umso besser motivieren. Als nächstes stehen die Landtagswahlen in Niedersachen im Januar 2013. Bieber hält einen ähnlichen Durchmarsch der wahlkampfstarken Piraten wie zuletzt in Nordrhein-Westfalen für durchaus möglich. «Dort haben sie ganz offensichtlich den Anschluss an die jeweiligen Themen gefunden, sonst hätten sie die Wähler vermutlich nicht gewählt. Sie haben nun noch etwas Zeit, das zu wiederholen», sagt er.

Dass die Piraten keine Inhalte hätten, lässt Bieber nicht gelten. Er verweist auf die Website www.kein-programm.de, auf der die Partei ihre Positionspapiere und Wahlprogramme detailliert auflistet. Kritische Stimmen, die die Piraten als profillose Chaospartei bezeichnen, könne er deshalb oft nicht nachvollziehen. «Das Bild wird in der Öffentlichkeit noch oft transportiert. Es ist sicherlich so, dass die Piraten nicht zu allen Themen, die auf bundespolitischer Ebene verhandelt werden, eine fixe Meinung haben. Doch das ist verständlich, und Einträge im Piratenwiki, Initiativen bei LiquidFeedback oder die zahlreichen AGs zeigen, dass daran gearbeitet wird», sagt Bieber.

Politiker-Dresscode
So bunt ist das Parlament

Umfrage hin oder her, auf den Wahlkampf kommt es an

Da sei es auch normal, dass nicht alles reibungslos verlaufe. So machten die Piraten jüngst mit internen Streitereien etwa über das Lebensmodell von Geschäftsführer Johannes Ponader oder den Bundestagsvorstoß von Anke Domscheit-Berg Schlagzeilen. Vom massiven Geldproblem des Polit-Newcomers ganz zu schweigen. Bieber findet: «Viele Probleme und Streiteren sind wenig überraschend, die Partei befindet sich in einer Entwicklungsphase - allerdings macht es sich das Personal bisweilen auch selbst schwer. Für die Medien sind die Piraten als ‹Newcomer› natürlich besonders interessant, zudem spielen sich viele Dinge auch gut einsehbar im Internet ab.»

Dass die Medien nach der Geschichte vom politischen Shootingstar nun die des vermeintlichen Absturzes forcierten, sei daher normal. Da interessiere jede noch so kleine Negativmeldung. Der Experte glaubt aber, dass sich die Partei bis zu den nächsten Wahlen und erst recht in Vorbereitung auf die Bundestagswahl 2013 wieder positiv ins Gespräch bringen und in laufende Kontroversen einschalten wird. Denn auch das werfen Kritiker den Piraten gerne vor: Sie zerfleischen sich lieber selbst, anstatt sich an aktuellen Streitthemen wie Betreuungsgeld oder Beschneidung zu beteiligen.

«Das wäre kontraproduktiv», entgegnet Bieber. «Sie haben genug mit sich selbst zu tun - damit, sich aufzustellen für die Wahlen und inhaltliche Positionen zu entwickeln zu Punkten, die für sie bisher noch nicht so relevant waren. Da muss man sich nicht auch noch den Stress machen und in jeder öffentlichen Debatte präsent sein.» Eine Prognose für den Bund will der Politikwissenschaftler noch nicht abgeben. Von einer linearen Entwicklung auszugehen, davor warnt er allerdings. Wahlergebnisse seien immer von vielen verschiedenen Faktoren abhängig, deshalb taugten weder die bisherigen vier Wahlerfolge noch ein möglicher Sieg in Niedersachsen als Indikator für den Bund.

Alles werde von den Kandidaten und deren Themen abhängen, sagt Bieber. «Der nächste Sommer wird es entscheiden.» Insofern ist das momentane Umfragetief der Piraten mit Vorsicht zu genießen. Auch wenn sie dort scheinbar gefährlich nah an der Fünf-Prozent-Hürde kratzen, bleibt ihnen gut ein Jahr bis zur Bundestagswahl. Und in einem Jahr, das haben insbesondere die Piraten selbst gezeigt, kann viel passieren. Die Großen der Politik tun jedenfalls gut daran, sie weiterhin auf dem Zettel zu haben.

