Euro-Krise Reißt uns Europa mit in den Abgrund?

Schuldenkrise
Der Euro in Not

Von news.de-Redakteur Martin Walter
Fünf vor Zwölf: Deutschland galt lange Zeit als Fels in der Brandung. Doch inmitten kriselnder Euro-Staaten mehren sich die Anzeichen, dass auch uns die Kraft ausgeht. Kanzlerin Angela Merkel bleibt dennoch bei ihrem Mantra.

Die Einschläge, sie häufen sich. Täglich explodieren in den Medien neue Negativ-«Bomben», die Situation in Europa wird offenkundig zunehmend dramatischer. Allein Moody's sorgte in dieser Woche gleich für mehrere Hiobsbotschaften. Nach dem Warnschuss für die Bundesrepublik zog die Ratingagentur aus den USA die Bonität mehrerer Bundesländer und des Euro-Rettungsschirms ESFS in Zweifel. Die Krise hat auch Deutschland erreicht, so lautete die unterschwellige Botschaft.

Bisher war das Land, das dank seiner boomenden Wirtschaft derzeit den halben Kontinent mit sich zu ziehen scheint, von den zahlreichen Brandherden in Europa verschont geblieben. Die Europäische Krise war für die meisten Deutschen etwas abstraktes und nur durch die Medien zu fassen. Doch jetzt mehren sich auch hierzulande die Symptome, welche die Krise womöglich bald spürbar machen. Immer offensichtlicher wird: Die Kraft eines Landes reicht nicht aus, um Europa zu retten, eher geht es wohl selbst mit unter.

Fünf vor Zwölf oder schon darüber hinaus?

Wie kurz Europa vorm Abgrund steht, wollte eine Gruppe von Wirtschaftsexperten Mitte der Woche mit einem flammenden Appell verdeutlichen. «Europa steuert schlafwandelnd auf eine Katastrophe von unabsehbaren Ausmaßen zu», hieß es in dem Aufruf von 17 internationaler Ökonomen, darunter die beiden Wirtschaftsweisen Lars Feld und Peter Bofinger. Sie fordern darin unter anderem ein Beseitigen der Konstruktionsfehler der Währungsunion und pochen auf einen geordneten Abwicklungsmechanismus für den Austritt von Staaten.

Griechenland ist dafür ein ganz heißer erster Kandidat. Zu Beginn der Woche häuften sich die Anzeichen, dass ein Bankrott des Hellenen-Staats kaum noch zu verhindern sei. Neue Milliarden-Gelder würden benötigt, zu denen sich die Geberländer nicht mehr bereit erklären wollen. Die anstehende Kontroll-Visite der Troika und eine umstrittene Äußerung von Finanzminister Philipp Rösler schürten die Ängste und jagten die Börsenkurse auf eine neuerliche Talfahrt. Kosten-Prognosen, was ein griechischer Austritt die Bundesrepublik kosten würde, machten bereits die Runde; Philipp Rösler wurde aus der Opposition mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Europas Schicksalsuhr, sie schien auf Zwei statt auf Fünf vor Zwölf zu stehen.

Doch Mitte der Woche stieg das europäische Stimmungsbarometer wieder. Vor allem EZB-Boss Mario Draghi sorgte mit seiner Ankündigung weiterer Unterstützung für die Krisenstaaten für hörbares Luftholen an den Finanzmärkten. «Die EZB wird alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten», so der EZB-Chef. Auch der Besuch von EU-Präsident Manuel Barroso in Griechenland stimmte optimistisch. Die Ankündigung der Griechen, noch härtere Sparmaßnahmen umzusetzen, sowieso. Die Uhr springt von Zwei noch einmal auf Fünf vor Zwölf zurück. Doch wieviele Stunden und Tage steht der Sekundenzeiger still?

Merkel und ihr Mantra

Angela Merkel bleibt trotz aller Untergangsszenarien ihrer Linie treu. Jeden Tag aufs Neue verteidigt sie ihr Mantra gegen die pessimistisch stimmenden Einschätzungen von Experten und Politikern: Griechenland steht trotz aller Milliarden vor der Pleite und muss vielleicht die Eurozone verlassen, Spanien muss womöglich ganz unter den Euro-Rettungsschirm EFSF; wenn Spanien fällt, folgt Italien und dann ist auch Frankreich in Gefahr. Dafür reicht der EFSF keinesfalls. Und die Zukunft des ESM ist noch ungewiss. Am Ende könnte auch Deutschland mit abstürzen.

So weit muss es nicht kommen. Dass Deutschland von der Krise aber zumindest bald tangiert wird, dafür sprechen die Konjunkturprognosen sämtlicher Institute. Die kommende Woche verkündeten Arbeitslosenzahlen für Juli werden ebenfalls wieder leicht nach oben gehen. Im Vergleich zu vielen europäischen Nachbarn aber auf einem traumhaft niedrigen Stand. Wie nahe der Zeiger in Deutschland der Zwölf schon steht, lässt sich nur erraten.

zij/news.de/dpa

Leserkommentare (26) Jetzt Artikel kommentieren
  • Siegmund Lingrön
  • Kommentar 26
  • 23.08.2012 17:42

Bitte schimpft nicht auf die Völker Griechenlands ,italiens usw. Politiker ,Wirtschaft und Banken sind die schuldigen. Proletarier aller Länder vereinigt Euch und tretet den in den Allerwertesten. Europa in Frieden und Freiheit (das hatte ich damals gewählt) so lange bis es wirklich zusammengewachsen ist,dann könnte mann über eine Währung nachdenken.!

Kommentar melden
  • Siegmund Lingrön
  • Kommentar 25
  • 23.08.2012 17:30

Ich bin in einer Demokratie aufgewachsen und ich war stolz drauf,aber um so älter ich werde um so mehr verliere ich den glaube daran. Vieleicht sollte mann nicht nur alle 4 Jahre wählen,sondern auch die in dieser Politik tätigen alle 4 Jahre komplett austauschen damit sich kein Filz bilden kann .

Kommentar melden
  • Siegmund Lingrön
  • Kommentar 24
  • 23.08.2012 17:24

Deutsche haben keinen Euro gewählt der wurde uns aufgezwungen ,alle anderen haben schon gewählt. Kann mir einer erklären was sich da unsere politsche Führung gedacht hat. Oder sind das nur noch ferngesteuerte Marionetten ? Wir müssen von diesem parasitären Geschmeiß endlich befreit werden,aber wie ? Eine Art französische Revolution,alle Köpfe runter das normale wieder nachwachsen ?

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
Umfrage
Hier an weiteren Umfragen teilnehmen!
Euro- und Finanzkrise
KANN SICH GRIECHENLAND NOCH AUS DER SCHLINGE ZIEHEN?

news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige