Glaeseker vs. Wulff Freundschaft in der Politik - ein Mythos

Betrug und Bestechung
Die spektakulärsten Korruptionsfälle

Juliane ZiegengeistVon news.de-Redakteurin
Christian Wulff und Olaf Glaeseker waren einst enge Vertraute, doch davon scheint nicht viel übrig zu sein. Das ehemalige Erfolgsduo streitet darüber, wer von wessen Gefälligkeiten wusste. Dass beide die Grenze zwischen privat und beruflich zu oft überschritten, steht für die Ermittler so gut wie fest.

Freundschaften haben auf politischem Parkett eine begrenzte Halbwertszeit. War der Mitstreiter gestern noch unersetzlicher Vertrauter, will so mancher Politiker von dieser Allianz am nächsten Tag nichts mehr wissen. So distanzierte sich der ehemalige Bundespräsident und niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff unlängst von seinem einstigen Sprecher Olaf Glaeseker. Laut Spiegel bestritt er in einer Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft Hannover, ein Vertrauensverhältnis zu Glaeseker gehabt und von dessen Klüngeleien im sogenannten Nord-Süd-DialogBeim Nord-Süd-Dialog handelt es sich um eine private Lobby-Veranstaltungsreihe der Länder Niedersachsen und Baden-Württemberg, die von 2007 bis 2009 stattfand. Offiziell diente sie der Imagepflege der beiden Länder und der Kontaktaufnahme mit Unternehmern zur Stärkerung der regionalen Wirtschaft. gewusst zu haben. Eigenverschulden scheint Wulff wie schon beim Korruptionsverdacht gegen ihn selbst nicht zu sehen.

Stattdessen darf er sich über 18.000 Euro mehr im Jahr freuen. Dieses Plus veranschlagt der Haushaltsplan 2013 für die Besoldung aus dem Amt geschiedener Bundespräsidenten, die damit 217.000 Euro beträgt. Auch für nur 20 Monate Amtszeit wie im Falle des Niedersachsen. Für viele dürfte das ein weiteres Ärgernis sein - erst recht vor dem Hintergrund von Wulffs jüngsten Aussagen über seinen Ex-Sprecher. Sie irritieren und wirken beinahe ein wenig von der Welt entrückt, gilt Glaeseker doch bis heute als der Mann, der Wulff zu seinem vormals medienoffenen Strahle- und Saubermann-Image verholfen hat, seinen Aufstieg vom Landespolitiker zum Staatsoberhaupt managte. Ohne ein gewisses Grundvertrauen wäre das wohl kaum möglich gewesen.

Seit Wulffs Wahlsieg in Hannover 2003 hatte ihn Glaeseker als Pressesprecher bis ins Schloss Bellevue begleitet. Als siamesische Zwillinge soll Wullf sich und seinen Berater einmal scherzhaft bezeichnet haben. Manch böse Schlagzeile hielt Glaeseker von Wulff fern, etwa als der sich von seiner ersten Ehefrau trennte - bis, ja bis Wulffs ominöser 500.000-Euro-Privatkredit an die Öffentlichkeit kam und Glaesekers Pressearbeit versagte. Im Dezember 2011, nur zwei Monate vor Wulffs Rücktritt, schied er aus seinem Sprecheramt. Vermutlich auch, weil er selbst wegen angeblicher Gratisurlaube und kostenloser Flüge ins Visier der Ermittler geriet. Das musste zum Bruch führen, denn wo die eigene Politkarriere in Mitleidenschaft gezogen wird, hört die Freundschaft nun einmal auf.

Die Wulff-Affäre
Alles begann mit einem Privatkredit

Konkret betreffen die Vorfwürfe Glaesekers Beziehungen zu dem Partyveranstalter Manfred Schmidt, der den besagten Nord-Süd-Dialog 2007 bis 2009 veranstaltet und dafür Millionen an Sponsorengeldern kassiert hat. Sponsoren, für deren Akquise unter anderem Glaeseker sorgte. Im Gegenzug soll er in Schmidts Ferienhäusern in Spanien und Frankreich kostenlos Urlaub gemacht haben. Zudem, so der Vorwurf weiter, habe Glaeseker mit dem Flughafen Hannover ausgehandelt, dass dieser die Veranstaltungsfläche gratis zur Verfügung stellt. Auch das Eventmanagement der Medizinischen Hochschule Hannover MHH soll mit 44 Studenten als Servicekräfte ausgeholfen haben, ohne dafür bezahlt worden zu sein.

