US-Wahlkampf Romney umgarnt Obama-Wählerinnen

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Von Beth Fouhy
Inmitten giftiger Attacken gegen Barack Obama setzt Präsidentschaftskandidat Mitt Romney bei der Wahlwerbung auf sanftes Einschmeicheln. Damit will der Obama-Herausforderer vor allem Wechselwähler erreichen.

Mag der US-Wahlkampf auch immer giftiger werden, den Wechselwählern und vor allem den Frauen unter ihnen kommen die Republikaner in ihren Werbespots auf die sanfte Tour. Geradezu verständnisvoll sprechen sie desillusionierte Wähler von Präsident Barack Obama an und versuchen, sie für seinen Herausforderer Mitt Romney zu gewinnen. Ohne auf Obama persönlich herumzuhacken, thematisieren sie Reuegefühle und enttäuschte Hoffnungen und versichern, es sei ok, sich diesmal anders zu entscheiden.

Fast die ganzen 100 Millionen Dollar (rund 80 Millionen Euro), die Romney und seine Unterstützer für Fernsehspots bislang in den hart umkämpften US-Staaten ausgaben, galten dieser einen Gruppe: Wechselwähler, die Obama persönlich mögen, aber enttäuscht sind von dem, was er im Amt zustande bringt. Mit gutem Zureden versuchen die Republikaner, ihnen Romney nahezulegen, ohne ihre Wahlentscheidung von 2008 zu kritisieren.

«Man muss diese Wähler so ansprechen, dass man ihr früheres Stimmverhalten respektiert, aber sie in eine neue Richtung lotst», erklärt Jonathan Collegio. Er ist Sprecher der Romney-Unterstützergruppen American Crossroads und Crossroads GPS, die zusammen bislang 34 Millionen Dollar in Wahlwerbung gesteckt haben. «Wenn die Werbung im Ton zu scharf gehalten ist, könnten diese Wähler abgestoßen werden und weghören.»

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Das Obama-Lager schlägt zurück

Obama-Wahlkampfsprecherin Jen Psaki hält gar nichts von diesem besonders auf Wählerinnen zielenden Schmusekurs und glaubt, dass er ins Leere laufen wird. «Keine Wahlwerbung kann Mitt Romneys aus allen Fugen geratene Positionen zu Themen ändern, die Millionen Frauen im ganzen Land wichtig sind», sagt Psaki. Sie verweist darauf, dass Romney Sparpläne seines Vizepräsidentschaftskandidaten Paul Ryan unterstützt, die Kürzungen von Programmen wie der Bildungsförderung benachteiligter Jugendlicher bedeuten würden.

Obamas Lager schlägt zurück und versucht die republikanischen Avancen an die unentschlossenen Wähler mit eine Kampagne abzufangen, die Romney als unsensiblen Plutokraten darzustellen, dessen Politik der Mittelschicht schaden würde. In einigen Spots trat der Präsident selbst auf und sprach mit vertrauenerweckender Stimme in die Kamera, wie um unentschlossene Wähler daran zu erinnern, was ihnen an ihm gefallen hatte. «Sie haben die Wahl. Nicht bloß zwischen zwei Parteien oder zwei Leuten. Es ist eine Wahl zwischen zwei sehr verschiedenen Plänen für unser Land», sagt Obama da.

Sicher, die Republikaner kritisieren scharf, wie Obama mit Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit umgeht, verzichten aber weitgehend auf persönliche Angriffe. Das wäre angesichts seines Naturells und seines familiären Hintergrunds auch nicht so einfach, wie Collegio einräumt. Crossroads und andere Gruppen erkennen in ihrer Werbung zuweilen gar den Stolz an, den viele heute enttäuschte Obama-Wähler empfanden, als sie vor vier Jahren ihre Stimme abgaben.

«Ich war ein großer Obama-Anhänger»

In einer «Meine Kaufreue» betitelten Kampagne jüdischer Republikaner kommt der Demokrat Michael Goldstein zu Wort, der seinerzeit für Obama Spenden sammelte. «Ich war ein großer Obama-Anhänger. Ich habe wirklich an ihn geglaubt und an das, wofür er stand», sagt er. Doch wegen der Wirtschaftslage und Obamas Israel-Politik habe seine Begeisterung nachgelassen. «»Ich habe noch nie für einen Republikaner als Präsidenten gestimmt, aber dieses Mal werde ich für einen Republikaner als Präsidenten stimmen.«

Gezielt an Frauen ist eine andere Werbung ausgerichtet, in der sich eine alleinerziehende Mutter um ihre spätere Rente und die Beschäftigungschancen ihrer beiden Kinder sorgt: «Ich habe Präsident Obama unterstützt, weil er so schön gesprochen hat. Er versprach Wandel, aber die Dinge haben sich zum Schlechteren gewandelt.»

Einen der unaufgeregtesten Werbespots hat das Republican National Committee (RNC) finanziert, das Organisationsgremium der Partei. Er zeigt, wie Obama im Kreis seiner Familie den Amtseid ablegt. «Präsident Obama kam mit großen Plänen ins Weiße Haus», heißt es dazu; dann werden seine Versprechen aufgelistet wie Abbau der Arbeitslosigkeit und Halbierung des Haushaltsdefizits. «Er hat es versucht, Sie haben es versucht. Es ist ok, etwas anders zu machen.»

Den Republikanern zufolge kommt diese Werbung besonders gut bei Frauen an, der Wählergruppe, auf die auch Obama baut. »Sie finden ihn persönlich gut, aber sie finden nicht, dass er seine Aufgabe erledigt hat«, meint RNC-Sprecher Sean Spicer. Statt einen Wir-gegen-die-Ton anzuschlagen, laute die Botschaft hier: «Das betrifft uns alle.»

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wam/news.de/dapd

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