Pussy-Riot-Urteil «Das Land kehrt zu Stalins Gulags zurück»

Frauenprotest
Blanker Busen gegen Missstände
Sympathie mit der russischen Punkband «Pussy Riot» zeigen die Demonstrantinnen von Femen, die mit blankem Busen auf Missstände aufmerksam machen. (Foto) Zur Fotostrecke

Das Urteil gegen Pussy Riot lässt in Russland alle Alarmglocken schrillen. Kremlchef Putin walze jeden Widerstand kompromisslos nieder, warnen Kritiker. Es droht eine Spaltung der Gesellschaft.

Wladimir Putin lotet mit dem harten Urteil gegen drei junge Frauen der Punkband Pussy Riot seine Grenzen aus. Auf die russische Gesellschaft komme nun ein «Toleranztest für die Tyrannei» zu, kommentiert die kremlkritische Internetzeitung gazeta.ru am Samstag. Wie weit kann Russlands starker Mann gehen, wie viel Spielraum wird akzeptiert? Bürgerrechtler sind sicher: Falls die Bevölkerung das Urteil hinnimmt, kann Putin seine Gegner nach Lust und Laune schikanieren und mit Haftstrafen verfolgen lassen.

Das Urteil von je zwei Jahren Lagerhaft gegen die Aktivistinnen nach ihrem knapp einmütigen Punkgebet gegen Putin in einer Kirche gilt deshalb als scharfes Signal des Kremlchefs an seine Gegner. Motto: Wer nicht für mich ist, wird weggeräumt. «Das Land kehrt endgültig zu Stalins Gulags zurück», warnt der Parlamentsabgeordnete Gennadi Gudkow, der bereits selbst im Visier der Führung ist. Bürgerrechtler befürchten weitere Repressionen, von «Inquisition» ist die Rede.

Schlampenmarsch
Frauenprotest gegen Vorurteile
Brasilia (Foto) Zur Fotostrecke

Mit dem Schuldspruch für Pussy Riot nehme der Kreml für alle Kritik der vergangenen Monate Rache, schreibt gazeta.ru. Seit den historischen Straßenprotesten Zehntausender nach der Parlamentswahl am 4. Dezember 2011 hat Putin bereits die Daumenschrauben angezogen. Die von der Kremlpartei Geeintes Russland dominierte Staatsduma winkte neue, schärfere Gesetze so schnell durch, dass die Opposition kaum mit dem Protest nachkam. Nachdem eine Kundgebung gegen Putin am Abend vor dessen Rückkehr in den Kreml am 7. Mai eskalierte, sitzt gut ein Dutzend junger Menschen hinter Gittern. Ihnen drohen langjährige Strafen.

Das Urteil im weltweit beachteten Prozess gegen die jungen Frauen aber gilt als vorläufiger Höhepunkt. «Die Macht stellt sich taub», kommentiert Pussy-Riot-Anwalt Mark Fejgin. Er will das Urteil anfechten, notfalls vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Ob das Urteil in Russland in der nächsten Instanz noch geändert wird, hängt nach Ansicht von Beobachtern allein vom starken Mann ab. Kritikern schwant Übles. «Die schlechte Nachricht ist, dass wir als Präsidenten einen Mann haben, der nicht von den Interessen seines Landes, sondern von seinen Impulsen geleitet wird, von Rache», sagt der Galerist Marat Gelman.

Empörung im Ausland
Zwei Jahre Lagerhaft für Pussy Riot
Video: afp

Nun befürchten viele Experten, dass die Spaltung in der Gesellschaft weiter zunehmen wird. «Diese ungerechte Entscheidung wird dazu führen, dass sich die Menschen umso fester um die politischen Gefangenen scharen», meint der Blogger Alexej Nawalny, einer der führenden Putin-Gegner. Und auch Pussy Riot will offenbar die weltweite Aufmerksamkeit nutzen. In einem neuen Lied fordern die Mitglieder, die weiter in Freiheit sind, eine Revolution gegen Putin. «Das Land geht auf die Straße mit Mut/ Das Land sagt dem Regime Auf Wiedersehen», singen die Frauen.

Doch eine Revolution muss Putin - nach wie vor der beliebteste Politiker im Land - noch lange nicht fürchten. Er kann weiter auf die Unterstützung der Sicherheitskräfte setzen, die er mit großzügigen Gehaltszusagen an sich bindet, sowie auf das Gros der konservativ geprägten Gesellschaft.

Hinzu kommt, dass vor allem außerhalb der Metropolen Moskau und St. Petersburg für die meisten Bürger das Staatsfernsehen die einzige Informationsquelle ist, das den Namen Pussy Riot oft nur mit Verachtung ausspricht. Auch deshalb halten sich Anhänger und Gegner einer harten Strafe für Pussy Riot in Umfragen die Waage.

Wladimir Putin
Ein Mann setzt sich in Szene
Willkommen in der Welt von Wladimir Putin. Der russische Präsident zeigt, dass er mehr kann als regierender Schlipsträger zu sein. Hier reitet er oberkörperfrei durch die sibirische Taiga. (Foto) Zur Fotostrecke

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rut/news.de/dpa

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • anger
  • Kommentar 3
  • 24.08.2012 23:33
Antwort auf Kommentar 2

Sind ja beide "reine Lupen-Demokraten"...Schauen Sie der P.-Matrjoschka tief in die Augen und Sie erkennen im Hintergrund ungefärbtes Haar. Schr. hat bei P. schon "GAZ" geschnüffelt bevor er von PROM bezahlt wurde.

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  • Pjotr Panowitsch
  • Kommentar 2
  • 24.08.2012 03:23

Putin ist nicht besser als Assad - die interessiert nur Macht und zwar die eigene. Für mich untragbar - weder als Staatsmann noch als Persönlichkeit, aber was soll´s - wir können es nicht ändern. Mir tut nur das russische Volk leid - dem ging es noch nie wirklich gut. ... und so was bezeichnet "unser" Herr Schroeder als Freund ...

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  • Adolar
  • Kommentar 1
  • 19.08.2012 08:37

Ich darf also davon ausgehen,daß der Verfasser dieses abfälligen Artikels im strikten Gegensatze zu der vom russischen Staatsfernsehen verblödeten Landbevölkerung den Namen "Mösen Randale" nur mit Hochachtung ausspricht? Und selbstverständlich lehnt er auch das russische Veto im UNO-Sicherheitsrat im Bezuge auf Syrien aufs schärfste ab? Dann weiß man wenigstens woher der antirussische Wind weht der zur Zeit in den hiesigen Blättern rauscht!

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