Vermögensabgabe Geht's den Reichen an den Kragen?

Opposition, Gewerkschaften und Sozialverbände: Alle wollen in der Krise Deutschlands Vermögende zur Kasse bitten. Wie teuer wird es für die Reichen wirklich, wenn es nach dem Willen von SPD, Grünen oder Linke geht?

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Katja Kipping dürfte mit ihrer Prognose nicht allzu falsch liegen. «Die Reichensteuer wird Wahlkampfthema», hatte die Vorsitzende der Linken Anfang der Woche in einem Interview mit der WAZ prophezeit. Weit aus dem Fenster lehnen musste sich Kipping dabei nicht. Eher schon war es ein plumper Annäherungsversuch an die Sozialdemokraten. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hatte unmittelbar zuvor zu mehr «sozialem Patriotismus» aufgerufen.

Der Flirtversuch scheiterte fürs erste, die Reichensteuer aber bleibt mehr als ein Sommerloch-Thema. Nur wenige Tage vorher hatte ein Bündnis aus Sozialverbänden, Gewerkschaften und weiteren Organisationen medienträchtig für eine Besteuerung von Reichtum geworben. Gabriel sprang auf diesen Zug auf - zum Ärger der Regierungsparteien.

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Wie kaum anders zu erwarten, lehnt die Koalition die Reichensteuer dagegen als populistisches Wahlkampfthema ab. Von einem «Programm zur Bekämpfung der Leistungsbereitschaft», einem «Griff in die Mottenkiste» und «Neidkomplexen» war in den Reaktionen auf Gabriels Vorstoß die Rede. Doch auch CDU, CSU und FDP werden sich wohl oder übel mit der diskutierten Abgabe auseinandersetzen müssen, ziehen doch alle Oppositionsparteien mit einer Reichensteuer in den Wahlkampf.

Linke will 75-Prozent-Reichensteuer

Doch Reichensteuer ist dabei noch lange nicht Reichensteuer. Die Ansätze von SPD, Grünen und Linke zur Vermögensabgabe weisen zum Teil deutliche Unterschiede auf. Während Sozialdemokraten und Grüne den Spitzensteuersatz auf 49 Prozent heben wollen, plant die Linke, in Anlehnung an Francois Hollandes Pläne in Frankreich, eine 75-Prozent-Steuer. News.de hat die Kernelemente der drei Oppositionsparteien zusammengefasst.

SPD: Der Spitzensteuersatz soll von 42 auf 49 Prozent steigen - aber erst ab einem Jahreseinkommen von 100.000 Euro für Ledige (bisher rund 53.000) und 200.000 Euro für Verheiratete. Die 1996 abgeschaffte Vermögensteuer soll mit hohen Freibeträgen wieder eingeführt werden. Die Abgeltungssteuer für private Kapitaleinkünfte (Zinsen, Dividenden, Wertpapiere) will man von 25 auf 32 Prozent anheben. Bringt das nicht die erhofften Einnahmen, will die SPD zur alten Regelung zurückkehren, nach der Kapitalerträge wie Einkommen dem gleichen Steuersatz unterliegen.

Grüne: Der Spitzensteuersatz soll für Einkommen schon ab 80.000 Euro auf 49 Prozent steigen. Besitzer eines Privatvermögens von über einer Million Euro sollen befristet eine Abgabe von 1,5 Prozent zahlen. Dies soll über zehn Jahre 100 Milliarden Euro erbringen.

Linke: Sie fordert seit kurzem eine «75-Prozent-Reichensteuer» für Einkommen von über einer Million Euro jährlich (entsprechend den Ankündigungen der neuen französischen Links-Regierung im Wahlkampf). Zudem soll auf private Millionenvermögen eine Steuer in Höhe von jährlich fünf Prozent erhoben werden. Auch die Erbschaftssteuer auf große Vermögen will man deutlich anheben.

zij/news.de/dpa

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Leserkommentare (36) Jetzt Artikel kommentieren
  • peter
  • Kommentar 36
  • 18.08.2012 19:46
Antwort auf Kommentar 1

Richtig, wer auf früheren Staatsbetriebe wie telekom ,Post und andere Betriebe nur Milliarden verluste gemacht hatte kann nur faul sein. Die dummen sparen und die schlauen geben Geld aus was sie nicht haben

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  • BRD Bananen-Republik-Deppenabzocke
  • Kommentar 35
  • 15.08.2012 09:04

Unsere 3 Kinder gehen nach dem Studium raus aus Dtld.; zuviel Staat - zu wenig Selbstbestimmung. Sie wollen für eigene Firmen keine GEZ/IHK/HWK-Abzocke bezahlen. Ausgaben streichen - Fachkräftemangel = HartzIV befristen; Sarrazins Reformen durchsetzen = Sozialleistungen für Ausländer komplett streichen, Auch für Beamte Rentenreform durchführen und Pensionen radikal senken; kein Geld für korrupte Politiker = Türken-Wulff; kein Geld für den Euro, keine Entwicklungshilfe = Arbeiten statt 5 x mit den Muezzin jaulen. Politiker haften für ihre Politiker z.B. für Kosten von Multi-Kulti, Euro und co

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  • hector
  • Kommentar 34
  • 14.08.2012 11:42

Eine Vermögenssteuer halte ich für richtig, aber nicht so wie es rot-rot-grün plant. Die Forderung der Linken ist sowieso ein Irrwitz. Die Anhebung des Spitzensteuersatzes nutzt wenig. Es muss eine Gesamtermittlung des Vermögens her, denn Reiche erben, heiraten naturlich ebenso reiche Partner und verdoppeln damit ihr Vermögen, Gutverdiener heiraten Gutverdiener, die ebenso gut verdienen und verdoppeln ihren Verdienst. Dies alles vererben sie wieder ihren Kindern, die es genauso handhaben. Wo das Geld da ist, da leiste man sich auch Eliteschulen, damit man niemals in Not kommt. Die V-Steuer muss entgegen der grünen Vorstellung dauerhaft und kontinuierlich sein.

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