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kls/news.de

Leserkommentare (16) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Oliver
  • Kommentar 16
  • 11.09.2012 10:34
 Antwort auf Kommentar 15

Die Piraten sind alter wein in neuen Schläuchen, warum also sollte die Partei vom kleinen Mann profitieren? Das einzig gute an dieser Partei ist, dass sie den Grünen und den Linken stimmen wegnimmt.

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  • evid
  • Kommentar 15
  • 03.09.2012 23:36
 Antwort auf Kommentar 13

Es gibt eben zwei verschiedene Piraten. Die einen fordern dass bedingungslose Einkommen und die anderen ,die jetzt schon mehr als dieses haben.Die kleinen Leute laufen den Piraten davon.Big Brother is happy .Ein Piratenangriff auf das Establishment wird immer unwahrscheinlicher.

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  • IslamNeinDanke
  • Kommentar 14
  • 03.09.2012 08:53
 Antwort auf Kommentar 13

Erwarten sie denn, dass in einem Orwell'schem Staat wie EUropa oder Deutschland eine Partei entstehen könnte, die wirklich auf die Probleme reagieren kann? Ein Ähnliches Problem mit den Beitragszahlern hatte die Linkspartei auch vor einigen Jahren, aber genau das ist ja das Clientel, indem diese Piraten fischen wollen. Nicht vergessen, alles gute kommt von oben, EUDSSR!

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  • toschi
  • Kommentar 13
  • 02.09.2012 12:50
 

Eine Partei, wo 48 % der Mitglieder noch ihren Vereinsbeitrag schuldig sind Tsss Tsss Tss Wie soll man denen Vertrauen schenken. Die sind sich doch selbst nicht einig , wie man den Karren aus dem Dreck ziehen kann. Was mich in D am meissten ankotzt ist dass keiner an einem Strang zieht. Egal ob Kommunalpolitik , Land oder Bund Jeder Politiker egal welcher Couleur beschäftigt sich hauptsächlich damit seine politischen Widersacher in den Dreck zu ziehen, als gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Echt Ätzend....

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  • Oliver
  • Kommentar 12
  • 02.09.2012 10:43
 Antwort auf Kommentar 10

Nö notwendigen abstand zu alteingessenen haben und Mindestlohn! Aber mit den Piraten kann man einfcah nichts anfangen. Es ist so wie es ist Traue keinem Deutschfeind, der antifa, den Sozialdemokraten oder grünen 68igern ! Die wissen am besten wie sie ihnen ihr Geld abluxen können, mal sehen wann Bezin bei 2EUDSSRO ist. Der Str4ompreis wird auch bald um 20% steigen

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  • little
  • Kommentar 11
  • 02.09.2012 09:04
 Antwort auf Kommentar 4

..Bedingungsloses Grundeinkommen fordern.....und Exportnation bleiben,,,,,geht nur mit Reichen._ und Luxussteuern.....und harter Hand.

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  • cabved
  • Kommentar 10
  • 02.09.2012 08:55
 Antwort auf Kommentar 8

Kein Mannschaft ist besser als ihr Kapitan.Keinen Kurs und keine Autorität..............Meinst du den notwendigen Beamtenabstand ?

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  • Oliver
  • Kommentar 9
  • 01.09.2012 23:06
 Antwort auf Kommentar 8

Na wenigstens haben wir zwei geminsame Standpunkte. Nur wo kann man dass alles in einer Partei finden? Nennen sie mir doch eine Partei!

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  • hpklimbim
  • Kommentar 8
  • 01.09.2012 21:16
 Antwort auf Kommentar 3

Um den von Ihnen und mir gewünschten Status erreichen zu können, müssten die Piraten schnellstmöglich ein Parteiprogramm aufstellen, das z. B. klare Stellung zu wichtigen Fragen wie die des Mindesttohns nimmt, und den notwendigen Abstand zu allem Alteingesessenen halten. Und zu fragwürdigen Kondomexpertinnen aus dem Lehrerberuf und dem Beamtenstand.

