Syrien Regime startet Offensive in Aleppo

Bürgerkrieg in Syrien
Armee rückt nach Aleppo vor
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Aktivisten sprechen von den schwersten Kämpfen seit Beginn der Revolte in Syrien vor 16 Monaten. Die Rebellen leisten heftigen Widerstand. Assad-Truppen spannen Kurden für sich ein. Auch eine von der Türkei als Terrororganisation gejagte Gruppe ist aktiv.

Trotz heftiger Kämpfe ist die Offensive der syrischen Regierungstruppen gegen Aufständische in Aleppo am Sonntag nicht vorangekommen. «Unsere Positionen sind unverändert», sagte der Rebellenkommandeur Abu Omar al-Halebi der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Angriffe der Truppen von Präsident Baschar al-Assad konzentrierten sich auf den Zugang zum südwestlichen Randbezirk Salaheddin, einer Hochburg der aufständischen Freien Syrischen Armee (FSA). Ein entscheidender Vorstoß sei ihnen aber bislang nicht gelungen, sagte al-Halebi.

Die Regierungstruppen hatten am Vortag mit ihrer seit Tagen erwarteten Offensive in Aleppo begonnen. Unterstützt von Kampfjets, Hubschraubern und schwerer Artillerie waren Panzer und Soldaten gegen die FSA-Stellungen vorgerückt. Die FSA-Kämpfer schlugen die Attacken nach eigenen Angaben zurück. Die Aufständischen hätten dabei auch fünf Panzer der Angreifer zerstört, so al-Halebi. Die Informationen lassen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen, weil die Medien in Syrien nur sehr eingeschränkt arbeiten können.

Gefechte wurden auch aus anderen, von der FSA beherrschten Stadtteilen gemeldet. Aus Al-Sukkari flohen die Bewohner nach dem Einschlag von Artilleriegranaten. Der Vorsitzende des oppositionellen Syrischen Nationalrats (SNC), Abdel Baset Seida, warnte indessen vor einem möglichen Massaker der Regimekräfte in Aleppo. «Die internationale Gemeinschaft wird die Verantwortung dafür tragen, wenn es passiert», sagte der Exil-Politiker am späten Samstagabend auf einer Pressekonferenz in Abu Dhabi.

Syrien-Konflikt
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Regierungstruppen starten am 28. Juli 2012 eine Großoffensive gegen die Rebellen in der Metropole Aleppo. (Foto) Zur Fotostrecke

Annan und Hollande fordern schnelles Handeln der UN

Kofi Annan zeigte sich am Samstagabend besorgt angesichts der «bevorstehenden Schlacht» und mahnte bei der Weltgemeinschaft ein gemeinsames Vorgehen im Syrien-Konflikt an. Dabei gelte es, die verfeindeten Parteien davon zu überzeugen, «dass nur ein politischer Übergang, der zu einem politischen Abkommen führt, die Krise überwinden und dem syrischen Volk Frieden bringen kann».

Der Syrien-Sondervermittler appellierte an die Konfliktparteien sich an das «Humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte» zu halten. In einer in Genf veröffentlichten Erklärung forderte er sie auf, «sich zurückzuhalten und jedes weitere Blutvergießen zu verhindern».

Auch der französische Präsident François Hollande forderte ein schnelles Handeln der internationalen Gemeinschaft. «Die Rolle des UN-Sicherheitsrates ist, so schnell wie möglich einzugreifen», sagte er am Samstag in Südwestfrankreich. Es sei nicht zu spät, doch jeder Tag, der vergeht, bringt Repressionen, Aufstände und Massaker mit sich, erklärte Hollande laut der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Mindestens 33 Tote in Aleppo, 160 landesweit

Aktivisten sprechen von den schwersten Kämpfen seit Beginn der Revolte in Syrien im März 2011. Das staatliche syrische Fernsehen sprach von einer großangelegten «Operation zur Säuberung Aleppos von bewaffneten terroristischen Gruppen». Nach Angaben der oppositionellen Lokalen Koordinierungskomitees starben Aleppo allein am Samstag mindestens 33 Menschen.

Landesweit seien 160 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch mehr als 20 Kinder. Besonders hoch sei die Zahl der Opfer in der Hauptstadt Damaskus und ihren Vororten gewesen, wo 37 Menschen getötet worden seien. Gefechte gab es demnach auch in den Provinzen Homs, Hama, Daraa und Latakia.

