Nach Kölner Urteil Beschneidungsfrage entzweit Deutschland

Noch immer schlagen die Wellen hoch, nachdem das Kölner Landgericht die religiöse Beschneidung unter Strafe stellte. Der Bundestag will heute eine Resolution für fachgerecht durchgeführte Eingriffe beschließen. Doch die Deutschen sind einer Umfrage zufolge mehrheitlich für ein Verbot - wenn auch knapp.

Das Urteil des Kölner Landgerichts, das religiöse Beschneidungen als Körperverletzung einstuft, sorgt weiter für Aufregung. (Foto)
Das Urteil des Kölner Landgerichts, das religiöse Beschneidungen als Körperverletzung einstuft, sorgt weiter für Aufregung. Bild: dpa/Julian Stratenschulte

Fast die Hälfte der Deutschen ist für ein Verbot ritueller Beschneidungen von Jungen. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa sprachen sich 45 Prozent dafür aus, der Jahrhunderte alten islamischen und jüdischen Tradition einen Riegel vorzuschieben. 42 Prozent waren gegen ein Verbot, 13 Prozent hatten keine Meinung zu dem Thema.

Ende Juni hatte das Kölner Landgericht die Beschneidung als strafbare Körperverletzung gewertet und damit international einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Angesichts der internationalen Empörung über das Kölner Urteil glauben 33 Prozent der Befragten, dass ein bundesweites Verbot Deutschlands Ansehen in der Welt schaden würde. 55 Prozent glauben das nicht.

83 Prozent meinen, Religionen sollten mit der Zeit gehen und nicht um jeden Preis an alten Traditionen festhalten. Nur 9 Prozent meinen, eine Modernisierung religiöser Bräuche sei nicht nötig.

Parlament für fachgerechte Beschneidung

Der Bundestag will heute ein Signal für die religiöse Beschneidung von minderjährigen Jungen setzen. Das Parlament beabsichtigt, eine fraktionsübergreifende Resolution zu beschließen, wonach eine fachgerecht durchgeführte Beschneidung grundsätzlich zulässig sein soll. Eine gesetzliche Klarstellung wird allerdings frühestens im Herbst erwartet. Union, FDP, SPD und Grüne sind gegen ein Beschneidungsverbot, die Linke ist als einzige Fraktion unentschlossen.

zij/news.de/dpa

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Leserkommentare (70) Jetzt Artikel kommentieren
  • H.Junker
  • Kommentar 70
  • 06.08.2012 13:57

Jedes Land urteilt nach eigener Gesetztgebung.Hier die Menschenrechtsregelung einzufordern ist Schwachsinn. Weder das Islamische Recht, noch die Unrechtsordnungen im Russland oder China,noch Waterboarding des US-Militärs oder die Todesstrafe.Es bleiben immer die Interessen der Stärkeren. Deutsches Recht zur Beschneidung einzufordern ist möglich,aber ebensowenig sinnvoll wie den Firmen IKEA und Co. die Kinderarbeit vorzuwerfen und weiterhin die Waren zu kaufen! Also lassen Sie mal die Kirche im Dorf.Die Karavane zieht weiter und so "Dauer-Lutscher"wie das hpklimbim nerven zur Freude weiter.

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  • hpklimbim
  • Kommentar 69
  • 05.08.2012 19:08
Antwort auf Kommentar 68

Da waren wir schon bei K28 angelangt. Dann gab es noch Beiträge über den Einfluss der Kirche und den Missbrauch durch sie. Dann wurde es unsachlich, nicht zuletzt Dank Ihnen.

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  • Anwalt
  • Kommentar 68
  • 05.08.2012 16:03

Ob mit oder ohne Vorhaut, jeder sollte nach seiner facon selig werden! Da braucht es weder Vorbeter noch Rechthaber.

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