Wulff will nichts gewusst haben

Das ist vor allem deshalb heikel, weil der Nord-Süd-Dialog als private Lobby-Veranstaltung weder organisatorische noch finanzielle Unterstützung vom Land erhalten haben soll. Zumindest in der Theorie. Offenbar war aber insbesondere Glaeseker als Wulffs Sprecher und Staatssekretär in der Staatskanzlei von Niedersachsen aktiv an der Vorbereitung beteiligt, hatte sogar Dienste von Landesbetrieben wie der MHH in Anspruch genommen. Gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Bestechung und Bestechlichkeit, ebenso wie gegen seinen Geschäftspartner und Freund Schmidt. Die Räumlichkeiten beider waren bereits Anfang des Jahres durchsucht und Beweismaterial sichergestellt worden.

Wulff, der selbst bei einem Unternehmerfreund auf Sylt kostenfrei logiert haben soll und sich deshalb wegen Vorteilsnahme verantworten muss, fungiert als Zeuge und will von Glaesekers Machenschaften nichts gewusst haben. Und das, obwohl er Teilnehmer und Schirmherr des Nord-Süd-Dialogs war. Dass Glaeseker dafür Sponsoren angeworben habe, sei ohne seine Kenntnis und gegen seinen Willen geschehen, so Wulff laut Spiegel. Dabei soll der Ex-Ministerpräsident einem Prüfbericht des niedersächsischen Landesrechnungshofes zufolge selbst für sprudelnde Gewinne bei Schmidt gesorgt haben. Auch die Urlaubsreisen Glaesekers, an denen angeblich sogar Wulffs Exfrau und Tochter teilnamen, seien ihm nicht bekannt.

Wer hier wem in den Rücken fällt, ist unklar - genauso unklar wie die Auswirkungen des Streits auf das Verhältnis des ehemaligen Polit-Duos. Wulffs vermeintliche Aussagen wirken jedenfalls umso befremdlicher, wenn man bedenkt, dass er noch am 19. Juni gemeinsam mit Glaeseker und rund 50 anderen Gästen in seinem Haus in Großburgwedel seinen Geburtstag feierte. Nur zehn Tage später sollen die nun publik gewordenen Behauptungen gefallen sein, von denen sich Glaeseker über seinen Anwalt mehr als erstaunt zeigte und ihnen indirekt widersprach. Es ist also durchaus denkbar, dass er und Wulff nach über zwölf Jahren enger politischer Freundschaft künftig nur noch über ihren Rechtsbeistand kommunizieren werden.

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kls/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Klaus
  • Kommentar 3
  • 22.08.2012 10:33

Was soll diese Frage? Welcher Korrupte Politiker in Amt und Würden ist denn schon jemals spürbar bestraft worden? Ich kenne keinen.

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  • Deutscher Steuerzahler
  • Kommentar 2
  • 22.08.2012 01:30

AAAAAAAlso... ich bitte euch Detutsche.... WULFF hat seinen EHRENSOLD wirklich VERDIENT.... ER der POLITVERBRECHER schlechthin war immerhin FAST EINE HALBE AMTSZEIT IM DIENST... da verdient man schon einen EHRENSOLD von 200.000 im Jahr!!!! Die Erhöhung von 18.000 € pro Jahr (Verdient so manch ein hart ARBEITENDER nicht im Jahr) hat unser korrupter, verlogener POLITVERBRECHER doch wirklich verdient.... DEUTSCHE POLITIKER SIND ALLE VERLOGEN UND KORRUPT... naja kurz... MÜLL..... BLUTSAUGER... PARASITEN... ALLE!!!! und OHNE FOLGEN... hey ho... Deutschland... weiter so.... lach....

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  • BernhardR
  • Kommentar 1
  • 21.08.2012 14:08

Das Problem sitzt tiefer. Ein Staat, der einem aus diesen Gründen zurückgetretenen BP soviel Geld zuschanzt, hat insgesamt versagt. Man sieht es bei seinem Nachfolger, dem Bundes-Gauckler: Ein Mann, der mit einer Frau verheiratet ist, und mit einer anderen zusammenlebt, sie als unsere First-Lady hofieren läßt, ist eine unmoralische Instanz. Er wurde aber von Abgeordneten und Politikern gewählt. Was wollen solche Protagonisten nun von einem einzelnen Politiker erwarten? Vermutlich sind viele nicht besser. Es ist dann nur Zufall, wer von den Medien bei seinen Untaten enttarnt und enttront wird.

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