Syrien 100.000 Menschen auf der Flucht

Mehr als 460 Menschen sind in Syrien in den vergangenen zwei Tagen getötet worden, Tausende fliehen über die Grenze in den Libanon. In Damaskus brennt der Kampf zwischen Regimetruppen und Rebellen. Derweil ist auch ein viertes Mitglied des engsten Assad-Kreises gestorben.

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Immer mehr Syrer fliehen vor den zunehmend blutigen Kämpfen in ihrem Land. Innerhalb von 48 Stunden seien 30.000 Menschen über die Grenze von Syrien in den Libanon geflohen, teilte die UN-Flüchtlingsagentur mit. Wie die libanesische Zeitung Daily Star berichtete, stauten sich die Autos am syrisch-libanesischen Grenzübergang Masnaa auf fast einem Kilometer in Viererreihen. Der Kontrollpunkt ist etwa 50 Kilometer von Damaskus entfernt. Aktivisten gingen inzwischen von rund 60.000 syrischen Flüchtlingen im Libanon aus, heißt es in dem Bericht. In der Türkei sind derzeit mehr als 43.000 Syrer als Flüchtlinge registriert.

Währenddessen liefern sich die Rebellen in der Hauptstadt einen Guerillakrieg mit den Truppen von Präsident Baschar Assad. Innerhalb von zwei Tagen kamen nach Angaben von Aktivisten im ganzen Land mehr als 460 Menschen ums Leben.

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22 Assad-Generäle desertiert

In Damaskus eroberten die Regierungstruppen am Freitag ein von Rebellen kontrolliertes Viertel wieder zurück. Diese teilten allerdings mit, sie hätten sich zurückgezogen, um sich angesichts ihrer militärischen Unterlegenheit auf Guerillaangriffe zu konzentrieren. Auch in anderen Teilen der Stadt versuchten die Regierungstruppen mit Mörsern, Maschinengewehren und Kampfhubschraubern, die Rebellen in die Knie zu zwingen, während diese mindestens zwei Polizeistationen sowie mehrere Konvois und Kontrollposten aus dem Hinterhalt attackierten.

Oppositionsangaben zufolge löst sich die reguläre syrische Armee nach dem blutigen Schlag gegen Assads innersten Machtzirkel immer weiter auf. Ein syrischer General und 20 weitere Offiziere flüchteten am Freitag in die Türkei. Damit seien nun 22 Generäle desertiert und aus dem Nachbarland über die Grenze gekommen, berichteten türkische Medien.

Viertes Mitglied von Assads Machtzirkel ist tot

Die Regierung führte ausländische Journalisten am Freitag in das zurückeroberte Viertel Midan. Auf den mit Schutt übersäten Straßen lagen die Leichen von mindestens sechs Männern, Dutzende ausgebrannte Autos und zerstörte Schaufenster prägten das Bild des Viertels. «Unsere heldenhaften Truppen haben Midan komplett von terroristischen Söldnern befreit», hieß es im syrischen Staatsfernsehen.

Die Syrische Beobachtungsstelle berichtete, dass allein am Freitag mehr als 170 Menschen im ganzen Land ums Leben gekommen seien, 50 davon in Damaskus. Mit mehr als 470 Toten waren die vergangenen Tage einige der blutigsten seit Beginn des Aufstandes gegen Assad vor 16 Monaten.

Als viertes Mitglied des inneren Machtzirkels von Assad erlag am Freitag auch der nationale Sicherheitschef General Hischam Ichtijar laut einem Bericht des staatlichen Fernsehens den Verletzungen, die er bei dem Anschlag von Rebellen auf den Sitz der Sicherheitskräfte vom Mittwoch erlitten hatte.

EU will am Montag neue Sanktionen beschließen

Der UN-Sicherheitsrat beschloss indessen am Freitag einstimmig eine Verlängerung der Beobachtermission für Syrien um 30 Tage. Demnach darf das Mandat der Truppe künftig nur noch dann verlängert werden, wenn UN-Generalsekretär und Sicherheitsrat ausdrücklich feststellen, dass keine schweren Waffen mehr zum Einsatz kommen. Nach Angaben der UN setzt das Regime derzeit Kampfpanzer, Artillerie und Kampfhubschrauber in Wohngebieten ein. Die Beobachter waren in den vergangenen Wochen angesichts der eskalierenden Gewalt in ihren Unterkünften geblieben.

Russland und China hatten am Donnerstag ein Veto gegen einen Resolutionsentwurf eingelegt, der einen Umbau der militärischen Beobachtertruppe zu einer zivileren Mission vorsah und erstmals auch die Drohung mit Wirtschaftssanktionen enthielt.

Die EU-Außenminister wollen am Montag weitere Sanktionen gegen Syrien beschließen. Zwischen zwanzig und dreißig Personen und zwei bis drei Firmen oder Organisationen sollten neu auf die Sanktionsliste gesetzt werden, kündigten EU-Diplomaten am Freitag in Brüssel an. Die EU versucht mit ihren Strafmaßnahmen, den Handlungsspielraum der Führung von Präsident Assad einzuschränken. Dazu friert die EU Gelder auf ausländischen Konten ein oder verhängt Reisesperren.

iwi/news.de/dapd/dpa

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Oliver
  • Kommentar 1
  • 25.07.2012 14:31

Alahu Akhbarr!! Als nächstes ist der Westen dran!

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