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Baschar al-Assad ist seit 2000 Präsident von Syrien. Statt demokratischer Öffnung erfolgte kurz nach seinem Amtsantritt eine Zentralisierung der Macht. (Foto) Zur Fotostrecke

FSA-Kommandos waren vor etwas mehr als einer Woche erstmals in Aleppo eingerückt und hatten mehrere Stadtbezirke unter ihre Kontrolle gebracht. Die Millionenstadt und Geschäftsmetropole ist nur 50 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Wegen der strategischen Bedeutung der Großstadt liegt dem Regime in Damaskus viel daran, die Rebellen von dort zu vertreiben. Zumal die Kämpfe auch auf den benachbarten, ohnehin instabilen Libanon ausstrahlen. In der nördlichen Küstenstadt Tripoli stießen Anhänger und Gegner des syrischen Regimes zusammen.

Kurden unterstützen Assad-Truppen

Die in Syrien seit Jahrzehnten unterdrückten Kurden erlangen derweil ungeahnte Freiheiten. Denn unter dem Druck des Aufstands zieht die Führung um Assad Truppen aus dem Kurdengebiet in die Kampfzonen ab. Nach Medienberichten fallen die syrischen Kurden nun teilweise unter den Einfluss der in der benachbarten Türkei aktiven Guerillatruppe der PKK, die von der Türkei als Terrororganisation bekämpft wird.

Verschiedene Kurdenorganisationen hätten sich geeinigt, gemeinsam mit Assad über einen Kurdenstaat in Nordsyrien zu verhandeln. Darunter sei auch die PKK, berichtete das Magazin Focus. Im Grenzort Al-Kamischli werde eine «Regionalregierung von Nordsyrien-Kurdistan» eingesetzt, sagte der Präsident der syrisch-kurdischen Nationalversammlung, Scherkoh Abbas, dem Blatt.

In Teilen Nordsyriens hat die PKK nach Angaben der syrischen Partei Kurdische Zukunftsbewegung bereits die Kontrolle übernommen. Er befürchte daher Spannungen im syrisch-türkischen Grenzgebiet, sagte Siamend Hajo, Europasprecher der Zukunftsbewegung, am Samstag im Deutschlandradio Kultur. Kurdische Milizen hätten in einigen Städten die Aufgaben der Sicherheitskräfte übernommen, sagte der in Deutschland lebende Politologe. Die nun in den syrischen Kurdengebieten auftretende PYD-Miliz sei «die syrische Zweigstelle der PKK», sagte er.

zij/news.de/dpa

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • Adolar
  • Kommentar 6
  • 29.07.2012 19:25
Antwort auf Kommentar 5

Ein besonders gescheiter Kommentar der das Problem der USraelischen Eroberungslüste im Nahen Osten ausgezeichnet beleuchtet,denn wenn sich jemand in Europa gegen diese perverse Lügenpolitik stellt wird ihm gleich mit der Nazikeule eine übergebraten und dies dürfte bei den meisten wohl reichen.Nun,da ja heutezutage schon Juden wie Finkelstein,Shahak,Friedmann(nein nicht der Koksermichl!) und viele andere als Antisemiten verunglimpft nur weil sie sich gegen die Politik der Zionisten stellen muß es ein deutscher Mensch auch ertragen können in dieser Sache blöd angemacht zu werden.Sehr geistreich!

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  • cuvo
  • Kommentar 5
  • 29.07.2012 16:21
Antwort auf Kommentar 4

Lieber Adolar, was eine Kippa ist, musste ich erstmal nachschlagen. Danach halte ich Deine Wortwahl für eine, die die Seelen von Menschen vergiftet und deren Entsprechung im "Stürmer" der Nazizeit heute in Deutschland zu verwenden eine Straftat ist. Und zwar, weil wir hier die Erfahrung haben, dass es so ist, wohin es Menschen bringt (Auschwitz-Birkenau usw.) und was für Folgen das für alle hat, die sich nicht rechtzeitig von solchen Hetzern distanzieren.

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  • Adolar
  • Kommentar 4
  • 29.07.2012 15:17

Daß Syrien selbstverständlich ein Recht hat sich gegen den vom Westen hineingetragenen Terrorismus zu wehren geht in dem Anti-Assad-Gegeifer völlig unter,und auch daß die Chinsen und Russen nur deshalb internationale Militäreinsätze dort blockieren!Sonst sind sie die nächsten Opfer dieser Verrückten!Was zahlt denn eigentlich der Liberschmock für so dumme Hasbara-Artikel "deutscher" Medien?Wenn sich einer nur die USraelische Propaganda reinzieht dann hört man das so richtig an den Blähungen des hohlen Kopfes.Vielleicht solltest ihr mal die Kippa abnehmen damit frische Luft an den Kopf kommt?

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