Eurokrise Griechenland kurz vorm Staatsbankrott

Die Griechen brauchen Geld - mehr Geld als gedacht. Weil die Reformen während des Wahlkampfs stockten, gilt es nun erneut ein zweistelliges Milliardenloch zu stopfen. Doch die EU und vor allem Deutschland verweigern weitere Hilfen. Nun droht die endgültige Staatspleite.

Eine EU-Fahne über der Akropolis in Athen. Griechenland droht die Staatspleite. Sollte Athen noch mehr Geld brauchen, will der Internationale Währungsfonds angeblich nicht mehr mitmachen. (Foto)
Eine EU-Fahne über der Akropolis in Athen. Griechenland droht die Staatspleite. Sollte Athen noch mehr Geld brauchen, will der Internationale Währungsfonds angeblich nicht mehr mitmachen. Bild: dpa/Orestis Panagiotou/Archiv

Ein Staatsbankrott Griechenlands wird laut Medienberichten immer wahrscheinlicher. Die wichtigsten Geldgeber des Landes, allen voran Deutschland, sind nach Informationen der Süddeutschen Zeitung nicht mehr bereit, der Regierung in Athen über die bisherigen Zusagen hinaus Kredite zur Verfügung zu stellen.

Das Gleiche gelte für den Internationalen Währungsfonds (IWF). Am Wochenende hatte bereits das Nachrichtenmagazin Der Spiegel gemeldet, der IWF wolle seine Griechenland-Hilfe einstellen. Damit werde eine Pleite Griechenlands im September wahrscheinlicher.

Die Bundesregierung hat keine Informationen darüber, dass der IWF weitere Griechenland-Hilfen ablehne. Auf die Frage, ob die Bundeskanzlerin ein drittes Finanzpaket für Athen befürworten würde, antwortete Vize-Regierungssprecher Georg Streiter: «Ich sage dazu nichts.» Die Regierung warte den Troika-Bericht ab. Die Finanzkontrolleure von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und IWF untersuchen derzeit, inwieweit das Land seinen Reformverpflichtungen nachkommt.

Samaras benötigt weitere 50 Milliarden

Im Sanierungsprogramm der Griechen klafft laut Süddeutscher Zeitung erneut ein Loch in zweistelliger Milliardenhöhe. Grund sei, dass während des Dauer-Wahlkampfs im Frühjahr fast alle Reformvorhaben liegen geblieben seien. Zudem fordere die neue Regierung von Premier Antonis Samaras mehr Zeit für den Umbau des Landes.

Die im zweiten EU-Hilfspaket zugesagten Kredite, 130 Milliarden Euro, würden somit nicht reichen. Samaras muss entweder, entgegen aller Wahlversprechen, noch mehr sparen; oder aber die Euro-Partner müssten weitere Darlehen im Umfang von bis zu 50 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Kaum ein Land ist jedoch dazu bereit.

Chronologie: Der Verlauf der griechischen Schuldenkrise

Aus Berliner Regierungskreisen verlautete, es sei «undenkbar, dass Kanzlerin Angela Merkel noch einmal vor den Bundestag tritt und um Zustimmung für ein drittes Griechenland-Paket bittet». Tatsächlich hatte sie bei den jüngsten Parlamentsbeschlüssen zur Schuldenkrise schon Schwierigkeiten gehabt, die Koalition weitgehend geschlossen hinter sich zu vereinen. Auf ein weiteres Mal wird sie es - gerade im Fall Griechenland - kaum ankommen lassen.

Rösler hält Euro-Austritt für denkbar

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich indirekt dagegen ausgesprochen, Griechenland mehr Zeit zur Erfüllung der vereinbarten Reformen und Sparmaßnahmen einzuräumen. «Wenn es Verzögerungen gegeben hat, muss Griechenland diese aufholen», sagte Schäuble der Bild-Zeitung.

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Eine Prognose zum Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone lehnte Schäuble ab. «Ich werde der Troika nicht vorweggreifen. Wenn der Troika-Bericht vorliegt, wird die Euro-Gruppe beraten.» Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hält derweil einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone durchaus für denkbar. Ein solcher Schritt habe «längst seinen Schrecken verloren», sagte der Vizekanzler und FDP-Chef am Sonntag im ARD-Sommerinterview.

Es sei ersichtlich, dass Athen mit den Reformvorgaben von EU und Internationalem Währungsfonds nicht wie geplant vorankomme. Deshalb sage er ganz klar: «Wenn Griechenland seine Auflagen nicht erfüllt, dann kann es keine weiteren Zahlungen mehr geben.» Im Übrigen wünschten sich auch viele Griechen mittlerweile die Drachme als nationale Währung zurück.

Die EU-Kommission hat Spekulationen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum jedoch dementiert. Griechenland müsse und werde in der Euro-Zone bleiben, sagte ein Kommissionssprecher. Die Entscheidung über die Auszahlung der nächsten Kredittranche an Athen werde im September fallen. Bis dahin sei das Land finanziert.

zij/news.de/dapd/dpa

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Leserkommentare (30) Jetzt Artikel kommentieren
  • Lumpaz
  • Kommentar 30
  • 16.11.2012 08:50

Hoffentlich sind die demnächst alle endgültig pleite! Das ist ja nicht mehr mit anzusehen, wie diese Verbrechergilde CDU/FDP u.a. unser Geld diesen mediterranen Faulenzerstaaten in den Hintern steckt!!

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  • Andreas
  • Kommentar 29
  • 22.09.2012 11:44
Antwort auf Kommentar 27

Diese Versager CDU Frau Merkel und Herr Schäuble sowie FDP Rösler treiben mit einhundertprozentiger Wahrscheinlichkeit die Bundesrepublik Deutschland in den finanzpolitischen und volkswirtschaftlichen Ruin!

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  • Wilder
  • Kommentar 28
  • 07.09.2012 14:17

Ich verspreche hoch und heilig, nicht einmal mehr im Traum daran zu denken an einer Bundestagswahl teilzunehmen und meine Stimme der CDU, geschweige denn der FDP oder irgend einer anderen Jammertalpartei zu geben. Es ist unglaublich wie diese Politik-Banditen die Inszenierung um das nicht durch das Volk legitimierte Kohl-Waigelsche €uro-Spielgeld betreiben. Ja, Kohl hat versprochen, der €uro wäre so stark wie die DM. Das stimmt. Das Ersatzgeld ist jetzt genauso viel wert wie die DM, nämlich eins zu eins. In naher Zukunft wird dieser Schei߀uro nur noch 50 Pfg. wert sein.

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