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  • blödsinn
  • Kommentar 7
  • 01.09.2012 20:06
 Antwort auf Kommentar 6

Hier die Webseite der Botschaft, mir fehlen einfach die Worte. Ich frage mich wer von den Politikern aus dem Linken Spektrum, denen ja alles Relativ und Egal vorkommt, kann unsere Probleme auf dem Punkt bringen und gleichzeitig Lösungen Präsentieren? http://www.riad.diplo.de/Vertretung/riad/de/Startseite.html

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  • Blödsinn
  • Kommentar 6
  • 01.09.2012 20:03
 

Europas Jugend – eine verlorene Generation Verheerend ist die Massenarbeitslosigkeit der Jugendlichen in zahlreichen Ländern Europas. Allein in Spanien und in Griechenland sind mehr als 50 % der Jugendlichen (Altersgruppe bis 25 Jahre) arbeitslos. Die Antowort unsere Mainstream politiker ist: Deutschland wirbt Fachkräfte in Saudi-Arabien an! Würde ich heute die Piraten wählen, dann würde eine weitere Egalitätspartei und Relativitätspartei Muselmanischen Kolonialismus und Imperialismus auf Kosten der Europäer dulden! Was soll ich mit solchen Weicheiern?

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  • IslamNeinDanke
  • Kommentar 5
  • 01.09.2012 19:52
 Antwort auf Kommentar 3

Sie vergessen auch zu erwähnen,. dass die Piraten eine Religionsfeindliche Partei ist, nach dem Motto eine Religion tickt aus und wir bestrafen dann alle Religionen! Tatsächlich haben diese Leute sich 2007 eher von der Linkspartei und Grünen inspiriert. Diese Partei bringt nichts neues, diese Ideologie ist schon vielfach im bundestag vertreten. Über Probleme diskutieren kann man mit diesen Leuten auch nicht. Vor allem wenn man unangenehme Probleme anspricht, dann wird man eher als Nazi diffamiert. Hoffentlich hält der Innenminister stand. Bei den Piraten brauchen sie einen Anwald zum reden.

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  • grueni
  • Kommentar 4
  • 01.09.2012 19:41
 Antwort auf Kommentar 3

Das glaube ich eher weniger. In kostspielige Forderungen wie kostenloser Nahverkehr oder Bedingungsloses Grundeinkommen fordern sind die gut, aber woher dann das Geld kommen soll oder Wer diese Dienste und Güter bringen soll, diese Anworten bleibt diese Partei schuldig. Auf die gegenwärtige Bedrohungslage haben die nur Allgemeines Geschwafel als Antwort. Auf die Probleme der Eurokriese kein Erkennbares konzept auf die Problematik. Diese Partei ist einfach zu nichts zu gebrauchen und viel zu realitätsfern wie die Grünen übrigens auch, die Probleme durch Grüne haben uns schwer gezeichnet.

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  • Ritchi
  • Kommentar 3
  • 01.09.2012 15:26
 

Unsere Piraten nehmen mittlerweile eine wichtige Funktion ein, indem sie ihre Finger in klaffende Wunden unseres Systems stecken. Ein völlig überzogenes Urheberrecht mit noch überzogenerem Justizverfolgungswahnsinn, ausufernde GEMA-Gebühren, idiotische Geldvernichtung in Solarenergie und Windkraft mit ausufernden Strompreisen, inakzeptabel hohe Preise im öffentlichen Nahverkehr um nur ein paar Themen anzuschneiden. Vielleicht verhelfen Piratengedanken unseren etablierten Politikern sich wieder auf sinnvolle Themen zu konzentrieren - wie vor 40 Jahren, als grüne Themen hoffähig wurden.

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  • Oliver
  • Kommentar 2
  • 01.09.2012 14:05
 

Jetzt übertreiben es die Medien mal wieder! Noch sind die Piraten nicht unter 5%, leider, das einzig gute an dieser Partei ist, dass sie dem grünen Schrecken und der Linkspartei die Stimmen nehmen. Neue Impulse kommen von dieser Partei jedoch nicht, höchstens alter Wein in neuen Schläuchen. Auch hat diese Partei keine Antwort auf das Problem mit unseren Kolonialisten. Sie würden diejenigen, die sich als unsere herren aufspielien überall mitwürsteln lassen!!! Auf dem Wachsenden potentiellen Terrorismus haben sie auch keine aktzeptable Antwort, sie würden einfach alle zu verbrechern erklären.

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  • Mosquit
  • Kommentar 1
  • 01.09.2012 12:10
 

Richtig erkannt.Der Bundevorsitzende aber ist impulsschwach.Er kommt auch nicht richtig rueber mit seinem Hundeblick.

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